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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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450 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

scheidenem Aufzuge in Rom auf, da er nur einen einzigen Diener mit-genommen hatte. Als er hier einige Zeit verweilt hatte, fragten ihn dieDomherren von St. Peter, ob er nicht das in einem sehr barbarischen Stilgeschriebene Leben des Papstes Martin (I.) verbessern wolle; jedenfallshielt man ihn für literarisch gebildet, da er aus dem Kloster kam, demAbbo vorstand. Nach langer Weigerung nahm er endlich die Arbeit an undvollführte sie. Die Arbeit mochte gefallen, und da Theoderich längere Zeitin Rom blieb, ist man wohl noch mit weiteren literarischen Bitten an ihnherangetreten. Nämlich A.Poncelet 1 ) hat darauf aufmerksam gemacht, daüim Prolog der Passio Tryphonis et Respicii erzählt wird, daß der Mönchund Priester Theoderich zu Rom das Leben des Papstes Martin, eine Predigtüber die Vierzig Märtyrer, die Passio des hl. Anthimus und Genossenmit Einlage von poetischen Stücken, die Überführung des Hauptes deshl. Damianus nach Rom und die Translatio Basilidis, Tripodis et Magdalisgeschrieben habe. 2 ) In dieser Vorrede zur Passio Tryphonis aber erklärtein Presbyter Leo 3 ) weiter, daß Theoderich ihn um die in schlechtem Stilgeschriebene alte Passio gebeten habe und daß dieser alsbald nach demLesen der ersten Seiten darauf eingegangen sei, sie zu verbessern. Theo-derich besuchte dann das Kloster Monte Cassino, wo er vom Abt Johannessehr freundschaftlich aufgenommen wurde. Als er sich hier einige Zeitaufhielt, traten die Mönche des Klosters mit einer Bitte an ihn heran. Näm-lich ein bekannter Gelehrter der Gegend habe das Leben des hl. Firmanus,der in neuerer Zeit als Confessor gestorben sei, 4 ) wohl beschrieben, aber inso weitschweifiger Weise, daß das Werk mehr zur Unzier als zum Schmuckgereiche; und man bat nun den Theoderich, ein neues Leben zu schreiben.Er nahm den Auftrag an und versprach, Blumen aus den Dornen der früherenDarstellung zu pflücken und diese ordnungsgemäß in Kapitel einzuteilen.Nun hat A. Poncelet das ältere Werk mit Theoderichs Schrift vergleichenkönnen und dabei gefunden, daß diese zwar öfters kürzt, aber in die Er-zählung auch öfters längere Betrachtungen einflicht, die wahrscheinlichvöllig inhaltlos sind. Übrigens hat Petrus Diakonus von Monte Cassinoaus Theoderich einen Mönch seines eigenen Klosters gemacht, was auf dieregen Beziehungen Theoderichs zu Monte Cassino deutlich hinweist. AberTheoderich schrieb das Leben des hl. Firmanus nur zum Teil in Italien,denn der Schluß der Biographie läßt erkennen, daß sie in Deutschland voll-endet ist; Theoderich erzählt hier, er habe zwei Jahre an heftigem Podagragelitten, seitdem er aber am Leben des Heiligen zu schreiben begonnen,seien die Schmerzen allmählich von ihm gewichen, und das habe sich imKloster Amorbach im Sprengel Würzburg zugetragen. Daß die Mönche inMonte Cassino ihm jenes Leben aufgetragen hatten, ergab sich wohl auseiner Erfahrung, die sie mit ihm gemacht hatten, nämlich daß er schonsolche Berichte geschrieben habe.

') Anal. Bolland. 27, 7 f. ') A. Poncelet(Analecta Bollandiana 18,

2 ) Keine dieser vier Schriften ist erhalten. 31) bestimmt seine Geburt auf 951/952, seinen

3 ) Poncelet (a. a. 0. p.8. 18) weist nach,dafä die Vorrede ebenfalls von Theoden'chstammt.

Tod auf 992. Der Ort seines Wirkens wardie Firmana civitas (Fermo), vgl. Ponceletp. 31 n.2. 3.