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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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486 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

zu Hause war, und man könnte daher eine besonders gute Biographie ausseiner Feder erwarten. Und in ähnlicher Weise ist auch der Anfang derSchrift gehalten, wenn auch beidemal das alte Troja an Stelle der apulischenStadt substituiert wird. Nämlich mit einem kurzen Hinweis auf die sagen-berühmte Stadt beginnt Waifar. Er berichtet, daß aus ihr Aeneas stammte,der Ahnherr der Quiriten, und daß lange Zeit der troische Boden in völligerVerwüstung gelegen habe, nur der Xanthus, der Simois und die Insel Tenedoserinnerten an die alte Stadt. Doch diese erstieg allmählich wieder vonneuem, um aber während des Bürgerkrieges wegen ihrer Treue zu Sullavon Fimbria an der Spitze der Marianer wieder gänzlich zerstört zu werden.Seitdem war Troja bis heute ein Körper ohne Namen. Aber auch in Apuliengibt es eine Stadt in sehr fruchtbarer Gegend, die Ecana hieß und durchihre Bauwerke auffiel 1 ) und später Troja genannt wurde. Als hier dieBauleute mit ihren Arbeiten eifrigst beschäftigt waren, fanden sie eineMarmortafel mit dem Epitaph des hl. Secundinus und unter dem größtenJubel des gesamten Volkes wurde endlich der Leib des Heiligen entdeckt.Der Bischof der Stadt hielt das zwar alles für Blendwerk und verhöhntedas Volk wegen seiner Leichtgläubigkeit. Aber es befiel ihn dafür soforteine schwere Krankheit. Und da man ihn nicht retten konnte, riet manihm, sich an den Heiligen um Hilfe zu wenden. Und als das gesamte Volkzum Heiligen betete, wurde der Bischof wieder gesund und er stattete demSecundinus seinen Dank ab, machte aber, um alle Zweifler zu beruhigen,mit dessen Gebeinen die Feuerprobe, die auch vollkommen gelang, indemsich keine Spur von Verbrennung an ihnen zeigte. Und als der Heiligenun neue Wunder verrichtete, nahm das ganze Volk an seiner Verehrungteil und spendete ihm Gaben aufs reichlichste. Hierauf berichtet Waifarnoch ein weiteres Wunder des Heiligen und damit endet der Bericht über-haupt, ohne daß die Darstellung zu einem wirklichen Schlüsse gelangt wäre.Jedenfalls verdient dies Schriftchen nicht den Namen Vita Seeundini, dennaußer der historisch-geographischen Einleitung liest man nur einen kurzenBericht von der Auffindung und von einigen Wundern des Heiligen. DerStil ist übrigens lebendig und die Sprache verständlich und nach gutenMustern gebildet.

Vita s. Lucii papae et martyris. Im Eingange dieser wohl nurzum kleinen Teil überlieferten Schrift handelt Waifar ganz im allgemeinenüber die Heldentaten der Märtyrer, die er den tapferen Soldaten vergleicht.An ihrer Spitze stehen zwölf Feldherren, unter denen er die Apostel ver-steht. Ihr Führer ist Petrus, der die kapitolinische Burg bestieg und dortden Jupiter vom Throne warf. Er und seine Schüler befreiten die Weltvon den Lastern und haben in ihrer völligen Armut die weltlichen Ämterdes Staates in geistliche Würden der Kirche umgewandelt und durch Zeichenund Wunder die Welt so besiegt, daß sogar das Kaiserreich heute demBefehl des Papstes gehorcht. Aber die römische Weltmacht erklärte an-fänglich den Päpsten den Krieg und viele sind als Märtyrer gestorben.So auch Lucius, dessen Tag heute gefeiert wird und der aus der Familie

') Diese Stelle ist aus Apul. Flor. 4. 18,83 genommen.