Gedicht auf Konstantin von Fletiry. 507
vorgesetzt, nachdem er ein Lied auf die Ankunft des hl. Benedikt in Fleurygedichtet und komponiert hatte; und vor dem 191. Briefe Gerberts stehtals Aufschrift Constantino Miciacensi abbati. Auch hat sich in GerbertsBriefsammlung ein Stück erhalten, in dem Konstantin seinen mächtigenFreund um Beihilfe zur Rückgabe der dem Kloster Fleury geraubten Gegen-stände bittet. Fraglich ist hingegen, ob der in Abbo von Fleurys Brief er-wähnte Dekan Konstantin der unsrige ist; dieser Brief müßte in die früheAbtszeit Abbos fallen, da Konstantin hier Dekan ist, und er kann docherst nach 1003 geschrieben sein, weil Bischof Fulco von Orleans darin ge-nannt wird, der erst 1003 zu dieser Würde kam. 1 ) Vielleicht beziehen sichaber Verse auf den Abt von Micy, in denen von ihm gerühmt wird, daßer eine wertvolle Handschrift zusammenstellen ließ. Jedenfalls aber stammtaus seiner Umgebung in Fleury oder in Micy ein Gedicht, das mit Auf-putz großer Gelehrsamkeit gefertigt ist und mit großer Vorliebe für grie-chische Wörter und für gesuchte, ungewöhnliche Ausdrücke den Konstantinin den Himmel erhebt. Vielleicht regierten die Karolinger damals noch inWestfranken und durch den Eingang des Gedichts, das dann vor 987 ver-faßt sein müßte, würde dargetan, daß Konstantin mit dem Herrscher-geschlecht verwandt war. In dem Gedicht heißt es nun: „Ich halte esnicht für nötig. Konstantin, deine Herkunft zu preisen, daß du nach denTorheiten des Antenoridischen Untergangs aus dem Geschlecht der lockigenKönige stammst, das die römische Burg regiert hat und die Welt unterkaiserlicher Herrschaft hält." Auf die rhetorische Frage, wie er ihn rühmensolle, ergießt er nun von allen Seiten einen gewaltigen Lobschwall auf ihn,den Gott auserwählt habe zu einem rechten Obervorsteher des Gottes-dienstes. Die ganze Welt feiere ihn, am meisten jedoch die Mönche deshl. Remigius, und er sei Christus lieb und allem Volke verehrungswürdig,denn er sei eine Leuchte unter den Gelehrten und eine Zier des Mönch-tums. Aber er, der Dichter, habe einen Betrug an ihm erkannt, denn alssie beide persönlich zusammengetroffen seien, habe er ihm seine baldigeRückkehr mit höflichen Worten versprochen, doch habe er das Versprechennicht gehalten. Und deshalb bewahre er sein Schreiben sorgfältig auf,das mehrere Gedichte enthalte, und er erbitte einen neuen Brief von ihm,da er ihm die persönliche Gegenwart weigere. Von Gerbert stammt dasGedicht keinefalls, denn dazu ist, wie Dümmler schon bemerkte, die Formzu ungeschickt, und außerdem paßt das außerordentliche Lob auf denAdressaten des Gedichts nicht zu Gerberts sonst bekannten Äußerungen.Wir haben den Verfasser aber nach Vs. 75 und 99 f. unter den Mönchen vonSt. Remi zu Reims zu suchen.
Vielleicht gehört dem Verfasser noch ein zweites Gedicht an, das sichin derselben Überlieferung findet. Dümmler machte für die Gleichheit desAutors auf die Vorliebe für griechische Wörter und für gesuchte Ausdrückeaufmerksam, die sich beiderseits findet; aber das liegt mehr in der Zeitbegründet. Noch ließe sich eine gewisse Gleichheit des Stoffes anführen,da der Verfasser des zweiten Gedichts sich gleichfalls an einen Adressaten
') Vgl. Gallia christiana 8, 1430.