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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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Letald von Micy. 429

Wert gewinnen. Der Stil Letalds in dieser Darstellung ist in den reinhistorischen Teilen einfach und sachgemäß, die Ausdrucksweise ist klar unddurchsichtig, und der Verfasser hält sich im allgemeinen frei von anders-woher erborgtem Sprachgut, nur daß hier und da ein Ausdruck aus Sallustbegegnet. 1 ) Im Anschluß hieran sei erwähnt, daß Letald an Abt Konstantinvon Noaille einen kurzen Bericht über den Transport des hl. Junianus aufdie im Jahre 989 abgehaltenen Synode von Charroux richtete. Vielleichtwaren die Miracula s. Maximini die Ursache, daß Letald von dem BischofArnulf eine sehr harte Behandlung erfuhr, wie sich aus Abbos Apologeticumergibt; vielleicht hatte aber der Bischof auch aus anderm Grunde ein-gegriffen, denn wir wissen, daß Letald nicht stets innerhalb der ihmgesteckten Schranken geblieben ist. Nämlich Abbo richtete etwa 996an die Brüder von Micy ein Schreiben, in dem er sich zuletzt auch per-sönlich an Letald wendet, dem er vorwirft, daß er als Haupt einer Ver-schwörung im Kloster sich die Macht des. Abtes Robert angemaßt habeund gegen einen Unschuldigen rücksichtslos vorgegangen sei; zugleichrät er ihm, nur in Geduld seine Brüder bessern zu wollen. Welcher Vor-gang den Abbo zu diesem scharfen Vorgehen veranlaßte, ist nicht mehrklar; jedenfalls bedauerte Abbo selbst, so streng sein zu müssen, da, wieer vorher schreibt, Letald sein einstiger Freund sei und wegen seinesWissens von ihm hochverehrt werde. Mit dieser für Letald wohl rechtunangenehmen Sache hängt vielleicht eine darauf zum Bischof Avesgaudusnach Le Mans unternommene Reise zusammen, die für Letald die Ver-anlassung zu einem weiteren hagiographischen Werke wurde. Avesgaudforderte ihn nämlich auf, die alte Lebensbeschreibung des hl. Julianus neuzu bearbeiten.

Letald stellte seiner Vita Iuliani einen Widmungsbrief für Avesgaudvoran, wo er erst von dessen Aufforderung zu dem Werke Kunde gibt,die übliche Bescheidenheitsphrase anbringt, gegen die unwahren Verfasservon Heiligenleben zu Felde zieht und darauf aufmerksam macht, daß indem alten Leben des Julianus manche dem Sinn und den Worten nachgleiche Stelle mit den Biographien des Clemens, Dionysius und Furcaeussich finde. Dann geht er zu einer Komputation über, um die wirkliche Lebens-zeit Julians zu gewinnen: da Gregor von Tours berichte, daß unter Deciusmehrere Bischöfe vom Papst Xistus nach Gallien geschickt worden seien, undda Julian nach seinen Gesta mit Dionysius zusammen abgesandt wurde, sokönne die Sendung Julians nicht unter Clemens stattgefunden haben; dennzwischen Trajan und Decius hätten nach Hieronymus-Eusebius eine Mengevon römischen Kaisern regiert. Wir finden also hier den gleichen Triebnach gesicherter Chronologie wie im Leben des hl. Maximinus. Dann er-klärt er, in seiner Darstellung sich fast ganz auf die Autorität der früherenVäter verlassen zu haben; einiges habe er ihr einfach nacherzählt, andereshabe er übergangen, da es ihm unglaubwürdig erschienen sei. Außerdemhabe er Avesgauds Bitte wegen der Responsorien und Antiphonen erfülltund die gleichartigen zusammengestellt und vereinigt; und er habe nicht,

') Wie 2, 7 (col. 800B) inter confertissimos hostes ... occubuit, vgl. Sali. Cat. 60,7.