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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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Berthas Leben der Adelheid von Vilich. 469

78. Berthas Leben der Adelheid von Vilich.

Bertha, die Schwester des Abtes Wolfhelm, die im Kloster Vilich er-zogen worden war, hatte dort in ihrer Jugend noch manches von derersten Äbtissin Adelheid gehört. Die Nonnen hatten ihr Mitteilungen ge-macht und besonders viel hatte sie von Adelheids Kammerfrau Engilraderfahren. Da nun Adelheid aus vornehmem Hause stammte, so mochte essich für das Kloster lohnen, ein Leben der ersten Äbtissin zu besitzen.Bertha übernahm diese Arbeit bald nach dem Jahre 1056 und widmeteihr Werk zunächst dem Kölner Erzbischof Anno, sodann aber den VilicherNonnen. In dieser zweiten Widmung die erste ist ungemein schwülstigund inhaltsleer und besitzt die gewöhnlichen Bescheidenheitsphrasenspricht sie sich erst darüber aus, woher sie ihre Nachrichten genommenhabe und erzählt dann, daß sie ihr Werk erst tüchtigen Männern, die inden freien Künsten erfahren seien, vorgelegt habe, die es geprüft und zurAusgabe tauglich befunden hätten. Bevor sie es aber in die Öffentlichkeitsende, lege sie es ihnen ans Herz, da sie ihren Tadel durchaus nicht ver-schmähe, wenn er aus der Liebe stamme. So muß die Verfasserin ihrerArbeit keine geringe Bedeutung beigelegt haben. Im Eingange spricht sieüber ihr Vorhaben, das Leben Adelheids darzustellen. Sehr ausführliehhandelt sie dann über die Eltern ihrer Heldin, den Grafen Megingoz unddie Herzogstochter Gerbirg, die mit dem salischen Hause verwandt war, 1 )sowie über die vier Töchter dieses Paares, deren eine, Berthrada, Äbtissindes Marienklosters zu Köln wurde, während Adelheid sich einem religiösenLeben widmete und in der Darstellung daher die üblichen Lobsprüche er-hält. Im 5. Kap. nimmt Bertha Bezug auf den Böhmerifeldzug Ottos III., aufdem Adelheids Bruder Gotfried fiel, aus dessen Vermögen eine Kirche zuVilich gebaut wurde; hier brachte Megingoz seine von Geschäften freieZeit zu und ließ sich von Kaplänen die hl. Schriften verdeutschen. SeineGemahlin aber betrieb hier den Bau eines Klosters, an dessen Spitze sieAdelheid gern gesehen hätte, doch weigerte sich diese zuerst, die Leitungzu übernehmen. Das neue Kloster wurde nun in den Schutz Kaiser Ottos III.gestellt, der es mit den Freiheiten von Gandersheim, Quedlinburg und Essenbegabte; auf die Beurkundung durch Otto III. und Heinrich II. weist Berthaausdrücklich hin. Nach dem Tode der Mutter lebte Adelheid nach derRegel Benedikts, dann trat sie ins Kloster ein, und als der Vater starb,hatte sie von dem Tode dieses Gerechten in derselben Nacht eine Vision.Im Kloster war sie dann äußerst mild und gütig und Bertha erwähnt eineganze Reihe von wohltätigen Stiftungen, die sie machte. Öfters ging siein die Schule und erfreute sich über die richtigen Antworten der Zöglingeaus dem Gebiet der Grammatik. Als nun Berthrada starb, betrieb Erz-bischof Heribert, daß Adelheid ihr in der Äbtissinnenwürde folgte, wassie freilich anfänglich aus Bescheidenheit ablehnte. Sie wurde aber einausgezeichnetes Haupt für das Kloster und mit sichtlichem Behagen ver-breitet sich Bertha über ihre geistliche Zucht und über ihren Verkehr mit

') Die Angaben über Gerbirgs Verwandtschaft sind aber durchaus nicht genau, vgl.Holder-Egger, MG. SS. 15,757 n. 2.3.