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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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Theoderich von Fleury. 455

Ankunft Christi anspiele. Und wenn er aufs Altertum zu sprechen kommt,so fehlt es nicht an seltsamen Mißverständnissen, wie er von Sokrates er-zählt, 1 ) daß er von seinen Schülern und Mitphilosophen durch Schierlings-gift getötet worden sei, weil er sich geweigert habe,per canem iurare".Von dem schändlichen Epikur, dessen höchstes Gut das Vergnügen ge-wesen sei, weiß er zu berichten, daß er gleichwohl Sparsamkeit und Enthalt-samkeit in hohem Maße geübt und alle seine Bücher mit Kräutern angefüllthabe. Namentlich richtet sich Theoderich in seinen Ermahnungen an dieMönche und hält ihnen unausgesetzt die Regel des hl. Benedikt als Richt-schnur ihres Lebens vor 2 ) und dabei fallen starke Streiflichter auf dieWeltgeistlichkeit, deren Hoffart und Zanksucht an den Pranger gestelltwird. Aber auch die Bischöfe werden angegriffen, da sie sich ungeist-lich wählen ließen, 3 ) und zuweilen wird den höheren Ständen wegen ihresDünkels ein gehöriger Schlag versetzt. 4 ) So besonders in der Erzählungvon dem Grafensohn, der Priester geworden war und die von ihm zele-brierte Messe für ungleich höher hielt als die Messe seines einstigenHörigen und jetzigen Mitpriesters. So sind seine Auslegungen des Textesjener Briefe fast lediglich auf das praktische Leben berechnet und derBesserung wegen geschrieben.

Aus dem Werke hat erst E. Düraniler, Abh. d. Berl. Akad. 1894 S. 28 38 einzelneMitteilungen gemacht, die er S. 921 mit einleitenden Bemerkungen versah. Bezüglich derantiken Literatur vgl. (Dümmler S. 10n.2) Kon enim monachis vel ministris sancti altarisiillo modo canonica auctoritate permittitur gentilium hbros vel discere vel docere, quia ipsuverborum alta vis facile inserpit fibras cordis. Zu Vergil und Homer (daselbst S. 10 n. 3)dodas fabulas hoc est a doctis compositas sicuti ab Momero vel Virgilio, quorum uterqueadventuni filii dei in carne nisus est preconari.'-) Zu Epikur (S. 10 n 4) Vnde et Epicurmsceleratissimus, qtii voluptatem snmnium bonum sibi elegit, pai-citatem atque abstinentiamplnrimum amans omnes libros suos holei-ibus implevit. Der Vers (S. 10 n. 1) Omne quidemnimium semper vilare memento scheint aus Catonis Dist. 2, 6, 1 und 13,1 zusammengesetztzu sein. In der lllatio Benedicti scheinen (Dümmler S. 24, 14) sulcis vitulinis anserinuminponendo ... vomerem und 25, 7 superponam digltum ort meo auf sprichwörtliche Rede-wendungen zurückzugehen; mit S. 25.10 inplümetn aviciihtm ist Horat. epod. 1,19 zu vergleichen.Aus der Vita Martini des Sulpicius Severus stammt S. 24. 2 Atqui si ipsisshnus ille Augustinusde superis .... adesset (26.3 p. 136,12 H ), aus dessen Dialogen (1,19,6 p. 172, 4) S. 26,2Sed quia dies ante . .. me deficiet, aus dessen Epist. 3,14 (p. 149,9 f.) Hinc est quod b. Mar-tinas discipnlis respondisse fertur. Aus Victor Vitensis stammt das von Dümmler S. 13 n. 2ausgehobene Stück, aus dem Physiologus 6 ) das zweite Stück von S. 17 n. 1. Hand-schriften Wiicib theol. fol.44 s" XI und Guelferbyt Heimst. 330 s. XV, vgl. Schepss,Neues Archiv 19, 221 und Dümmler a.a.O. S. 21 f

Sprache.' Dümmler hatte zuerst auf sprachliche Eigentümlichkeiten S. 21 n. 1, sowieauf schlechte Etymologien S. 20 n. 3 und auf die Kenntnis grammatischer KunstausdrückeS. 20 n. 4 aufmerksam gemacht. Poncelet hat das weiter verfolgt und an der Hand derSprache Theoderichs Autorschaft für mehrere oben erwähnte Werke erwiesen und derenZusammengehörigkeit festgestellt, vgl. Anal. Boll 27, 9 f. und n. 2 ff. Es ergibt sich daraus,daß Theoderich eine seltsam verzierte und mit allerhand wenig gebräuchlichen Wörtern ver-brämte Sprache schreibt, die vielleicht öfters auf Glossenwerke zurückgeht. Sein Stil istoft unnatürlich und gequält und besonders in den Vorreden äußerst wortreich bei großerInhaltsleere an Gedanken. Er gehört entschieden zu den minder begabten Schriftstellerndes berühmten Klosters Fleury.

') Dümmler a. a. O. S. 10 n. 1. medio evo 1,132ff,

s ) Dümmler a. a. O. S. 11 n. 1. °) Vgl. die Dicta loh. Chrisostomi 1 (Ar-

3 ) Dümmler a. a. O. S. 35. chiv f. Kunde österr. Geschichtsquellen 5.532

4 ) Daselbst S. 3133. 36,25 ff. j N. 3) und Physiologus hrsg. von Heid er S. 15°) Zur messianischenWeissagungbeiVergil N. III).

Ekloge) vgl. D. Comparetti, Virgilio nel