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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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492 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil,

der Vita Anskarii, Herigers Vita Ursmari, Alphanus von Salernos Vita duo-decim fratrum sowie eine Menge kleinere Gedichte desselben Verfassersendlich Waifars von Montecassino De miraculo illius qui se ipsum occidit.Sodann ist die geistliche Lyrik aufzuführen. Seit langen Zeiten hatte sichdas Kirchenlied, der Hymnus, beim Kultus eingelebt, es war zu einemBestandteil des Gottesdienstes geworden. Bezüglich seiner Stoffe herrschteallerdings große Verschiedenheit, denn wenn auch für bestimmte Festesich bestimmte Lieder fest eingeführt hatten, so gebrauchte man doch anden verschiedenen Orten gemäß der besonderen Verehrung von Ortsheiligendiesen besonders gewidmete Lieder und daher stand die Hymnendichtungfür die Lokalheiligen in hohem Ansehen. Für den Hymnus hatte sich aberein besonderer Typus ausgebildet. Nämlich nach einer Einleitung von eineroder mehreren Strophen wurden aus der Geschichte des Heiligen mehrerewichtige Ereignisse berichtet und in allegorische Beziehung zu biblischenDingen gebracht, dann der Heilige um seine Fürsprache bei Gott oderChristus gebeten und der Hymnus mit dem orthodoxen Bekenntnis derTrinität geschlossen. Die Form des Hymnus ist meist rhythmisch und zwarwird hier der jambische Achtsilber bevorzugt; viel seltner werden nochmetrische Hymnen gedichtet und dann meist in den künstlichen, aberschwungvollen Odenmaßen eines Prudentius oder Boethius, wie das z. B.Alphanus getan hat. Die rhythmischen Hymnen sind stets gereimt, diemetrischen zeigen zuweilen den Reim beider Vershälften oder begnügensich auch mit der Assonanz der Versenden. Hymnen dichteten Wulstan aufEthelwold und Svithun, Ademar von Chabannes auf Eparchius von Angouleme,Fulbert von Chartres auf den hl. Pantaleon und den hl. Piatus in Fünfzehn-silbern und mehreres andere, Hermann von Reichenau auf Heilige Schwabensund Bayerns und mehrere Sequenzen, ein unbekannter Mönch dichtete eineCantilena auf Heribert von Köln in Sequenzenform, Jotsald von Cluni schriebmehrere rhythmische Gedichte auf den Abt Odilo und seinen Tod, Heribertvon Eichstätt dichtete mehrere Hymnen auf Eichstätter Lokalheilige undandre Heilige, Otloh von St. Emmeram auf Weihnachten und auf biblischeStellen, Alphanus von Salerno schrieb eine große Anzahl Hymnen auf ver-schiedne Heilige, Waifar von Salerno endlich besang die Auffindung deshl. Secundinus in einem Hymnus. Der Rhythmus wird aber auch noch zuandern Gedichten verwendet, wie z. B. ein karolingischer Dichter vielleichtdas ganze Paschale Carmen in vierzeilige Strophen von Elfsilbern umsetzte,wovon sich ein kleines Bruchstück erhielt, 1 ) oder wie der ArchidiakonGibuin von Langres einen Rhythmus auf die Schönheiten des Paradiesesschrieb. Und so bedient sich auch das volkstümliche historische Lied desRhythmus, wie in der Klage auf die Ermordung des Herzogs WilhelmLangschwert von der Normandie, 2 ) oder Wipo in seinem Klagelied auf denTod Konrads II.

Andreas in der Vita Gauzlini 1, 2 (Neues Ar-chiv 3, 352) Translationis quoque seriem Gi-raldus Jiaud spemendc scientiq fulgor elegiacodefloravit peutametro (ungedruckt).

') Aus Paris. 9347 f. 4» s. IX .heraus-gegeben von Wilh. Meyer, Göttinger Nachr.

1917 phil.hist. Klasse S. 594 ff. Der Verfaserwar ein Ire.

2 ) Ausgabe von J. Lair, Bibl. de l'ec. deschartes 31,389 ff.; vgl. L. Delisle, Notice surdes mscr. du fonds Libri cons. ä la Laurent,ä Florence (1886) p. 40.