472 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.
Leben, Kampf und Triumph des Heiligen in besseren Stil zu bringen. Unddieser habe es verdient, daß seine Taten wiedererzählt würden, die dasgraue Altertum einst aufgezeichnet habe und die man im Kreise der Gläubigenetwa noch auf Blättchen besitze. Und obwohl der Neid jetzt mehr als früherdie Unschuldigen heimsuche, wolle er doch dem Befehle Bardos nachkommen,doch bitte er ihn, an sein Werk die letzte Hand anzulegen. In beiden Wid-mungen zeigt sich ein stark rhetorisches Element und bedeutender Wort-reichtum 1 ) und besonders in der ersten das Bestreben des Verfassers, vordem Angeredeten zu glänzen.
Das eigentliche Werk beginnt Gozwin mit Christus, den Aposteln undder Gründung der Kirche, dann kommt er auf Albanus zu sprechen, dessenBildung durch Theonestus bewirkt wurde. Er gibt eine Charakteristik desHeiligen ohne jede Individualisierung und er stellt eine wahre Blütenleseseiner Tugenden nach dem üblichen Schema in fast dichterischer Sprachezusammen. Daß Alban Presbyter in der Zeit des Honorius und Arkadiuswurde, gibt Gozwin Gelegenheit, über die arianische Ketzerei zu sprechensowie vom Konzil von Karthago und von der kirchlichen Politik des Wandalen-königs Hunerich, der die Arianer begünstigte. Theonestus wurde von denArianern bedrängt und begab sich mit Alban und andern Gefährten nachRom, um vom Papste Hilfe zu erlangen. Von Born wandte er sich nachMailand, wo er mit Ambrosius freundschaftlich verkehrte, 2 ) der ihm denAusbruch der Ketzerei in seiner Stadt mitteilte und mit Theonestus undTheodosius dem Jüngeren zusammen die Reste des Arianismus vernichtete.Von dort kam Theonestus mit den Gefährten nach Augsburg, wo einer vonihnen getötet wurde, und er begab sich daher über die Alpen zum Allo-brogerkönig Sigismund, der ihn zum Bischof Paulinus nach Trier geleitenließ, wo die Ketzerei ebenfalls ausgebrochen war. Von Trier fahren sieauf der Mosel zum Rhein und kommen nach Mainz. Hier unterbricht sichGozwin und entschuldigt ein historisch-topographisches Einschiebsel (vonKap. 24—28). Denn die Wichtigkeit von Mainz bringt ihn auf Cäsar undDrusus als die ältesten Herren der Stadt und auf die politische Tätigkeitder Römer bei der Einrichtung von Kolonien. Er nennt einige Römerstädte,unter anderen Drusüatium auf dem Berg Speciosus, dessen Namen wie auchden Eigennamen Drusing er mit Drusus zusammenbringt. 8 ) Mainz aber wurdeneben andern Städten durch Attila zerstört, wovon Hieronymus im Briefan Agerucia schreibt (Ep. 91). Später ward es die Hauptstadt von Gallienund Germanien und der Sitz des Bonifatius, der in Verbindung mit denPäpsten seine Tätigkeit ausübte und in Soissons den Pippin mit Einwilligungvon Papst Zacharias zum König salbte, wie in den Gesta Francorumsteht (d. h. bei Regino Chron. 749. 750, ed. Kurze p. 43f.). Gozwin handeltkurz über die Beziehungen des Bonifaz zu Mainz und stimmt ein Loblied
SS. 15,988, 42 De Druso autem testatur Dru-süatium in eo, qui Speciosus dicitur, Montesitum, cui ex eo notnen inditum esse voluntquod sit Drusi latibulum . .. Homines quo-que regiones a Druso Drusingi antiquitusvocabantur, unde et adhuc quidam modernotempore proprio nomine Drusing nuncupantur.
') Dasselbe begegnet in Gozechins Briefan Walcher und auch dieser Grund sprichtfür die Gleichheit der Personen Gozwin undGozechin.
2 ) Ist natürlich ein völliger Anachronismus,da Ambrosius 397 starb.
3 J Canisius, Lectiones ant. 5,659 = MG.