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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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Walther von Speier.

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so»ar etwas übertrifft, beschäftigt sich nämlich mit Ausnahme der kurzenSchlußapostrophe an den hl. Christophorus ausschließlich mit dem Bildungs-gange des Autors und ist daher, obwohl es ganz aus dem Thema heraus-fällt, wegen der vielfachen persönlichen Momente und wegen des ziemlichklaren Einblicks in die damaligen Schulverhältnisse, den es gewährt, füruns weitaus der wichtigste Teil des ganzen Werkes überhaupt. Allerdingshat K. Richter mit vollem Recht hervorgehoben, daßdieses Lektions-verzeichnis eines Schulunterrichts fortlaufende Rätsel bietet, zu deren Lösungselbst die peinlichste Fachbildung nicht ausreicht". Und jede unbefangeneLektüre dieses Buches wie der folgenden läßt im Leser schwerlich den Ein-druck einer großen dichterischen Befähigung zurück. Da nämlich der Aus-druck ungemein gespreizt ist und der Dichter zur Aussage jedes Gedankensnicht nur sehr viele Worte gebraucht, sondern auch fast nirgends unmittelbarund klar zum Ziele zu kommen sucht, so erhält man fast überall den Ein-druck der größten Künstlichkeit und Geschraubtheit. 1 ) Die Allegorie, diein ihrem Übermaß der Hauptfeind echter Dichtung im Mittelalter gewesenist und die dem Kleriker sowohl durch die altchristliche Poesie wie durchdie Werke der Väter ein so vertrauter Irrgarten der Gedanken wurde, hatbei Walther fast jedes Gefühl für Natürlichkeit erstickt; und das ist hierum so mehr zu beklagen, als es sich um persönliche und wissenschaftlicheGegenstände handelt, die durch das Labyrinth der ungeheuerlichen Tropenund Metaphern nur mühsam durchschimmern. Hätten wir es mit einerrein religiösen, mit einer dogmatischen Dichtung zu tun, so wäre mit Hilfeder Allegorie der Kirchenväter doch vieles klarzulegen, aber so kann derVorwurf dem Walther nicht erspart bleiben, daß er durch übel angebrachteallegorische Spekulationen den an sich so dankenswerten Vorwurf eigent-lich zu Falle gebracht hat. Er beginnt mit dem grammatischen Unterrichtund schließt hieran zuerst allerhand Lesefrüchte aus der antiken Mytho-logie 2 ) und dann die gebräuchlichen Schuldichter 3 ) an. Hierauf folgenDialektik und Rhetorik sowie die Arithmetik, die mit fünf Rechenspeziesvorgeführt wird. In der Geometrie wie in der Musik werden Boethius undMartianus als die grundlegenden Autoren genannt und es wird Bezug aufihre Werke genommen. Nicht ungeschickt erfolgt dann der Übergang zurAstronomie, die mit der Erwähnung einiger Sternbilder die reichlich200 Verse betragende Darlegung des Bildungsganges abschließt. Erst danngeschieht des hl. Christophorus Erwähnung, dessen Leben darzustellen derDichter unternehmen will. In ganz ähnlicher Weise verläuft nun der Be-richt vom Leben des Heiligen, denn die eigentliche Erzählung ist überalldurchsetzt mit längeren allegorischen Ergüssen, mit Vergleichen und mitsonstigen Abschweifungen vom Thema, so daß der epische Fluß ungemeinhäufig unterbrochen wird. Hierzu kommt als weiterer, sinnerschwerender

') Vgl. hierzu die von K. Richter S. 1417beigebrachten Stellen.

2 ) Sie stammen besonders aus Servius undPulgentius; vielleicht ist auch Remigius darinbenutzt.

3 ) Vs. 93105 werden erwähnt Homer,

Martianus Capella, Hora'z, Persius, Juvenal,Boethius, Statius,Terenz, Lucan,Vergil. Vs.107 118 erzählt Walther von vielfachen dich-terischen Debungen, denen man sich nachder Lektüre der Schuldichter hingegeben habe.