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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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Gozwin von Mainz (Gozechin.) 471

er sich eine tüchtige Bildung verschafft hatte, bei Abwesenheit mehrfachvertrat. Und als Gozwin um 1058 durch Erzbischof Liupold, den NachfolgerBardos. nach Mainz berufen wurde, um dort die Schule zu leiten, erhieltWalcher das Lehramt Gozwins in Lüttich. Dieser aber wurde in Mainzhoch ausgezeichnet, denn er wurde unter die Domherren aufgenommen underhielt den Titel Propst, und die glänzende Stadt, die als des ReichesMetropole galt, brachte ihm ein äußerlich sehr angenehmes Leben. Doches scheint, als ob er sich bei seinem vorgerückten Alter nur schwer inneue Verhältnisse gefunden hätte, denn er sprach sich in seinen Briefenan Walcher mit großer Sehnsucht nach Lüttich aus, so daß ihm dieser vor-werfen konnte, in Lüttich habe er sich nach Mainz gesehnt und in Mainznach Lüttich. Seine neue Stellung aber brachte ihn bald in Verkehr mitdem Abte Bardo von St. Alban, der ihn schließlich, da er seine Federgewandt-heit wohl zu schätzen wußte, um die Abfassung einer Passio Albani bat.Inzwischen war Erzbischof Liupold gestorben und Abt Sigefrid von Fuldahatte die erste geistliche Stelle im Reiche erhalten. Er bestätigte Gozwinin seinem Lehramt und in seiner sonstigen Stellung und trat jedenfalls zuihm in ein gutes Verhältnis. Daraus erklärt es sich, daß Gozwin ihm diezwischen 1060 und 1062 fertiggestellte Arbeit 1 ) über den hl. Albanus miteiner sehr lang ausgesponnenen Widmung überreichte, in der er ihn haupt-sächlich über die Vorgeschichte seines Werkes zu unterrichten sucht.

Passio s. Albani. In der Widmung an Sigefrid betont Gozwin zunächstseinen Gehorsam gegen den Erzbischof und berichtet die Tatsache, daß ermit dessen Willen Lehrer in Mainz sei, vergißt aber nicht die Schwierig-keiten dieses Amtes zu erwähnen und führt dabei einen Vers aus seinemLeibdichter Horaz (Ep. 1, 1, 90) an. Dann beklagt er, daß vom Leben und denWundern des Heiligen in Büchern nur sehr wenig erwähnt werde, und erhabe auf sein Befragen nach dem Grunde dieses Umstandes die Antworterhalten, daß die alte Zerstörung der Stadt und besonders die Lässigkeitder Vorfahren daran schuld sei. Darauf habe man ihn gebeten, das zueiner Darstellung zu verwenden, was sich zerstreut in Büchern finde undwas die mündliche Tradition biete. Und da Abt Bardo, der Oheim seinesgleichnamigen Lehrers, ihm den bestimmten Auftrag gegeben, habe er sichans Werk gemacht. Man möge ihm aber nicht zum Vorwurf machen, daßer in seine Darstellung einiges aus Kaiendaren und Chroniken hineinverwebtund daß er, der doch den Kampf und das Ende eines Märtyrers schildernsollte, sich mit chronographischen und topographischen Dingen abgegeben habe;das sei mit dem Vorgange eines Cicero, Vergil, Horaz und Persius zu entschuldi-gen. Im ganzen weiteren Teil der höchst umfänglichen Widmung pariert Gozwinweitere Anfeindungen seines Werkes durch Neider in durchaus rhetorischer,aber nicht immer geschickter Weise, wobei er viel antikes Rüstzeug ge-braucht. Man sieht hieraus deutlich, daß es ihm darauf ankam, den Wort-laut seiner Widmung möglichst weit auszuspinnen und dem literarischgebildeten Erzbischof in jeder Weise zu imponieren. Viel kürzer und ge-drungener ist die Widmung an Bardo gehalten: Er habe ihm befohlen,

') Vgl. Holder-Egger, Neues Archiv 13,14 f.