Gozwin von Mainz (Gozechin). 473
auf die reiche und geehrte Stadt an. Nun war vor Theonestus' Ankunftdie Ketzerei auch in Mainz ausgebrochen und man hatte den Bischof verjagt.Jetzt predigten aber Theonestus und seine Gefährten die rechte Lehre.Schließlich übernahm Albanus die Rolle seines Lehrers und daher hetztenseine Gegner das Volk gegen ihn auf. Er ward ergriffen, mißhandelt,zum Tode bestimmt und auch wirklich getötet. Nach seinem Tode wirkter sofort ein Wunder, der Tote geht mit festem Schritt zu dem Platze, woer heute noch beerdigt liegt. 1 ) Als dann die Ketzerei endlich zu Boden lag,geschahen am Grabe des Heiligen viele Wunder. Später hat ErzbischofRicholf von Mainz eine Basilika zu Ehren Albans errichtet, die, wie Gozwinhinzusetzt, hier nicht beschrieben zu werden braucht, da sie jeder sehenkann. Und in Mainz begehrten nicht nur Geistliche, sondern auch Fürstenbeigesetzt zu werden, wie z. B. die Königin Fastrada hier ihre letzte Ruhe-stätte fand. Zum Schluß (Kap. 38) wird die Stadt Mainz glücklich gepriesen,daß sie einen solchen Heiligen als Schutzpatron erlangt hat. — Man siehtdeutlich aus dieser Inhaltsangabe, daß von Albanus selbst eigentlich fast'nichts verlautet, sondern daß mehr das Leben des Theonestus erzählt wird,nur Anfang und Ende beziehen sich auf Alban. Man wußte eben nichtsmehr von ihm und der rhetorisch gebildete Gozwin hat diesen Mangel fürdie eigne Zeit wohl zu verdecken gewußt. Der Stoff ist hauptsächlich ausder Passio Theonesti und aus der Historia tripartita genommen und mitFabeln durchsetzt.
Brief an Walcher. Es ist nun von Holder-Egger mit großerUmsicht nachgewiesen worden, daß unser Gozwin identisch ist mit demGozechin, der zu Mainz einen langen Brief an Walcher verfaßte, unddaß dieser Brief höchstwahrscheinlich ins Jahr 1065 fällt. Mehrmalstritt Gozwin in den Jahren 1069—1072 als Zeuge in den Urkunden derMainzer Erzbischöfe auf und 1074 zeugt er als Gozechin; dieser Nameist die Koseform von Gozwin und der Namensform hat er sich im Briefean seinen Schüler und Freund Walcher bedient. Der erhaltenen Epistelgeht jedenfalls ein eifriger Briefwechsel voraus, denn Gozwin antwortethier auf verschiedene Vorwürfe Walchers und bedankt sich zugleich füreine von ihm selbst erbetene Sendung und sagt, daß ihm die Sendungalle Geschenke, die ihm der Freund gemacht, unmittelbar und deutlichvor Augen stelle. Walcher hatte ihm nämlich ein selbstgeschriebenes Buchgesandt. Die Schriftzeichen des Buches aber vergegenwärtigen Gozechindie Zeit, da er dem Walcher einst zum Schreiben die Hände geführtund ihn für schlechte Buchstaben auf den Rücken geschlagen habe. Under wünsche, daß alle seine Schüler so geraten wären wie er und daßer wenigstens noch an einem zweiten eine solche Stütze seines Greisen-alters habe wie an ihm. Denn Walcher habe seit seiner Kinderzeit an ihmgehangen und ihn später sogar, wenn er auswärts beschäftigt gewesensei, in der Schule vertreten und beim Lesen und Disputieren und in derErklärung theologischer wie philosophischer Stoffe die Schüler zufrieden-gestellt. Und er bedauere ungemein, daß er jetzt seines persönlichen Um-
') Also in Anlehnung an das Wunder des Märtyrers Dionysius.