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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.
sponsorien dichten, um ihm an seinem Feste auch die nötige Verehrungdarzubieten. Endlich ließ er alle die Wunder, die der Heilige an damalsnoch lebenden Personen gewirkt hatte, sammeln und aufzeichnen. EinigeJahrzehnte später ist zu dem ersten Buch der Wunder noch ein zweitesgekommen; nämlich als Fulco Abt in Corbie geworden war (1095), wurdediese Fortsetzung um das Jahr 1100 angehängt. Gerald ist also nicht derVerfasser, sondern nur der Veranlasser jener Schriften und das zweite BuchMiracula steht zu ihm überhaupt in keiner Beziehung; wer die betreffendenbeiden Verfasser sind, ist mit den heutigen Mitteln nicht mehr nachzuweisen.Das Leben Adalhards beginnt im Prolog mit einem hohen Lob derKirche, die es dahin gebracht habe, daß Kaiser sich vor den Gräbern vonFischern beugten nnd daß Fischer durch die. Nachfolge von Bischöfen ge-ehrt würden. Zu den Heiligen der Kirche gehöre Adalhard, dessen Schülerder hl. Anskarius war, der von Wala, dem Bruder Adalhards, auserlesenwurde, um durch Kaiser Ludwig, und den Dänenkönig Heriold mit derMission unter den Dänen betraut zu werden. Auch Radbert, Mönch von Corbie,gehörte zur nächsten Umgebung Adalhards und über Radbert, den Ver-fasser eines Werkes über Leib und Blut des Herrn, hat sich Abt Herigervon Lobbes rühmend in einem Briefe ausgesprochen. 1 ) Adalhard wurdenun so sehr von seinen Schülern verehrt, daß einer ein sehr breites Leben,des Lehrers verfaßte, das jedoch mehr einem Epithalamium als einem Ge-schichtswerke gleicht. Dadurch wurde ein Custos des Corbier Klostersstark abgestoßen und er bat den Abt darum, daß es verkürzt werde.Weil dieser aber mit zu viel weltlichen Sorgen belastet war, so ließ derCustos die Umarbeitung vornehmen. Der Verfasser meint dann, daß durchdiese Verkürzung dem Werke nicht geschadet werde, abgesehen von derMeinung dessen, der in der Translatio s. Viti auf diese Geschichte ein-gegangen sei; mit einer weiteren Polemik gegen deren Verfasser endet derProlog. Das Leben selbst ist zwar gegen Radberts Werk stark zusammen-gezogen, denn aus dessen 88 Kapiteln werden 58 oft sehr kurze Abschnittegemacht, aber es finden sich doch auch Erweiterungen. Sogleich im AnfangKap. 4 wird die Abstammung Adalhards viel genauer angegeben und dabeiIsidor 2 ) und die fränkische Trojanersage benutzt. 3 ) Über die Jugend abergeht der Verfasser sehr kurz mit einigen aus Macrobius, 4 ) Horaz, 5 ) SulpiciusSeverus und Terenz entnommenen Worten hinweg und betritt mit diesenZitaten den schon von Radbert eingeschlagenen Weg. Adalhards Eintrittin Corbie, seine Tätigkeit als Gärtner und seine Übersiedlung nach MonteCassino erfolgt dann durchaus im Anschluß an das alte Leben, doch mitEinstreuung seltener Woi'te aus Glossaren und einer Terenzstelle sowieunter starker Kürzung. Im weiteren Verlauf der Erzählung wird auf einenLiber de dispositionibus ordinationis Adalhards sowie auf seinen Brief-
') jedenfalls in einer seiner beiden Schriftenüber die Eucharistie, zu denen vgl. 6. Morin,Rev. Benedictine 25,1 ff.
2 ) 4 (Acta SS. Jan. 1, 112) Fränci dictisunt a feritate nach Isid. Etym. 9,2.
a ) 4 p. 112 genere scilicet Troiani, quiper Illyricos sinus deducti Maeotidas insede-
runt paludes duce quodam Antenore. Undecum Romanis Aeneia signa secutls civilis esteis communitas etc.
') c. 5 p. 112 fontem transivit non-inloto-pede Macr. Sat. 1, 24.12.
6 ) c. 5 p. 112 natura cereus esset in Vitium-flecti Hör. A. P. 163.