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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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428 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

hl. Maximin wird nur kurz gestreift, dagegen die Zeit des Heiligen durchKomputation aus Angaben von Gregor auf 75 Jahre früher bestimmt, alsdie Ankunft des hl. Maurus in Gallien erfolgte; allerdings ist die Rechnungnicht richtig. Ausführlicher wird dann die Zeit nach Maximins Tode be-sprochen und dabei besonders auf die Bischöfe von Orleans eingegangenwobei Letald erzählt, daß Bischof Theodulf zur Wiederherstellung desKlosters nach den kriegerischen Wirren Mönche aus Septimanien habekommen und zu Germigny nach dem Muster des Aachener Münsters eineKirche haben erbauen lassen, zu der er selbst die Weihinschrift dichtete. 1 )Auf literarisches Gebiet führt auch, daß Letald 2, 14 die Schrift von Theo-dulfs Nachfolger Jonas gegen Claudius von Turin erwähnt und aus ihr einigevon Jonas angeführte Sätze des Claudius anführt; er bemerkt, daß die Schriftdes Jonas noch in Micy aufbewahrt werde. Aus der Zeit des Jonas er-zählt er eine Klostertradition, die er durch wahrheitsgetreuen Bericht derÄlteren erfahren habe. Man kann diese letzteren Worte (2, 16 col 804A)wohl als mündliche Überlieferung auffassen, verfolgt man aber Letalds Erzäh-lung weiter, so kommt man zu anderer Ansicht. Nachdem Letald nämlich dannüber die Reichsteilung von 843 und die ihr folgenden Wirren in Westfrankengesprochen und von den Normanneneinfällen und der glücklichen ErrettungSt. Mesmins vor den Barbaren gesprochen hat, wendet er sich zu Jonas'Nachfolgern Agius, Walter und Trohannus, zu Abt Letald von St. Mesminund zu Odo von Cluni. Von da gibt er Bericht über die Bischöfe Berno,Anselm und Theoderich und erzählt von den Gewalttaten, die sich BischofErmenthaeus gegenüber dem Kloster erlaubte. Aufatmend erzählt er dannvon der Wiederherstellung des Klosters unter Anno, wobei er als Augen-zeuge spricht und das Versprechen ablegt, nur das zu schildern, was erselbst gesehen oder von glaubwürdiger Seite gehört habe. Hierauf folgenWunder, die der Heilige in moderner Zeit gewirkt hat, darunter eins, dassich vor dreißig Jahren ereignete, dann der Tod Annos und die uneigen-nützige Sorge Bischof Arnulfs für das Kloster, hierauf Wunder aus der Zeitdes Abtes Amalricus. Als er soweit in der Arbeit gekommen war, hat erden Brüdern davon Mitteilung gemacht, und da man ihm einhielt, daß sichzur Zeit Annos noch andere Wunder ereignet hätten, so schiebt er 16, 4648 drei weitere solcher Geschichten ein und erzählt nun bis zum Schlüsseder Darstellung (19, 55) noch einiges aus etwas späteren Jahren. Man siehtaus dieser Analyse deutlich, daß Letald weit über das gewöhnliche Malasolcher Wundergeschichten hinausging, daß er eigentlich eine Geschichteder Beziehungen der Bischöfe von Orleans zum Kloster in Micy gegebenhat. Und die Kontinuität seines Berichts läßt unbedingt darauf schließen,daß er auf einer Bistumsgeschichte von Orleans oder auf einer Abtsgeschichtevon St. Mesmin fußt, ja vielleicht beides zugleich benutzt und ineinandergearbeitet hat. Da uns aber weder das eine noch das andere Werk vorliegt,so dürfte Letalds Werk als Auszug einen nicht geringen historiographischen

') 2,13 (col. 802 C) quo etiam his versibmtili memoriam eleganter expressit: Haec inhonore dei Theodulfus templa sacravi, Qnae

dum quisqnis adis, uro memento mei. DasDistichon fehlt in den von Du mm ler heraus-gegebenen Gedichten Theodulfs in P. I' !