Druckschrift 
2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
Entstehung
Seite
453
Einzelbild herunterladen
 

Theuderich von Fleury. 453

1. Vita Martini Papäe. Wir haben oben den Prolog 1 ) dieser Schriftkennen gelernt. Poncelet hat dargelegt, 2 ) daß alle von Theoderich er-haltenen Prologe in eine Art Dialog enden, der, erdichtet oder nicht, diean ihn gerichteten Bitten um Abfassung einer Schrift, seine Begutachtungder Sachlage und seine Willensäußerung enthalten. Und gleich bei dieserersten Schrift finden wir die für Theoderich typische Unselbständigkeit, dennPoncelet hat nachgewiesen, 3 ) daß der Stoff zum größten Teile dem Liberpontificalis und dem Bericht über das Exil und den Tod Martins entnommenist, den der römische Bibliothekar Anastasius aus dem Griechischen über-setzt hatte. Und zwar lehnt er sich meist wörtlich an seine Quellen anund bringt nur wenig Änderungen geringfügiger Art. So erweisen sich seineAuslassungen in der Vorrede, wo er über sein Verhältnis zu den Quellenspricht, lediglich als Übertreibung.

Hss. Rom, Archiv. S. Petri A. 5 f. 107 '; Archiv. Lateran. A.80 f. 245V. Stücke hrsg. vonPoncelet, Anal. ßoü. 27, 6 f. 12 f.; daselbst S. 11 f. kurze Analyse. Ausgabe bei Surius,De probatis sanctoium historiis 6.290301 (Colon. 1581).

2. Passio Tryphonis et Respicii. Der Prolog zu diesem Werke isthöchst seltsam. Er beginnt mit Theoderich und der Erwähnung seiner VitaMartini und der vier andern Schriften. Und dann tritt ein römischer Pres-byter Leo redend auf, der von seinen Wohltaten gegenüber Theodericherzählt und dann das schon oben berührte Gespräch mit diesem beginnt,das mit der Einwilligung Theoderichs endet, die schlecht stilisierte älterePassion zu einem ganz neuen Werke umzugestalten. Das ist nun wiederstark übertrieben, denn Poncelet hat dargelegt, 4 ) daß der Eingang derSchrift wohl von Theoderich stammt, aber nur ganz gewöhnliche Ge-danken breittritt, daß aber das erste Viertel der eigentlichen Passion fastwörtlich aus der einen ihm vorliegenden Quelle und alles übrige ebensowörtlich aus einer zweiten Quelle kopiert ist. So finden wir auch hiernicht entfernt die Selbständigkeit, mit der sich der Verfasser in der Vor-rede brüstet, ja die von Poncelet zum Vergleich abgedruckten Stückelassen sogar eine stilistische Verbesserung gar nicht erkennen, sonderngeben nur unwichtige Zusätze.

Hs. Vatic. 1192. Vorrede daraus gedruckt bei A. Mai, Spicileg. Romanum 4,291 ff. undPoncelet, Anal. ßoll. 27,7 f. Die erste Quelle ist Bibl. hagiogr. Latina ant. et med. aetatisN. 8336 (p. 1206), nur die erste Hälfte gedruckt bei Ruinart, Acta primorum martyrum(Amstelod. 1713) p. 162164. Die zweite Quelle ist Bibl. bag. Lat. N. 8339 (ungedruckt).

3. Vita Pirmani. Die Vorrede beginnt mit einer äußerst wortreichenund gesuchten Erklärung darüber, daß es notwendig sei, daß ein Schrift-steller seinen Namen nicht verheimliche, und fährt mit dem Bericht überdes Verfassers Reise nach Rom und dann nach Monte Cassino fort, wo danndas uns schon bekannte Gespräch über die Neubearbeitung des Lebensdes hl. Firmanus gehalten wird. Auch diese Neubearbeitung ist nichtsanderes als eine stilistische Umformung, die zuweilen den Bericht desGrammaticus nominatissimus" abkürzt, zuweilen durch fromme Betrach-tungen erweitert. 5 ) Übrigens war Firmanus erst 992 gestorben, die ältere

') Hisg. von A. Mai, Spicilegium Roma- 3 ) Anal. Boll. 27, 11 ff. Daselbst p. 14 über

num4,293ff; danach teilweise bei Poncelet. die sklavische Anlehnung an die Quellen.Anal. Boll. 27,6 f. 4 ) Anal. Boll. 27, 1518.

) Anal. Boll. 27, 10. B ) Vgl. Poncelet, Anal. Boll. 18,25 n. 5.