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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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Theuderich von Tholey. 483

mit dem Bedauern, nicht erklären zu können, warum einige seinen HeldenCuonrad, andere Cuono nennen, andere wieder ihm beide Namen beilegten;die Entscheidung darüber wolle er Gott anheimstellen und sein Werk be-ginnen. Die Biographie fängt an mit Eltern und Heimat Konrads sowiemit den bei solcher Gelegenheit häufigen Phrasen von der Rute des Er-ziehers und vom pythagoräischen Zweiweg und die inhaltsleere Phrasebleibt bis zur Übersiedelung Konrads nach Köln, der ersten wirklichen Tat-sache. Der Verfasser tritt hier ganz auf die Seite Annos und verkündetmit vollem Ernst das jedenfalls nicht zuerst von ihm erlogene Faktum,Kaiserin Agnes habe den Erzbischof gebeten, die Erziehung des königlichenKnaben zu übernehmen. Nach einigen hohlen Redensarten über Anno wendeter sich zu Konrads Bischofswahl, hält eine längere Vorlesung über denTeufel und seine Werke und berichtet fast ohne jede nähere und sichereAngabe über Konrads Gefangennahme, um eine neue Vorlesung über dieRechtmäßigkeit seiner Wähl zu halten, wobei das Registrum Gregors I.unter der Bezeichnung der Papstdekrete erwähnt wird. 1 ) Darauf wirdKonrads Tod erzählt, der Bericht aber künstlich auseinandergezerrt undmöglichst unwahrscheinlich gestaltet, zumal da mit dem Tode des Un-glücklichen gleich ein Wunder verknüpft ist; dagegen entspricht es derkirchenpolitischen Anschauung des Verduner Klerus, daß Theoderich hierbeieinen heftigen Ausfall gegen Gregor VII. macht. Hieran schließt sichnun die Translation Konrads nach Tholey und die Bestattung in diesemKloster. Aber auch hier begegnen nur die allgemeinsten Ausdrucke, unddasselbe ist der Fall bei den ganz kurz erzählten Wundern, die miteiner gewissen Vorsicht berichtet werden. Ans Ende 2 ) stellt der Ver-fasser den üblen Ausgang des Unholds Theoderich, auf dessen Veranlas-sung Konrad einst getötet worden war, und er schließt mit den WortenGregors des Großen, daß Wunderzeichen für die Ungläubigen, nicht fürdie Gläubigen seien. Die ganze Darstellung ist mit Ausnahme derWunder mit Bibelstellen und oft gänzlich unpassenden Vergleichen imhöchsten Maße erfüllt, und darin kennzeichnet sich so recht das Be-streben, einem Kleriker angetane weltliche Gewalt zum Märtyrertum auf-zubauschen und aus oft recht wenig passenden Flickstücken einen Heiligen-roman zurechtzudehnen.

Wahrscheinlich trat Theoderich 3 ) etwas später mit dem ErzbischofEgilbert von Trier in Verbindung, in dessen Auftrag er zum GegenpapstClemens III. gehen und für ihn das Pallium erwirken sollte. Denn auchTheoderich war ein scharfer Gegner Gregors VII., und als Theoderich einWerk in zwei Büchern über Gregor verfaßt hatte, das ganz den kaiser-lichen Standpunkt vertrat, schenkte ihm der Erzbischof die Abtei St. Martinan der Mosel zum Danke.

Zeugnisse. Das Datum von Konrads Tod in seiner Vita c. 4 (MG. S3. 8, 217, 4S).Zur Abkunft Theoderichs vgl. die Widmung p. 213, 15 advena eiitsdem i ) Hominis minimns

') 3 p. 216, 37 hoc est registro beati Gre- i 3 ) Daß dieser Theoderich mit dem Mönche

gorii papae. von Tholey dieselbe Person ist, hat Watte n-

2 ) Hier klingt sprichwörtlich 8 p.219,47 bach 2, 119f. srohl richtig vermutet.Det cevte frontem qiti vult in parietem. 4 ) So auch 213, 38 vestri advenae.

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