Waifarius von Salerno. 437
stammte, die den Kriegen gegen Karthago und Numantia das Ende be-reitete. Mit diesem großen geschichtlichen Eingang, der sich dem zurVita Seeundini würdig an die Seite stellt, beginnt Waifar das Leben seinesHelden, dessen christliche Tugenden er dann in einem stark rhetorisch ge-haltenen Aufriß vorführt. Die nächsten Abschnitte bestehen aus ziemlichbreit vorgetragenen, aber gut entwickelten geistlichen Ermahnungen, dieetwa im Stile einer Predigt gehalten sind und sich auf die Verachtungder Welt, die Nachfolge Christi und die Aneignung der christlichen Tugendenbeziehen, wozu Cicero undSeneca benutzt werden, 1 ) so daß diese Ermahnungenmehrfach ganz allgemeiner Art sind und nicht einen spezifisch christlichenEindruck machen. Sie werden übrigens dem Lucius in den Mund gelegtund zwar so, daß er sie vor der Gemeinde in Rom gehalten habe. Undsie bewirkten, daß Lucius nach dem Tode des Cornelius zum Papst er-hoben wurde. Was aber Waifar von ihm als Papst weiter zu erzählenweiß, ist so ungemein wenig, daß er, um nur einigermaßen etwas vor-zubringen, dies wenige in außerordentlich viel Worte kleidet. Schließlichberichtet er, daß im römischen Volke eine feindselige Strömung gegendie Christen, die Verächter der Götter, entstanden, und daß ein vornehmerMann im Senat aufgetreten sei und gegen die Christen gesprochen habe.Mitten in der Rede dieses Mannes bricht das Buch ab. Auch dieseSchrift ist, wenn sie auch vollständig erhalten wäre, keine Biographiezu nennen. Wir finden eine vom christlich-historischen Standpunkte guterdachte und auch gut ausgeführte Einleitung, die aber bedeutend größereErwartungen hervorruft, als sie dann das eigentliche Werk erfüllt. Dochmuß auch hier die formale Seite gelobt werden. Man befindet sich beiSchriftstellern wie Alphanus und Waifar in Monte Cassino fast wie imausgehenden Altertum, deutliche Spuren weisen bei ihnen noch auf diegroße Zeit altrömischer Literatur und die Sprache ihrer Werke atmetLeben und Bewegung und ist von merkwürdiger grammatischer Reinheit.Allerdings kommt bei diesen Süditalienern das rhetorische Element sehrstark zum Ausdruck.
Gedichte. 1. Versus in laudem psalterii. DiesGedichtvonll5Hexa-metern beginnt mit dem Preise Davids und der Herkunft Christi aus dessenStamme. Der Inhalt besteht aus Lebensregeln, Ermahnungen und Sentenzen,die aus den Psalmen gezogen werden. 2. De miraculo illius qui seipsum oeeidit. Waifar beginnt hier mit Christi Opfertod und fordert denLeser auf, seine Hoffnung auf den Erlöser zu setzen. Daß wahre Reue derSünden zum Heil verhilft, dafür gibt es auch in der Gegenwart Beispiele,deren eines hier vorgestellt wird. Unter einer Schar von Franzosen, diezur Anbetung des hl. Jakobus nach Spanien gehen wollten, befand sich auchein einfältiger Mensch, der sich eines Abends, als es Zeit war, zur Her-
') 2,7 (Migne 147, 1306C) Syracusanum I mperbus aliquis aversatus est autpalamrisit,
iUum, cuhis impendere cervieibus in Wo tarndesiderato apparatu rßadius a tecto demissusseta equina cernebatur aus Cic.Tusc. 5,21, 61 f.2, 8 col. 1306D qui quorundam inhonorificofacto vel dicto moventur, si Worum sermonem
qui si cum aliis ad coeuam non admissi sunt,uut si admissi, non in medio sed in ultimoforte locati ist genommen aus Sen. de const.10.2 p. 26 ed. Haase tom. I.