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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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Adso von Montier-en-Der. 433

aber ist er nicht abhängig und auch nicht von den Weissagungen dertiburtinischen Sibylle, denn diese letzteren sind nur als Interpolation späterin den Text gekommen, den im Anfang des 11. Jahrhunderts der EremitAlbvin als den seinigen ausgegeben und dem Heribert von Köln und demKanonikus Arnald von Paris gewidmet hatte. Dieses grobe Plagiat trugdazu bei, daß Adsos Libellus de Antichristo bis vor kurzem weder rein nochvollständig herausgegeben worden war. Adso schreibt im Vorwort an dieKönigin Gerberga, daß er dieser stets treu wie ihr eigener Untergebenergesinnt gewesen sei, und daß sie ihn gebeten habe, sie über die Gottlosig-keit und die Untaten des Antichrist, sowie über seine Macht und seine Her-kunft zu unterrichten, obwohl sie dies nicht nötig habe, da der gelehrteRorico in ihrer Nähe sei, unter dem wohl Bischof Rorico von Laon zu ver-stehen ist. 1 ) Sodann macht er die Königin darauf aufmerksam, daß er dasSchriftchen nicht aus eigenem Wissen, sondern mit Hilfe von Büchern verfaßthabe. Aus diesem Grunde hat die Schrift an sich keine Bedeutung, dochsie hat insofern Wichtigkeit, als sie die späteren mittelalterlichen Vor-stellungen vom Antichrist beherrscht hat, 2 ) namentlich nachdem jener Albvinsie seiner Kompilation moralisch-theologischen Inhalts einverleibt hatte, ausder sie als einzelnes Kapitel mit und ohne Vorrede abgeschrieben wurde.Übrigens stellt Adso die Erscheinung des Antichrist in Aussicht, wenn alleLänder vom römischen Reiche abgefallen seien; dann werde ein Franken-könig, der größte und letzte von allen, das Reich einigen, nach Jerusalemziehen und Scepter und Krone auf dem Ölberge niederlegen. Jetzt erstwerde der Antichrist kommen, der schließlich von Gott auf dem Ölbergeden Tod erleiden werde.

Nachdem Adso in Toul eine sehr bedeutende Lehrtätigkeit entfaltethatte, wurde er von dem neuen Abte Alberich von Montier-en-Der an dieSchule von dessen Kloster berufen und wurde dessen rechte Hand. Er machtesich im Kloster so unentbehrlich, daß man ihn nach dem Tode AlberichsEnde 967 zum Abte erwählte. Mit dieser Zeit beginnt seine hagiographischeTätigkeit, die die Zeitgenossen sehr zu schätzen wußten, denn in einerganzen Reihe näherer oder fernliegender Klöster bat man ihn, das Lebendes Stifters oder doch einen Bericht über dessen spätere Wunder abzufassen.Und man kann ihm eine gewisse Kunst in dieser Beziehung nicht absprechen,da er seine Berichte zuweilen mit novellistischer Frische und Lebendigkeitgibt, obwohl die Unterlagen, die man ihm zusandte, nicht eben sehr aus-führlich gewesen sein mögen. Nun spricht der Mönch von Montier-en-Der,der das von Adso begonnene Leben des hl. Bercharius vollendete, ausdrück-lich nur von vier solchen hagiographischen Arbeiten, schreibt aber am Endedes über Adso handelnden Teiles, daß dieser die Taten vieler Heiligen auf-gezeichnet habe. Wir sind daher in den Stand gesetzt, ihm auch noch zweiweitere Arbeiten zuzuerkennen, die ihm durch handschriftliche Autoritätbeigelegt werden.

Den Anfang machte er mit der Vita Frodoberti, des Stifters von

') So auch Hist. litt. 6, 43. I De investigat. AnHthristi 1,14 (MG. Libell

2 ) Benutzt ist sie namentlich von Gerhoh | de lite 3. 309 f. 312).

Manitius, Lateinische Literatur des Mittelalter*. IL 28