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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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438 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

wo die Gründung des Klosters Luxeuil durch Columban erzählt und mit Ge-schichtlich unrichtigen Daten vermischt wird.

Damit ist nun freilich Adsos schriftstellerische Tätigkeit keineswegserschöpft, denn der oben erwähnte Mönch, der die Wunder des hl. Ber-charius hinzufügte, weiß aus eigner und jedenfalls sicherer Kenntnis nochmanches andre von seinem früheren Abte zu erzählen. Namentlich zeigteAdso Interesse für die Dichtkunst, wie er dem Abte Adso von St. Basleeine Grabschrift setzte, mehrere poetische Werke vielleicht hagiogra-phischer Art schrieb und einige Hymnen dichtete. Auf Bitten seinesFreundes Abbo von Fleury brachte er das zweite Buch von Gregors Dia-logen in Verse, das sich fast ausschließlich mit den Wundern des hl. Benediktbeschäftigt. Für die Kirche von Troyes schrieb und komponierte er Gebeteund Psalmodien zum Sommer und zum Winter wie zur Quadragesimazeitund erwarb sich dadurch auch außerhalb seiner Klostersphäre ein großesVerdienst, das der Klerus von Troyes sehr zu rühmen wußte; mit demBischof Manasse von Troyes verband ihn nämlich die engste Freundschaft,so daß dieser ihn beinahe zu seinem Stellvertreter machte. Aber auch aufphilologischem Gebiet war Adso nicht unbewandert. Das tritt nun aller-dings in den uns erhaltenen Werken weniger hervor, wenn wir auch hiermeist auf eine gute stilistische Form hinweisen konnten. In jenem Berichtaber in den Wundern des hl. Bercharius heißt es, daß er auch einen Kom-mentar zu den ambrosianischen Hymnen 1 ) geschrieben habe. Hierdurch fälltein helles Licht auf die Bestrebungen des Abtes, der bei seinen Mönchenfür die im kirchlichen Gebrauch stehenden Hymnen ein besseres Verständnisanstrebte. Und diese Bestrebung findet ihre Bestätigung in der schon obenberührten Bibliothek Adsos. Nämlich im Jahre 992 unternahm der Abt mitManasses Bruder Hildvin eine Pilgerreise nach Jerusalem und schrieb nochan seine Mönche von der Reise an dem Tage einen Brief, als er sich zuSchiff begab. Aber auf der Seereise wurde er krank und starb plötzlich;man bestattete ihn in einem seiner würdigen Grabe auf der Insel Astilia.Während der Abt sich nun auf der Reise befand, nahmen die Mönche zuMontier-en-Der wohl auf seinen Wunsch ein Inventar seiner Privatbibliothekauf, und dies hat sich erhalten. 2 ) Es legt deutlich Zeugnis ab von philo-sophischen und philologischen Studien des Abtes, denn von den 23 hier ge-nannten Werken sind nur drei theologischen Inhalts; die glossierende Tätig-keit Adsos aber illustrieren deutlich Servius zu Vergil, Smaragdus zu Donat,Remigius zu Martian und Paulus' Auszug aus Festus 3 ) sowie ein Glossen-band. 4 ) Diese Bibliothek aber ist gewiß noch viel reichhaltiger gewesen,als es auf den ersten Blick scheint, denn der Katalog bezieht sich wohlnur auf- das erste Werk der betreffenden Bände. Doch auch an und fürsich betrachtet gewährt dieser Bibliothekskatalog die Sicherheit, daß

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') Darunter sind aber nach dem Sprach- : Bibl. de l'ec. des chartes 42,159f. (= Becker

gebiauch der Zeit nicht nur die Hymnen des j N.41 p. 126f.).

Anibrosius zu verstehen; die Nachricht be- j 3 ) Das Werk wird in alten Katalogen nur

zieht sich vielleicht auf das Hymnar seiner selten genannt, vgl. Bd. 1, 265.

Kirche zu Montier-en-Der. 4 ) Hierzu kommt wahrscheinlich als N.

2 ) Aus Paris. 5547 hrsg. von H. Omont, ein Kommentar zu Terenz.