504 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.
an den Leser (p. 7—15) hat die Aufschrift Praefatio ad invitandum lectorem idonea (zumbesseren Verständnis, teilweise aus Juvenal, 1 ) von Vs. 1—3 s. Bursian in den Jahresberichtenf. d. klass. Philol. 1878 Bd. 15, 3, 104); wenn Harster hier p. 8 n. zu Vs. 21 — 68 an Siliuadenkt (vgl. auch Harster, Walther von Speier S. 20), so ist dem entgegenzuhalten, daßaußer in der alten Aufschrift in Reichenau (Becker 15, 316) und der Bemerkung im Bern. 363auf f. 147 b (s. Gottlieb, Wiener Studien 9, 157) Silius im ganzen Mittelalter nicht begegnetund nach Poggios Fund (1416 oder 1417) in der Bibliothek Calixtus' 111. 1455 (s. Müntz etPabre, La bibl. du Vatican p. 104) zuerst wieder genannt wird. Das Werk selbst scheintwenigstens was das Gedicht betrifft, des eigentlichen Titels zu entbehren, er begegnetallerdings in der aber wohl erst später zugesetzten Aufschrift des Briefes p. 104 Incivitprologus de vitas. Christophori; doch besitzt ihn die Prosa Inclpit vlta et passio s. Chrislophorimartyris, dagegen hieß Hazechas Schritt Libellus de virtutibus s. Christophori nach BalderichsAussage in Walthers Brief p. 103. Daß Balderich das Gedicht in sechs Bücher teilte, be-richtet Walther an Hazecha p. 104 officium toto nisuperfectum praefatl monitoris manibiisin sex giiodammodo libellos dispersum; die ursprüngliche Gestalt ist also nicht erhalten.Die doppelte Form war von Balderich gewünscht worden, vgl. den Brief p. 106 vel potiusiuxta Moronis in verslbus disciplinam sive Oiceronis in prosa, prout valeas, industriam iteratastill acie e vestigio exarandum iniungo. Dieser Widmungsbrief an Baldo (ed. Harsterp. 104—108) ist übrigens wahrscheinlich dem ganzen Werke vorangestellt gewesen, da ersich auf beide Teile bezieht. Der Brief an Hazecha p. 102—104, sein Datum ergibt sich ausp. 103 Qul ettam me retro abhinc triennio . . . oratione impllcuit. Daß Walther zu dem fürHazecha bestimmten Exemplar Erklärungen hinzugesetzt hatte, beweisen die Worte p. 104Iniunctl operis officium . .. ab eo emendatum et ut verum serles poscebat diligenter expositum;er scheint sich also diesem in karolingischer Zeit nicht seltenen Gebrauche angeschlossenzu haben. Die Sendung an die Salzburger hat die Ueberschrift Epistula Uualtherl subdiaeoniad collegas urbis Sallnarum directa und der Brief motiviert in seinem Anfange die Sendungmit den Worten hominis Liutfredo*) Benzoni et Frlderlcho una cum ceteris datae consortibuxpacls Vualtherus . . . Libellum nostrae modulationls, quem vlsetidl gratia vestra postulcuitadoptlo . . . iuxta promissum in promptu habetls; zur Zeit des Briefes vgl. p. 2 Atque tibipraecepto domlni non multo post viam universae carnis intravit. Walther war damals krank,s. p. 3 Aegritudo et infirmltas infirmavit litteras. Zum Leben Walthers ist besonders zu ver-gleichen W. Harster, Walther von Speier (Speier 1877) S. 15—28, A. Schönbach, Anz.f. deutsch. Alt. 6, 156 und Pannenborg, Gott. gel. Anz. 1879, 1, 634 f. Die vielfach vonHarster abweichenden Ansichten K. Richters (Acta germanica 5,1, 8 f.) würden doch erstnäher zu erweisen sein; besonders bedenklich scheint mir, was hier über den angeblichenBesuch Hazechas gesagt wird, sowie, daß Walthers Angabe, Hazechas Gedicht sei verlorengegangen, als Fiktion hingestellt wird (S. 9). Zur Unsicherheit der Stellung als Bischofs. Schönbach a. a. O. S. 156, Richter S. lOf. hält sie für wahrscheinlich, um seine Auf-fassung von Walthers höfisch-klerikalem Wesen zu unterstützen. 3 ) Das Epitaph des BischofsWalther von Speier hat Ekkehart IV. gedichtet, es steht im Liber benedictionum (ed. Egli,St. Gallen 1909, S. 398) unter den Varia N. 9.
Die Vita et passio s. Christophori. Es ist durch A. Schönbach, 4 )und besonders durch K. Richter 5 ) zur Evidenz erwiesen worden, daß sichWalther an einen geschriebenen Bericht über das Leben des Heiligen an-gelehnt hat; das steht jetzt namentlich nach Richters Hinweis (S. 22 und 33)auf den Brief Ratrams über die Cynocephalen völlig sicher. 6 ) Dem erstenBuche gab Walther den Titel De studio poetae qui et Scholasticus, wie dieÜberlieferung ausweist und wie er selbst am Schluß des Briefes an dieSalzburger besonders erwähnt. 7 ) Dieses Buch, das die übrigen an Umfang
') Er wird dort auch zu 4,36, wie auch und Hoffory Bd. 5, 1,18—22.
Statius zu 3, 157, notiert. 6 ) Der Brief steht jetzt MG. Ep. 6,155 ff.
2 ) Zu Liutfred als Lehrer in Salzburg vgl. N. 12, wo auch auf die Benutzung der PassioWolfheri vitaGodehardiant.6(MG.SS.ll,172) i s. Christophori aufmerksam gemacht wird.und W". Harster, Walther von Speier S. 22; Ich bemerke übrigens gegen Richter (S. 22),Wattenbach, 1,453. I daß Ratram Mönch in Corbie und nicht in
3 ) Es ist daher auch durchaus unsicher, ob ! Korvei war.
dasZtschr. f. deutsch. Alt. 14,46 (und Harster j ') p. 3 (ed. Harster) Titulum vero libri I
S. 28) hrsg. Epitaph des Bischofs Walther dem ! Scholastlcumpropter prlncipiaplacuitvocan;
Dichter zukommt. vielleicht ist hiernach diese Benennung durch
4 ) Anz. f. deutsch. Alt. 6, 157—168. i Balderich erfolgt.• r ') Acta germanica hrsg. von Henning |