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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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464 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

daß er dem Befehl, sie abzufassen, anfänglich nicht nachgekommen seiweil er seine Fähigkeiten nicht so hoch habe einschätzen können. Endlichhabe er damit begonnen, da sich niemand anders fand, habe aber we°envielfacher Beschäftigung mit weltlichen Dingen die Arbeit lange liegen lassen.Im gegenwärtigen Jahre habe ihn nun eine Krankheit befallen, die vonPfingsten bis zum August dauerte, und da er daraus geschlossen habe, daß derHeilige ihm wegen der Säumnis zürne, so habe er sich das Versprechengegeben, die Arbeit nun vorzunehmen. Darauf sei er gesund geworden,aber mit weltlichen Dingen beschäftigt und von Trägheit abgehalten habeer die Arbeit wieder zurückgelegt. Darauf sei die Krankheit verstärktzurückgekehrt und ein schreckliches Wechselfieber habe ihn befallen, sodaß er den Tod fürchten und die letzte Wegzehrung habe verlangen müssen.Da hätten ihm die Brüder geraten, Wasser zu trinken, das über die Restedes Heiligen gelaufen sei. Und er habe gelobt, das Werk binnen acht Tagenanzugreifen, wenn er gesund werde. Und so habe er innerhalb dieser Zeit.auf seinem Krankenbett damit begonnen und schreibe noch mit zitternderHand daran. Jedenfalls war der Heilige sehr scharf und energisch mit ihmverfahren und Gonzo sucht daher dessen Eingreifen stets als sehr un-mittelbar und erfolgreich darzustellen und seine Macht als sehr bedeutend.zu schildern. Als Einleitung stellt er ein Gedicht von 22 Hexametern voran,wo sich Gonzo an den hl. Geist und an Gengulf mit der Bitte wendet, ihmbeizustehen, um seine Wunder würdig zu besingen. Dann widmet er imNamen der Kirche zu Florennes sein Werk allen Kirchen des Erdkreisesund sagt mit merkwürdigem Mißverständnis der Worte des Horaz A. P. 276,daß auch der wunderschnelle Dichter Thespis, wenn er noch lebte, nichtimstande wäre, die Wunder des Heiligen alle zu beschreiben. Er werdevon diesen nur weniges und einige nur kurz darstellen. Er beginnt damit,wie die Reliquien des Heiligen nach Florennes gelangen und dort alsbaldWunder wirken, so daß Arnulf Graf vom Hennegau beschließt, dem Heiligeneine Kirche zu bauen. Daran schloß sich später ein Kloster, dessen Er-richtung eingehend erzählt wird. Nun beginnen Gengulfs Wunder immerbedeutender zu werden und Gonzo erzählt sogar mit ausdrücklichem Hin-weis auf Christi Vorgang Kap. 13 von der Heilung eines Blindgebornen.Zuweilen bringt er auch moralische Ergüsse in der Form einer kurzenPredigt an, wie Kap. 29 gegenüber dem Vater, der sich darüber beklagte,daß ihm durch die Heilung seines Sohnes, dessen er sich zum Betteln be-diente, sein Verdienst entzogen sei. Eine Disposition in der Darstellung istnicht zu erkennen, und es läßt sich aus der Erzählung nur abnehmen, daßGonzo die einzelnen Züge so aneinanderreihte, wie sie ihm zugekommenwaren, und daß nur im Anfang eine gewisse Chronologie gewahrt wird.Der Verfasser scheint aber großen Wert auf die Zeugnisse derer zu legen,an denen sich die Wunder vollzogen hatten; meist will er sie persönlichgekannt und nach ihrer Erzählung geschrieben haben. Doch bemerkt erauch in Kap. 9, daß sein Bericht sich auf Autopsie oder auf andere. Augen-zeugen oder auf die Geheilten selber stütze. Die Schrift besitzt durch-gängig die Reimprosa, ihre Sprache ist durch eine Menge ungewöhnlicherund seltener Worte gekennzeichnet.