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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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510 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

Dichter mit dem personifizierten Kloster gehalten wird und jedenfallseine formale Anlehnung an den berühmten Dichter der VergangenheitWalahfrid Strabo, 1 ) darstellt. Ein Prolog von vier Versen führt das Gedichtein und kündigt das Thema an. Dann beginnt das eigentliche Werk undder Dichter fragt die Augia nach der Ursache ihres Schmerzes, den sieso offen zur Schau trage, obwohl sie in den jetzigen Zeiten des Friedensdoch gar keinen Grund zur Klage habe. 2 ) Sie antwortet, daß sie von ihremBräutigam verlassen sei; sie spricht also in der Ausdrucksweise des HohenLiedes, denn unter dem Bräutigam ist der Abt zu verstehen. Der Dichterbittet sie dann, ihm von der Zeit nach Ruodmanns Tode zu erzählen. Sieklagt nun über die schlimmen Zeiten, die damals über das Kloster ein-gebrochen seien, bis sie sich mit Witigowo verbunden habe. Aber auchhier habe sie zu klagen, denn der neue Abt verbringe fast seine ganze Zeitim Königsdienste und Kriege und sei stets auf Reisen abwesend, kaumhabe er Zeit, sie kurz zu begrüßen. Auch nach Rom haben ihn seine Reisengeführt, und er habe von dort ein kristallenes Gefäß mit Blut Christi fürdas Kloster zurückgebracht, wozu der Dichter Vs. 276 ff. sie beglückwünscht.Weiter berichtet sie dann von den Bauten Witigowos für das Kloster undgehtauf seine Kirchenbauten ein, wobei sie ausführlich bei deren plastischemund malerischem Schmuck verweilt. 3 ) Seltsamerweise werden diese künst-lerischen Arbeiten in ein annalistisches Schema eingeordnet, so daß siestreng chronologisch vorgeführt werden. Mit Vs. 491 hat die Erzählung ihrEnde erreicht. 4 ) Sie bietet gar nichts Literarisches, enthält aber sehr vielfür die Kunstgeschichte wichtige Momente. Ein Epilog von drei Versengibt das Ende des Gedichts deutlich an, 5 ) aber 996 hat der Dichter eineFortsetzung angehängt, er fährt bei Vs. 495 mit dem 11. Jahre Witigowosfort und berichtet, indem er die dialogische Form aufgibt, zuerst vom Neubauder Pelagiuskirche und dann 510 ff. vom Römerzug Ottos III., und zwarhier in merkwürdig gewundener Ausdrucksweise. Schließlich erzählt er vonOttos Kaiserkrönung, um dann mit der Rückkehr Witigowos von Italiennach Reichenau und mit den von ihm erworbenen Privilegien sein Gedichtzu beenden. Aus der Dichtung ergibt sich aber, wenn man zwischen denZeilen liest, ganz deutlich die Mißstimmung im Kloster wegen der zuhäufigen Abwesenheit des Abtes; wahrscheinlich hatte sich aus diesemGrunde 6 ) und vielleicht infolge seiner außerordentlichen Bautätigkeit dieZucht gelockert, und er wurde daher im Jahre 997 abgesetzt. Purchardhat sein Gedicht in überwiegend leoninisch gereimten Versen geschrieben.Sein Ausdruck ist im allgemeinen klar und verständlich, die Sprache ein-fach und ohne besondere poetische Künstelei.

Zeugnisse. Zum Verfasser des Gedichts vgl. die Widmung (MG. SS. 4, 622,1) Be-verentissimo Augiensium patrum senatui . .. Purchart. Auftrag durch die Brüder 5 miror

In seinem Gedicht De imagine Tetrici j liamus, tis suppeditatur in usus ist nach

hatte er einen Dialog zwischen Poeta undScintilla gehalten.

2 ) Augia felix im Prolog Vs. 2 nach Walah-frid Vita Mammae 26,60 (P. L. 2,296) undCarm.75, 13.4 (PL. 2,413).

s ) Vs. 23 Quoil super astra volat, quic-quiä tnaris unda ministrat, S/quid gignit

Sedul. P. C. 1,11 f. gesagt; tis = tut aus Ser-vius in Aen. 2,595. Vs. 165 vgl. mit Juvenc.hist. ev. 1, 76.

4 ) Vs. 474 vulgaris fabula fio wohl nachHorat. Ep. 1, 13, 9.

5 ) Vs. 492 Carminis hie finem dat clausula.

6 ) So urteilt Ebert 3,340.