Letald von Micy. 427
mini durch Bertold, einen Mönch des 9. Jahrhunderts, beschrieben worden,doch die Darstellung der späteren Wunder stand noch aus.
Die Miracula s. Maximini aber, die Letald im Jahre 986 oder 987schrieb, begnügen sich keineswegs mit den Wundern, die der Heilige ge-wirkt hatte, sondern sie geben in ihrem Hauptteile eine Geschichte desKlosters seit den Tagen des Bischofs Theodulf von Orleans bis auf dieGegenwart. Leicht war die Aufgabe nicht, die sich Letald gestellt hatte,denn es galt die fast unausgesetzten Anfeindungen und Übergriffe dar-zustellen, die die Diözesanbischöfe sich gegen das Kloster erlaubt hattenund durch die St. Mesmin allerdings für längere Zeit ungemein herab-gekommen war. Er beabsichtigte aber keine einfache Wundergeschichte,wie sie so oft geschrieben wurden, sondern seine Darstellung, so zurück-haltend sie auch an wichtigen Stellen ist, mußte den Zorn des Bischofsunbedingt erwecken. Er ist sich auch der Schwere seiner Aufgabe vollbewußt, er beginnt mit den Worten: „Wissentlich und mit Absicht legeich meine Hand in das Feuer." Er berührt dann weiter im Prologe, daßdie Schicksale des Klosters ganz allgemein unbekannt seien, daß er daherdas, was er selbst erlebt und gesehen und von anderen als wahr erfahrenhabe, aufschreiben wolle. Und man solle es ihm nicht anrechnen, wenn ereiniges einfüge, was nicht unmittelbar zur Darstellung zu gehören scheine.So beginne er mit Chlodowech, weil das Kloster auf ihn zurückgehe, under erwähne dessen Söhne, um des hl. Avitus gedenken zu können. AufChildebert, Sigeberts Sohn, aber sei er deshalb gekommen, um den hl. Maximinals Zeitgenossen des Launomarus einzuführen, dem Maximin alles zu ver-danken habe. Aber er habe doch nicht alles aufgeschrieben, was er inErfahrung gebracht, denn zeitlich Unbestimmbares habe er für besser ge-halten zu verschweigen. So habe er in der Stiftung von vortrefflichenMännern gehört wie von Bertold, dem man die Abfassung des alten Lebensdes Maximin zuschreibe, ! ) und von einem Petrus, der mehrere Geschichts-werke, die er selbst verbessert und eingeteilt, dem Kloster zum Geschenkeauf den Stephansaltar gelegt habe; darüber wolle er nicht sprechen, da dieZeiten dieser Männer ihm nicht klar seien. Die Vorrede gibt also eineziemlich ausführliche Begründung für den Inhalt der Schrift, sie läßt aberden Leser ganz im unklaren darüber, welche Hilfsmittel dem Verfasser zuGebote standen. Nur soviel sagt Letald, daß niemand die Schicksale desKlosters aufgezeichnet habe, so daß sie zur Nachwelt gelangen könnten; 2 )freilich schränkt er das sehr bald wieder ein, indem er bemerkt, er glaubeallerdings, daß das, was zu jemandes Kenntnis habe gelangen können, auchwenn er es nicht selbst gesehen, schriftlich oder mündlich fortgepflanztworden sei. Und es wird sich zeigen, daß dem Letald eine keineswegs un-bedeutende Quelle außer den im Kloster verwahrten Aufzeichnungen überWunder vorgelegen haben muß. — Er beginnt seine Darstellung mit kurzemBericht über Chlodowech und seine Herrschaft nach Gregor von Tours undfährt mit der Gründung des Klosters zu Micy fort. Das Wirken des
') Vorher (Migne 137,797.A) erwähnt er 1 2 ) Migne 137,7950.
einen Haymo, Stenogaudus und Dructesindus. ]