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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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432 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

am Ende Juliamis von Le Mans treten läßt, ohne die Quelle hierfür zu nennen. Die Auf-schrift des Berichts über den Transport des hl. Junianus zur Synode von Charroux heißt(Migne 137,823 0) Domino patri Constantino et cetera fratribus Nobiliaci coenobii fraterLetaldus. Ausgaben der Mirac. Maximini bei Mabillon, Acta SS. ord. s. Bened. 1,598613-Migne 137, 795824; der Vita Iuliani in Acta SS. lan. 2, 762767, Migne 137,781796-der Delatio s. luniani Migne 137,823-826.

67. Adso von Montier-en-Der.

Adso stammte aus reicher und vornehmer Familie im Juragebiet undmag nach dem Jahre 920 geboren sein. Er wurde als Knabe von seinenEltern dem Kloster Luxeuil übergeben, der alten Stiftung Columbans, woer den Grund zu seinen später so bedeutenden wissenschaftlichen Studienlegte. Frühzeitig muß er sich durch Gelehrsamkeit ausgezeichnet haben,denn der Bischof Gauzlin berief ihn nach Toul, wo er längere Zeit das Amteines Lehrers zu St. Evre bekleidete. Die reichen Schätze der Bibliothekvon St. Evre ermöglichtem ihm, seine Kenntnisse in der alten Literaturzu vertiefen und zu erweitern, sowie auch selbst einen stattlichen Besitzvon Büchern zu erwerben. Daher kam es, daß er in späteren Jahren zuden größten Gelehrten gerechnet wurde und im Jahre 980 im GefolgeAdalberos von Reims mit Gerbert an der großen Disputation teilnahm,die Otto IL zu Ravenna zwischen Gerbert und Otric veranstaltete. Und dreiJahre später ließ Gerbert den Adso durch Adalbero ersuchen, ihm die Kommen-tarien Cäsars zur Abschrift zu leihen, und 986 bat er ihn im NamenAdalberos, Ende Juni mit diesem zusammenzutreffen, und ermahnte ihn inalter Freundschaft, die ihnen beiden so teuren Bücher nicht zu vergessen,wobei es sich jedenfalls auch um seltene und kostbare Werke handelte.Aus dem Ton dieses Briefes ergibt sich aber ein sehr nahes VerhältnisAdsos sowohl zu Adalbero als auch zu Gerbert, der hier als Bibliophile anden Bücherfreund schreibt. Auch mit Abbo von Fleury unterhielt Adso naheBeziehungen, wie sich bei der Betrachtung seiner Schriften zeigen wird.

Aber schon lange vor diesen Zeiten war Adso als Schriftsteller auf-getreten. Und sein literarischer Ruhm kann nicht gering gewesen sein,als ihm die Königin Gerberga von Westfranken, die Tochter des deutschenKönigs Heinrichs L, auftrug, für sie ein Werk über den Antichrist zuverfassen. Adso bezeichnet dies Werk als Auszüge aus vorhandenenBüchern und mehrfach bezieht er sich auf seine Quellen. Es ist das Ver-dienst von v. Zezschwitz 1 ) und E. Sackurs, 2 ) diese erwiesen zu haben.Danach folgt Adso besonders den eschatologischen Ausführungen, die sichin dem angeblich von Haimo von Halberstadt verfaßten Kommentar zum2. Thessalonicherbriefe 3 ) finden, während ihm dessen Kommentar zur Apo-kalypse nicht bekannt gewesen ist. Daneben benutzt er Alchvines Kommentarzur Genesis und De fide s. trinitatis, ferner das 7. Buch von Lactanz' In-stitutionen und den Hieronymuskommentar zu Daniel. Von Pseudomethodius

*) Vom römischen Kaisertum deutscherNation S. 37 f. und 155 n. 63.

2 ) E. Sackur, Sibyllinische Texte S. 99 ff.

5 ) Befand sich wohl auch in Adsos Be-sitze in der zu seiner Bibliothek gehörigen

Handschrift XXII (Becker, Catalogi bibl.antiqui N. 41 p. 127) expositio Haimonis superepistolam Pauli ad Romanos; der Römerbriefwird hier nur als der eiste genannt.