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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
Entstehung
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Theoderich von Fleury. 449

397 f. zeigen diesen Reim nicht und besitzen überhaupt keinen und ebensomangelt der Reim den Verspaaren 235 f. und 237 f. Außer dem Endreimist aber auch der Binnenreim der beiden ersten Vershälften nicht selten,so daß manche Partien des Gedichts einen sehr starken Gleichklang zeigen. 1 )Außerdem findet sich, wenn auch selten, die seit Hildebert von Le Mansbeliebte Dreiteilung der Hexameter durch den Reim, wo alle Drittel zweierVerse aufeinander gereimt sind. 2 ) Diese metrischen Spielereien gehören,wie auch das Vermeiden der Verschiffung und des Hiatus, sicher spätererZeit an, aber ich möchte das Gedicht doch nicht ins 13. Jahrhundert setzen,da nämlich die Prosodie noch verhältnismäßig gut ist und der Wortschatzkaum auf spätere Zeiten deutet. Im Eingange stellt der Dichter dar, daßdie ganze belebte und unbelebte Natur dem Heiligen Verehrung zolltund dient, und er wendet sich dann an Christus mit der Bitte, ihn beiseinem Vorhaben zu unterstützen. Dann beginnt die Paraphrase der Vor-lage, die mit vielfacher Anlehnung an die Worte der Prosa durchgeführtwird, und ein ganz kurzer Epilog von vier Versen beschließt das Gedicht.Zeugnisse. Daß es sich um die zweite Vita Pirminii bandelt, ergibt sich schon ausVs. 41 ad vas melle referlum Coiweniunt ut apes, vgl. Vita 1 p. 35 sicut apes ad alvearemrfle refertüm, wovon die altere Biographie nichts hat. Außerdem setzt der Dichter dievom zweiten Biographen erfundenen langen Reden treulich in Verse um, und Vs. 135 liestman vom Brief des Papstes In qua papa monet rogat hnperat wie in c. 5 p 37 monenssnadens et imperans. Zur Prosodie vgl. 45 f. lusträre ... 94 iustüs incenso und 402 instänsiUque dcses. Die Ueberliefernng ist nicht gut und sehr spät und Egon und Mone habenmanches gebessert; doch bemerke ich für den Text folgendes: 47 ist zu interpungierenFabrica, solaris splendor, maris ima profund!; 48 ist Pirmin statt Pirminii zu lesen; 72 istaurem falsch ergänzt, da Verschleifungen fehlen, cor wird zu lesen sein; aus gleichem Grundeist 249 Moues Lesung allodium [et sunt] nicht möglich: 416 ist wohl gesta decora zu er-ganzen. Einzige Hs.: Egons Abschiift im Kailsruher Archiv s. XVII. Ausgaben von Mone,Quellensammliing f. d. badische Landesgeschichte 1,39ff. und danach de Smedt, Acta SS.Nov. 2. 47-50.

70. Theoderich von Fleury.

Theoderich, der um die Mitte des 10. Jahrhunderts geboren ist, stammtentweder aus Frankreich oder aus Deutschland. A. Poncelet wenigstenshat die Frage unentschieden gelassen; wenn man aber die einzelnen in Be-tracht kommenden Daten erwägt und hinzurechnet, daß doch manche Fran-zosen in der ottonischen Zeit engere Beziehungen zu Deutschland anknüpften,so möchte mir die französische Geburt des Mannes glaublicher erscheinen.Er seheint lange Zeit Weltgeistlicher gewesen zu sein, bis er ins KlosterFleury eintrat, dem er dann wohl stets angehört hat. Aber von Fleury austrat er bald in Beziehungen zu Deutschland, denn vor 995 widmete er demBischof Bernward von Würzburg eine Schrift Libelli de consuetudinibus etstatutis monasterii Floriacensis duo. Auch rühmt er sich seiner Verbindungmit Otto III. und endlich mag ihn das Verhältnis, in dem Fleury wegen deshl. Benedikts Leib zu Monte Cassino stand, in Beziehung zu diesem Mutter-kloster gebracht haben, so daß er später schreiben konnte, er sei den Mön- #chen des Klosters in Freundschaft eng verpflichtet. Im Jahre 1002 machteer eine Reise nach Rom zu den Apostelgräbern. Und zwar trat er in be-

') Vgl.Vs. 45 f. 49 f.

2 ) Vgl. Vs. 66 f. 68 f. Ein einzelner so gebauter Vers ist 207.Manitins, Lateinische Literatur des Mittelalters. IL . 29