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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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Thiofrids Vitae Liutwini und Basini von Trier. 479

nicht nennt. Doch hat J. Perier, der alte Herausgeber der Vita Liutwiniin den Acta Sanctorum, es wahrscheinlich zu machen gesucht, daß es derMönch Thiofrid von Echternach gewesen ist. Ist das richtig, so müßteThiofrid die beiden Leben in seiner Jugend geschrieben haben, da nämlichüberliefert wird, daß Nizo, Abt von Mettlach, das Leben Liutwins dem Erz-bischof Udo gewidmet habe, während ja Thiofrids Leben bis in die Zeitvon Erzbischof Bruno reicht. Daß Thiofrid ein Leben Liutwins verfaßthat, geht sowohl aus der Vorrede seiner Flores epitaphii sanctorum anErzbischof Bruno als auch aus dem Prolog zu seiner Vita Willibrordi andie Mönche von Echternach deutlich hervor; zugleich aber sagt Thiofridan der ersten Stelle, daß das von ihm verfaßte Werk dem Erzbischof Udozur Prüfung vorgelegen habe. Der Verfasser der Vita Basini beruft sichaber ausdrücklich auf das Leben Liutwins und sagt, daß das eine Lebenohne das andere nicht verstanden werden könne, und berichtet größereStücke aus der Biographie Liutwins und zwar mit Erweiterung der dortgegebenen Erzählung, so daß man allerdings annehmen muß, daß beideWerke denselben Verfasser haben, und daß der Mettlacher Abt Nizo mitseinen Mönchen zusammen das von Thiofrid verfaßte Leben Liutwins demErzbischof Udo mit einer Widmung übersandte. 1 )

Vita Liutwini. Im ursprünglichen Prologe spricht der Verfasser vondem verschiedenen Nutzen des Lesens hagiographischer Schriften und wünscht,daß seine Leser nicht nach der Herkunft des Werkes und nach seinerstilistischen Güte fragen, sondern sich an der Erbauung genügen lassen.Er habe die Absicht, das Leben Liutwins darzustellen, von dem in Büchernnichts gemeldet werde, über das er aber durch die Umsicht seiner Vor-gesetzten und durch Erzählungen aus dem Volke einiges habe erfahrenkönnen. Jedenfalls war recht wenig bekannt von dem Heiligen, und nach-dem der Verfasser über dessen Abstammung gesprochen, verbreitet er sichgleich über seine christlichen Tugenden. Da Liutwin das Herzogtum inFranken zur Zeit Childeberts besaß, war er darauf bedacht, die Kirchezu erhöhen, und er beschenkte die Trierer Kirche und baute in Mettlachein Kloster, dessen Gebäude und Besitz aufgeführt werden. In dies Klostertrat er selbst ein und ward andern zum Vorbild. Nach dem Tode seinesOheims Basinus wünscht man ihn zu dessen Nachfolger in Trier zu erhebenund er erhält diese hohe Würde. Seine Verdienste in dieser Stellung kenntder Verfasser natürlich gar nicht und er muß sich daher mit den her-gebrachten schematischen Lobeserhebungen begnügen. Später wurde Liutwinauch Erzbischof von Reims und Bischof von Laon. Nach seinem Todewurde seine Leiche von Reims nach Trier gebracht, wo man ihn aber nichtbeerdigen konnte. Daher wurde die Leiche einem Schiffe anvertraut, dasdie Mosel von selbst hinauf- und dann in die Saar fuhr, wo es beim KlosterMettlach hielt. Hier kommt es noch zu einem anderen Wunder und derHeilige wurde nun im Kloster beerdigt. Er verrichtete hier vielerlei Wunder,die vom Verfasser in gewohntem Schematismus berichtet werden. 2 ) Vielweiß also der Verfasser nicht zu melden, Wunder spielen die Hauptrolle

') Vgl. W. Lampen, Thiofrid von Echter- I 2 ) Caeci surdi muti febriaci daemoniaci.

nach (1920) S. 7 ff.