Druckschrift 
2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
Entstehung
Seite
454
Einzelbild herunterladen
 

454 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

Biographie stammte daher von einem Zeitgenossen und bald nach 1004schrieb Theoderich.

Das Werk des Grammaticus steht im Rom. Vallicell. XXII s. XI f. 157''167 ' (aber un-vollstäudig), gedruckt Vita diS. Fei mano abate .. .Trevigi 1726. TheoderichsWerk imVatic. 7810s. XI f. 5461 b . gedruckt Vita b. Firmani confessoris .. . Tarvisii 1726 (Bibl. hag. Lat N. 3000und 3001). Zu Filmanus und seinen Lebensdaten vgl. Poncelet, Anal. Boll. 18.2933.

4. Illatio Benedicts Nach dem sehr ausführlichen und wortreichenProloge an Abt Richard erzählt Theoderich vom Einfall der Normannen inFrankreich und zwar unter beispielloser Verwirrung der Chronologie, indemer diese Dinge in die Zeiten König Pippins und seines Bruders Karlmann ver-setzt. Er berichtet, daß die vor dem Feinde nach St. Aignan zu Orleans geflüch-teten Reliquien des Klosters am 4. Dezember zurückgeholt wurden. Und nachvergeblicher Zurückforderung des Leibes des hl. Benedikt durch Monte Cassinosei der Heilige ein Jahr später am 4. Dezember an seiner gewohnten Stättefeierlich beigesetzt worden. Diese Erzählung, deren 5. Kapitel die Lage vonFleury schildert, 1 ) wird durchsetzt mit den sonderbarsten Wundern, 2 ) undzweifellos hat Theoderich alles gläubig hingenommen, wie man es ihm inFleury erzählt hatte. Er zeigt hierbei keine Spur von Kritik und läßtdurchaus die strenge geistige Disziplin vermissen, durch die sich sein frühererAbt Abbo auszeichnete. Die Schrift wirft eben kein gutes Licht auf die vonFleury ausgehende Literatur und ihre Vorbedingungen: Sage und Wunder-glauben haben sich der Geschichte bemächtigt.

Handschriften: Wircib. theo], fol. 26 s.Xl f. 185; 3 ) Guelferbyt. Heimst. 322 s.XV; Vat.reg. 498 f. 1,586 f. 71 1 ', 1864 f. 73b. Ausgaben: J. a Bosco. Floriacensis vetus bibliotlieca1,219229 und Mabillon, Acta SS. ord. s. Benedicti 4, 2, 350355 (unvollständig); derSchluß (nebst Vorrede) bei Dümmler, Abhandl. d. Berl. Akad. 1894 S. 26 ff., vgl. S. 6-9.

5. Kommentar zu den Katholischen Briefen. Die Vorrede strömt,wie alle Prologe Theoderichs, ein Übermaß von Bescheidenheit gegenüberder unglaublich schweren Aufgabe aus, die er übernommen habe. Sonstaber lernen wir den Verfasser von einer ganz neuen Seite kennen, wobeizu berücksichtigen ist, daß er das Leben, das er in Frankreich, Italien undDeutschland gesehen hatte, als alter Mann genugsam kannte. So erscheint erin diesem Kommentar geradezu als Sittenprediger, viel weniger als Exeget.Die Bedeutung seiner Erklärungen fürs Leben tritt hervor, für die Wissen-schaft haben sie nicht viel zu sagen, 4 ) obwohl er an einer Stelle (Ep. Jac.2, 14) betont, er wolle historialiter und nicht allegorice erklären; er meintfreilich mit den W T orten historialiter attendenda etwas wieaus der Zeitfür die Zeit zu betrachten". Er wendet sich gegen die Verkehrtheiten undAuswüchse des Lebens und spricht daher viel in Gleichnissen und Meta-phern, aber sein ganzer Ton ist doch hier viel verständlicher und klarer,als wir ihn sonst kennen. Das kommt aber nicht von stärkerer Beschäftigungmit der alten Literatur, denn diese hält Theoderich für Mönche und Priesterfür gleich gefährlich. Überhaupt will er vom Altertum wenig wissen undnur selten versteht er sich dazu, dessen Autorität anzurufen, obwohl er vonVergil und sogar von Homer annimmt, daß jeder in seinem Werke auf die

') J. a Bosco, Floriacensis vetus biblio- 3 ) Vgl. G. Seh epss, Neues Archiv 19,221.

theca 1,223. *) Anführungen ausden Kirchenvätern und

2 ) Vgl. besonders Kap. 8 und 9 a. a. O. aus Sedulius sind freilich nicht selten, vgl.

p. 227-229. Dümmler, Abh. d.Berl. Akad. 1894 S. 9 n. 2.