448 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.
den Heiligen auseinander, spricht von dem ihm gewordenen Auftrage undberichtet über die Herkunft seines Stoffes. In der zweiten Hälfte besitztdas Schriftchen einen gewissen historischen Wert, da der Verfasser hiervon den sonst nicht bekannten Hornbacher Äbten Garemann 1 ) und Willi-mann sowie.von dem Feldzuge Heinrichs IL gegen Lothringen im Jahre 1009erzählt. In Kap. 16—18 berührt er endlich Verhältnisse, die sich im viertenJahre von Willimanns Abtswürde zutrugen, das mit dem Jahre 1012 gleich-gesetzt wird.
Zeugnisse. Das letzte erwähnte Datum c. 16 (Acta SS. Nov. 2, 53) Anno incarnationisdominicae millesimo duodecimo, procurationis Wülimanni abbatis quarto; c. 17 handelt sechsTage später und c. 18 zu Pfingsten 1012. Die Widmung c. 2 p. 51 His ita consideratis pi-ae-ceptis vestris, o sanctisshnl patres, non repugnans pauca de miraculis tangam, quae perpatronum nostrum Pirminium redemptor noster dignatus est operare . .. Quae oculis vidlmusquae ab his qui interfuerunt didicimus . .. scribendo testimonlis perhibemus. Zu AdalbertsTode vgl. 8 p. 52 Becepto igitur in aeternae beatitudinis gremium abbate Adelberto Gan-mannus congregationis suae praecipuus ... in id officii collocandus apparuit. Daß der Ver-fasser von dem der zweiten Vita Pirminii verschieden ist, sah de Smedt. Acta SS. Nov. 2,54,denn er nennt nirgends diese Biographie und sein Stil und seine Erzählungsweise sind ver-schieden und bei ihm ist die rhythmische, gereimte Prosa noch mehr ausgebildet. Hand-schrift: Brux. 206 s. XU— XIII. Ausgaben von Mone, Quellensammlung f. d. badische Landes-geschichte 1. 45—50, von de Smedt, Acta SS. Nov. 2, 50 54 und von Holder-EggerMG. SS. 15, 31—35. Vgl. Wattenbach 1,418.
Hier mag beigefügt werden, daß sich in Solothurn ein Sakramental'Gregors des Großen befindet, das der Hornbacher Mönch Eburnant demAbte Adalbert widmete. Es besitzt vier Bilder mit je acht Hexametern, 2 )in denen die Übergabe des Buches von Eburnant an Adalbert, von Adal-bert an Pirmin, von Pirmin an Petrus und von Petrus an Christus gefeiertwird. Die Verse sind herausgegeben von Dümmler, Neues Archiv 10, 344.Außerdem wird Adalbert genannt in der Inventio corporis s. Philippi, vgl.Falk, Neues Archiv 23, 557—561, wo es p. 557 heißt In anno igitur tertioimperii secnndi Ottonis caesaris erat quidam Hombachensium abbas .. nomineAdelbertus, und p. 560 f. steht ein Abschnitt mit der Rubrik De vita velactibus abbatis, allerdings ohne wesentlichen Inhalt. Vgl. Wattenbach1, 418.
Vita Pirminii metrica. Die zweite Vita Pirminii wurde in spätererZeit von einem unbekannten Verfasser in 496 Verse umgesetzt. Mone schriebsie dem Abt Heinrich von Reichenau zu, der 1237 starb. Mir scheint esaber, daß diese poetische Paraphrase in frühere Zeit gehört. Sachlich istnämlich nicht das geringste hinzugekommen, vielmehr ist ein Abstrich ge-macht worden, indem nach Vs. 412 der Bericht von Kap. 14 der Prosa-biographie — er enthält die Translatio Bonifatii — weggelassen wurde. Sohat das Gedicht rein formales Interesse, und nach der Mannigfaltigkeit undnach der sonderbaren Anlage seiner Form dürfte sich seine Zeit vielleichtnach der Mitte des 12. Jahrhunderts bestimmen lassen. Das ganze Gedichtsetzt sich nämlich aus Gruppen von je zwei Versen zusammen, und nurganz vereinzelt wie Vs. 264 findet sich ein Monostichus (leoninisch gereimt)oder ein Tristichon wie 293 ff. und 298 ff. Die Disticha wie die seltenenTristicha sind fast ausnahmslos an den Versenden zweisilbig gereimt, nur
') Er ist vielleicht Verfasser der zweiten I 2 ) Bild II Vs. 3 heißt es munus non de-
Biographie Pirmins. | spiee servi nach Catonis Dist. 3,10,1.