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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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Gozwin von Mainz (Gozechin). 475

wieder durch einen Vers aus Prospers Epigrammen zu verwischen. Einemweiteren Einwurf, daß alle großen -Theologen innere wie äußere Kämpfezu bestehen gehabt hätten, begegnet er wieder mit großer Gewandtheit.Auch in dem weiteren Teile, in dem Gozechin für die Muße eintritt, dieer, von Lüttich fortgehend, gesucht habe und die er für etwas Selbst-verständliches in seinen Jahren hält, spielt Horaz eine gewisse Rolle; nebenCicero wird der Dichter gern angeführt. Bis hierher ist der Brief abermeist persönlichen Inhalts, wie wir gesehen haben. Von da ab wendetsich Gozechin allgemeineren Dingen zu, indem er zuerst in seiner Stellungals Lehrer über die geringe Geltung der Wissenschaften in der Gegenwartklagt und sich über die Bedeutung des Geldes in der Welt ereifert. Ausder Habsucht komme die heutige Schlechtigkeit der Welt, die schon in derSchule anfange. 1 ) Und so entstehen die Irrlehren, als deren warnendesBeispiel heute Berengar von Tours, der Apostel des Teufels, zu gelten habe,indem er mit seinen Anhängern neue Begriffe über das kirchliche Sakramenteinführe 2 ) und einfältige und schlichte Gemüter mit seinen neuen Lehrenverwirre; und fast niemand trete gegen diesen Unfug in gebührender Weiseauf. 8 ) Und eine ganze Reihe von Kirchenfürsten der Jetztzeit hätten dieBeschäftigung mit den weltlichen Studien aufgegeben und sich in die Ruheder Theologie zurückgezogen, wie Hermann von Reims, Drogo von Paris,Huormann von Speier und Meinhard von Bamberg. Was solle er tun, daseine Kräfte geschwunden seien und das Alter sein Haar gebleicht habe.Er habe bessere Zeiten gesehen, wo der Glaube feststand und die Wahr-heit unverrückt war und seit den Zeiten des Lütticher Bischofs Notgerbis zu den beiden letztverflossenen Lustren hätten christliches Erbarmenund Wahrheit einander begegnet und Gerechtigkeit und Frieden sich denKuß erteilt. 4 ) Aber jetzt ist die Gerechtigkeit von der Erde verschwundenund zum Himmel gegangen, wie wir ja auch lesen, daß das goldene Zeit-alter allmählich degeneriert worden ist. 0 ) Jetzt sei alles in unerhörterWeise verwandelt und gestürzt, seitdem die beiden Leuchten der Welt,Kaiser Heinrich III. und Erzbischof Liupold, tot sind; mit ihnen sei alleReligion, Billigkeit, Gerechtigkeit, Wissenschaft und Moral begraben worden.Dieses Bild von der Gegenwart malt nun Gozechin mit den düsterstenFarben weiter aus und spricht von der Ungerechtigkeit der Richter, 6 ) die denMenschen nur nach seinem Gelde beurteilten. 7 ) So sage auch schon Horaz,daß alles dem Gelde Untertan sei (Sat. 2, 3, 95). 8 ) Und so geht es weitermit Schilderungen aus der unseligen Gegenwart, und Gozechin sagt schließ-lich mit einem Horazwort: Wenn du etwas Besseres weißt nämlich alsMuße und Ruhe für mich, so teile es mir ehrlich mit (Ep. 1,6,67 f.).

') p. 443 veritas enim odium parit aus , 5 ) Nämlich bei Ovid im 1. Buch der Meta-

Terenz Andr. 1,1, 41. ! morphosen.

) p. 443 dicentes umbram esse non veri-tatem ... isti ... agnutn paschahm . . . crudumvel coctum aqua non assum igni cofnedunt.

) p. 444 cumque nemo paene sit qui con-tra haec .. . vel laboret ipse vel laborantemdebita merce remuneretur.4 ) Psal. 84, 11.

b ) p. 445 utrumque torvum retorquet ocu-lum, utrumque promütenti rapacetn porrig'itmanum klingt an Amarcius an.

') p. 445 quia tanti quantum habeas sisist Hör. Sat. 1,1,62.

8 ) Mit den Lesarten 97 sapiens etiam rex.