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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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488 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil,

berge zu gehen, vom Zuge trennte und dem Teufel in Gestalt eines schönenJünglings begegnete. Auf dessen Frage, wohin die Reise gehe, gab erwahrheitsgetreu Antwort. Darauf sagte ihm jener, das könne er bequemerhaben, denn er selbst sei der Apostel, den er suche. Doch müsse er, umdas gesuchte Heil zu erlangen, sich vorher ums Leben bringen. Und sogeschah es auch: der einfältige Mensch ging zur Herberge, dort undtötete sich. Sogleich erschienen die unreinen Geister, doch als sie die Seeledes Toten fortschaffen, erschallt eine Stimme:Laßt ab!" Sie verschwindenund ein Jüngling steht in voller Jugendschöne da, über ihm schwebt imHimmel Maria. Da tritt der Apostel Jakobus hinzu und verkündet, wenndie Seele nicht wieder in den Leib gelange, so würde sie' nicht von dergroßen Schuld frei werden. Und alsbald ging die Seele wieder in den Körperzurück, der nun wieder lebendig wurde. Das geschah in der Nähe des KlostersCluni, an dessen Abt Hugo sich der Gerettete wandte. Dieser sandte ihnzu seiner Mutter zurück. Diese wunderbare Geschichte ist lebendig undeindrucksvoll erzählt und läßt erkennen, daß man auch in Süditalien vonder Bedeutung Clunis manches zu berichten wußte. 3. De conversionequorundam Salernitanorum. Dies Gedicht von 33 Distichen stellt dar,wie eine reiche und angesehene Familie zu Salerno, Eltern und sieben Kinder,geistlich wurden. Waifar preist die Familie, die er genau kennt, glücklich,daß sie diesen Schritt getan und ihren gesamten Besitz für nichts geachtethabe, denn um so größere Freuden des Himmels warteten ihrer. Ein weiteresGedicht (4) De laude s. Seeundini Trojani episcopi ist nichts anderesals eine teilweise Wiederholung der Vita Seeundini in 49 Distichen. 1 ) Sieist aber bezüglich der Auffindung der Heiligengebeine so gehalten, daßman ihren Wortlaut, ohne die Vita daneben zu gebrauchen, nicht wirklich ver-stehen kann. Manche Stellen sind äußerst wortreich und hüllen geradezu denGedanken ein. Denselben Inhalt hat auch der Hymnus des. Secundino (5),der in acht sapphischen Strophen des Heiligen Auffindung oft nur andeutungs-weise besingt, so daß das Gedicht ohne die Vita meist unverständlich bleibt,wie das so häufig in den hagiographischen Gedichten des Alphanus zu be-merken ist. Und das letzte Gedicht (6) In laudem s. Martini episcopi be-ruht auf demselben Verfahren: Waifar hat eine Anzahl Wunder aus Sulpicius'Vita Martini in aller Kürze, meist nur in je einem Distichon behandelt, sodaß auch hier das volle Verständnis nur durch die gleichzeitige Lektüre derQuelle erzielt wird. Es scheint sonach, daß Waifar in seinen Gedichten sichAlphanus zum Muster genommen hat.

Zeugnisse. 1. Vita Seeundini. Aufforderung (Migne 147, 1293B) Quaesüsti a nieper Casinensem abbatem . . . Desiderium ... ut ... ad scribendum potissinium historiam con-fessoria Seeundini conferrem. Faciam rem mihi difficilem . . . Erit profecto tantae reimaximumemolumentum Casini etiam secreta secessus facies ... Antiquitas etiam refert et illum Var-ronem tot saeculis celebratum 2 ) huius aedis auetorem fuisse, qui M. Tidlio iudice Romanorumalios religione, alios verum gestarum memoria, omnes autem litterarum scientia vicerit. ZuTroja er substituiert das alte Troja dem neuen, obwohl er weiß, daß beide verschiedensind 1294A Veniam et ad Troiam d. h. wohl durch meine Schrift cuius nominegloriaris. Istam ad undam frigidi Simoentis (nach Aen. 1, 618) perlustrabo oculis famosis-

») Bis (Migne 147) 1300C.2 ) Das Interesse an Varro, das sich alsoauch hier herausstellt, dürfte wohl dadurch

zu erklären sein, daß das Kloster Schriftenvon ihm besaß; vgl. unter Alphanus.