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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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456 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

71. Theoderich von Trier.

Theoderich war im Jahre 1006 schon in hohen Jahren ins Mathiasklosterzu Trier eingetreten, nachdem er höchstwahrscheinlich Priester gewesen warund als solcher eine gelehrte Ausbildung erhalten hatte. Denn es wäresonst nicht zu erklären, daß bald darauf sein Abt Richard mit dem Wunschean ihn herantrat, er möge die Erhebung der Gebeine des hl. Celsus dar-stellen, die sich zur Zeit des Erzbischofs Egbert zugetragen hatte.' So geringnun Theoderich sein Wissen und Können zu machen sucht kaum überdie ersten Elemente sei er hinausgekommen, so nahm er doch den Vor-schlag seines Abtes an und verfaßte eine kleine Schrift über den Vorgang, derer einen Bericht über die nachfolgenden Wunder anhing. In der Widmungan Richard äußert er sich zunächst über dessen Wunsch und über seinenGehorsam und gießt dann einen Schwall der ungeheuerlichsten Bescheiden-heitsphrasen über den Leser aus. Die Schrift selbst beginnt er mit derHervorhebung von Trier als der ersten Metropole von ganz Gallien, 1 ) undes sei daher unpassend, die Taten der Heiligen zu verschweigen, die sichhier vollzogen. Dann spricht er von Erzbischof Egbert, dem er unmäßigeLobsprüche erteilt; vor ihm, sagt er, seien alle Trierer Klöster in Armutgewesen. Egbert setzte im St. Euchariuskloster den in Gent vortrefflichgebildeten Gotherius zum Abte ein, und als man in diesem Kloster auf denWunsch Kaiser Ottos II. das Grab des hl. Eucharius öffnete, stieß man aufeinen kostbaren Schatz, nämlich auf den Sarg des hl. Celsus. Auf dem Sargebefand sich ein Epitaph in drei Distichen, das Theoderich mitteilt. DerKaiser, der bei der Erhebung anwesend ist, beglückwünscht den Erzbischofund die Mönche zu diesem herrlichen Funde und Egbert veranstaltet einegroße Feier unter seiner Geistlichkeit und gibt dabei seiner hohen FreudeAusdruck. Hieran schließt nun Theoderich die üblichen Wunder an, dieohne weiteres Interesse sind und nur über die Zeit Aufschluß geben. Daer nämlich von einem Wunder erzählt, das sich in den Tagen des Erz-bischofs Liudolf zugetragen hatte, so ergibt sich die Zeit der Abfassungnach 1008. Zum Schluß erzählt er von sich selbst, seinem Eintritt insKloster, seiner geringen Bildung und von dem Auftrag des Abtes Richard.Literarisch betrachtet steht sein Werk tief genug, denn es fehlt überallan der lebendigen Verknüpfung der Tatsachen und der Stil ist von geradezuunausstehlichem Schwulst getragen, der Satzbau unübersichtlich und schwerzu verstehen. Eine besondere Freude scheint Theoderich an seltenen, nament-lich griechischen Worten gehabt zu haben. 2 )

Zeugnisse. Am Schluß der Miracula (MG. SS. 8,207/57) heißt es Dominica? in-cartiationis anno 1006 . . . undosum huiuS mundi salum . .. nudus evasi et ad ... b. Euchaniportum . .. confugi. Cumque ab eiusdem monasterii paire . .. nomine Richardo germaiutussatis essem susceptus . .. tum et pro annositatis meae grandaevitate sciolum me autumans,cum nee primis ut ita dicam litteris ad plenum fuissem instruetus, paterna mihi persuasttauetoritate, quatenus aliqua ... de s. Celsi inclitis virtutibus ac miraculis noviter exhibitt*calamo licet rusticano seriptitare nullo pacta differam. Widmung p. 204, 25 Excellentissimo

') c. 1 (MG. SS. 8. 205, 20) Cum Kquido \ sterium. 205,21 Ottonis relativics (= Solm).

constet, quod Treverica metropolis . .. totius j 206,24 polyandrum. 206, 38 virtutibus pev-

Galliae archisterium sit hactenus vocitata. plumem. 206,55 prostagmate pr'aeeunte. ^u

2 ) So p. 204, 28 hierarcha. 205,20 arehi- perplumis vergleicht Waitz franz. emplume.