444 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.
ein zweites, das sich in Abingdon ereignete, 1 ) einem Kloster, das KönigEadred Ethelwold zur Erneuerung übergeben hatte und von dem WulstanBescheid in den Örthchkeiten weiß. 2 ) Für das kirchliche Leben Englandsvon Wichtigkeit ist die Darstellung Wulstans von den klösterlichen Ver-hältnissen zu Winchester, nachdem Ethelwold hier Bischof geworden war(Kap. 16—22); aber auch sonst steht Ethelwolds organisatorische Wirk-samkeit bezüglich des Klosterwesens seines Heimatlandes im Vordergrundeder Darstellung. 3 ) Erst in der zweiten Hälfte der Schrift kommt Wulstanauf die persönlichen Tugenden Ethelwolds zu sprechen: er preist seineMildtätigkeit zur Zeit großer Teuerung, rühmt seine Askese und hebt seineVorliebe für den Lehrerberuf hervor. So erklärte Ethelwold seinen Schülernlateinische Werke angelsächsisch und unterrichtete sie in Grammatik undMetrik. Den letzten Teil der Darstellung nehmen die unvermeidlichen Wun-der ein, an die sich Träume und Visionen anschließen, deren eine (Kap. 39)Ethelwold dem Wulstan selbst erzählt hatte. 4 ) Daran schließt sich ein Ge-dicht von 35 Distichen, das Wulstan auf die Dedikation der Kirche zu St. Swi-thun in Winchester verfertigt hatte; er schildert darin den Neubau underzählt die Dedikationsfeier, wobei er Anklänge an Vergil nicht verschmäht. 5 )Den Schluß bildet der Tod und das Begräbnis des Bischofs und zuletztberichtet Wulstan noch einige Wunder, wobei er selbst als Augenzeugeauftritt und berichtet, daß die Verehrung und Wunder Ethelwolds an seinemGrabe zwölf Jahre nach seinem Tode, also 996, begonnen hätten. Darausergibt sich, daß die Schrift kurz nach 996 fällt, denn Aelfric hat sie schonin seinem 1004 geschriebenen Leben des Heiligen zur Grundlage seinerDarstellung gemacht. Von den Visionen und Wundern abgesehen bietetübrigens Wulstans Schrift ein nicht unverächtliches Zeugnis für die Heiligen-biographie Englands am Schlüsse des 10. Jahrhunderts. 6 ) Angehängt sindder erste oben erwähnte abecedarische Hymnus auf Ethelwold, ein zweiterHymnus zur Vesper in fünf metrisch gebauten sapphischen Strophen mithäufigem Binnenreim, endlich ein Hymnus in zehn Fünfzehnsilbern. Daszweite dieser Gedichte stammt aber höchstwahrscheinlich von Wulstan,denn der Verfasser sagt hier 2, 1 von Ethelwold, daß dieser pater nosterfuit et magister, wobei sowohl an das Kloster 7 ) wie an Wulstan selbst zudenken ist; und daß das Gedicht kurz nach Ethelwolds Tode verfaßt wurde,ergeben die Worte 1, 3 Nunc Adelwoldvs . . regnat in astris. — Außerdemverfaßte Wulstan ein metrisches Werk über das Leben des hl. Swithun,doch ist das Werk ungedruckt, und nur die umfängliche Vorrede in 164 Di-stichen liegt gedruckt vor. Sie wendet sich an Elfeg, Bischof von Winchester,dem sich Wulstan Vs. 12 (8) als Ultimus Angligenum servulus hymnicinumnaht. Er rühmt hier zunächst Ethelwolds Wirken und schreibt zum Preise des
spiramine plenus nach Sedul. P. C. 2,176.
c ) Verbindung Winchesters mit Fleury er-weist 14 col. 89 C Adehrohlus autem misit Os-garum monachum trans mare ad monasteriums. patris Benedicti Floriacense, ut regularisobservantiae mores illic disceret.
7 ) Und da es im dritten Hymnus Vs. 2heißt tuos exaudi servulos, so ist hier eben-falls an ein Kloster in Winchester zu denken.
>) Kap. 12 col. 89 B.
2 ) Kap. 13 col. 89 C. Auch kennt er dieUrkunden des Klosters, vgl. Kap. 21 col. 92 B.
3 ) Vgl. Kap. 23-27 col. 92-94.
4 ) Kap. 29 col. 98D somniüm quod ipsevir dei sanctus Adehroldus de se nobis qita-dani vice referebat.
5 ) Vs. 55 Craieras statuunt et dulcia vinacoronant aus Verg. Aen. 1,724. Vs. 1 sacro