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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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498 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

Odo Zeugnis in der Vorrede, die er zu Fridegods Gedicht schrieb. Schondiese Vorrede bietet einen Vorgeschmack zu dem Gedichte, sie ist reichlichgewürzt mit griechischen und mit seltenen lateinischen Ausdrücken, dieder Glossenliteratur unzweifelhaft entstammen. Ist solche Ausdrucksweiseund solch affektiert gelehrter Stil uns auch sonst aus der zeitgenössischenProsa wie bei den Italienern Liudprand und Atto bekannt, so ist sie ineinem Gedicht um so seltsamer; freilich ist sie auch hier nicht ohne Vor-gänger, wie das Beispiel Abbos von St. Germain beweist. Fridegod hatdie eintönige Darstellung Aeddis zugrunde gelegt, ist aber mit dieser Vorlagesehr frei verfahren. Nämlich die Züge der älteren Lebensbeschreibung, dieihm poetisch nicht paßten, hat er einfach beiseite gelassen, während eranderes breit ausmalt. Die poetische Sprache Fridegods ist im allgemeinennicht eben durchsichtig und klar, sie verrät aber Studium von Vorbildern,und zwar besonders von Vergil, Sedulius und Aldhelm. Und der Tadel, denschon Wilhelm von Malmesbury über das Gedicht ausspricht, daß nämlichdas Griechische in der Ausdrucksweise eine zu große Rolle spiele, istdurchaus berechtigt. Aber es finden sich nicht allein viele Fremdwörterin den Versen, sondern deren Verständnis wird auch durch die vielen ein-gestreuten seltenen Ausdrücke beeinträchtigt, die Fridegod aus lateinischenGlossenwerken entnahm. Der Dichter hat hiervon wohl selbst die richtigeVorstellung gehabt, denn beide erhaltenen Handschriften seines Werkes be-sitzen am Rande oder zwischen den Zeilen Erklärungen zu fast allenschwierigen Wörtern. Diese reichlichen Glossen scheinen daher von Fridegodselber beigeschrieben worden zu sein, und nur bei einer einzigen Erklärung, 1 )die aber grammatischen Inhalts ist, braucht der Dichter nicht der Glossatorzu sein; und es würde dann hier der auch sonst vorkommende Falleingetreten sein, daß die Glossen des Dichters später vermehrt wurden.J. Raine glaubt allerdings, daß das Verhältnis anders ist. 2 ) Es existierennämlich zwei ziemlich verschiedene Rezensionen des Gedichts, von denendie eine aus Corbie stammte und von Mabillon für seinen Druck benutztwurde. Die andere wird durch je eine Handschrift im Britischen Museumund in Paris repräsentiert. Raine meint nun, daß die Corbier Hand-schrift das ursprüngliche Original wiedergab, weil nämlich die Hand-schrift des Britischen Museums, 3 ) wo sie von der Corbier abweicht, ihreDiskrepanzen über Rasuren schreibt, und er glaubt, daß der Zusatz derzahlreichen Glossen zu derselben Zeit erfolgte, als die Anfertigung dieserzweiten Fassung erfolgte. Dafür spricht aber eigentlich nichts, denn esist durchaus nicht sicher, daß die Handschrift von Corbie die Glossennicht besessen hat; und ebensogut kann ihr Schreiber eine Vorlage benutzthaben, in der sie nicht mit eingetragen gewesen sind. Und mir scheintvor allem der Umstand gegen Raines Auffassung zu sprechen, daß derVerfertiger der zweiten Fassung gegen achtzig Jahre später, 4 ) als das

1 ) Nämlich zu Vs. 325 pars pro toto id I at Paris.

est postremo clavem posuit. 4 ) Denn die Hs.Cotton. Claudius AI stammt

2 ) The historians of the church of York nach Raine aus dem Beginn des 11. Jahr-and its aichbishops Bd. 1 p. XLI. hunderts.

3 ) Raine bemerktp. XLI followed by that \