41 8 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.
erzählte und ein Glaubensbekenntnis ablegte. Der Papst segnete sie undkleidete sie als Braut Christi ein. Hunegundis kehrte allein zurück undübergab in ihrer Heimat ihren ganzen Besitz der hl. Maria, um ihr weiteresLeben Gott zu dienen. Als der Bräutigam zurückkehrt, geht er nach an-fänglichem Zorn in sich, .vermacht ebenfalls sein Gut der Maria und stirbtbald darauf. Hunegundis aber verbringt ihr weiteres Leben in einer Gottwohlgefälligen Weise bis an ihren Tod. Berner hat nun vor 946 das Lebender Heiligen dargestellt und zwar in wortreichem und salbungsvollem Stil.Er beschrieb es, wie er in der Vorrede sagt, nach der Kunde, die er vonsicheren Zeugen einzog; das heißt doch jedenfalls, daß er ein altes Lebenin gefälligerem Stil überarbeitete. Sonst läßt er sich über seine Quellennirgends aus. Liest man nun das Leben der Heiligen, so drängen sicheinem alsbald eine Menge Reste von volkstümlichen Versen auf, wie auchnicht wenige ganze Verse in der kleinen Schrift enthalten sind. Es sinddie beliebten Fünfzehnsilber, die ja zu sehr mannigfaltigem Gebrauche dienten.Sie werden nach Kap. 11 seltener, bleiben aber doch fast bis zum Endedes Werkchens. Der Gedanke liegt daher nahe genug, daß Berner einenalten Rhythmus über die Heilige zu deren Biographie in Prosa verwendethat, indem er anfänglich diesem Gedicht ziemlich treu folgt und die Para-phrasierung vieler Verse und Versteile unterläßt, bis er sich schließlich indie Prosa mehr hineinfand.
Im Jahre 946 fand nun die Äbtissin Berta von Humblieres, die alsNonne einst in das Marienkloster zu Reims eingetreten war, das Grab derhl. Hunegundis auf. Bei dieser Gelegenheit offenbarten sich gleich mehrereWunder, aber ein Priester von St. Quentin bewog die Äbtissin, die Trans-lation aufzuschieben, die dann erst bei Anwesenheit des Archidiakonus vonNoyon, der später Bischof in dieser Stadt wurde, und der Mönche Gisound Rotbert von St. Quentin vorgenommen ward. Der Bericht hierüberwurde an Berner gesandt und von diesem zur Translation verarbeitet, inderen Vorrede der Verfasser verspricht, die Namen der Personen, den Zu-sammenhang der Dinge, die Zahl der Jahre und die zeitliche Folge genaubestimmen zu wollen. Berner hat dann später hieran noch einen Berichtüber die Wunder geschlossen, von denen die meisten natürlich ohne chrono-logische Gewähr erzählt werden, und erst das vorletzte als im August 964geschehen eingeführt wird. Viel sind es nicht, die er zusammenbrachte, denndie meisten seien, wie er Kap. 9 sagt, ans Unachtsamkeit nicht überliefertworden. Aus Kap. 10 aber geht hervor, daß die Nonnen zu Humblieresnicht eben vorbildlich lebten, trotzdem Berner schon 948 Mönche aus St. Remiübergeführt hatte. Später wurden im Jahre 1051 Berners Schriften überdie Heilige unter ausdrücklicher Nennung seines Namens durch einen kurzenBericht über die Veränderung des Heiligengrabes ergänzt.
Zeugnisse. Daß Berner der Verfasser der Translatio und der Miracula Hunegundiswar, bezeugt der 1051 schreibende Verfasser der Descriptio super mutatione corporis s. Hune-gundis c. 2 (Migne 137, 73 A) Cnius inventionis necnon et translationis descriptionemsimulque miraculorum insignia . .. volentibus agnoscere claro stilo luculentoque sermone■ttuduit elucubrare piae memoriae domnus abbas Bernerus, qui deo disponenteprimushuicsuc-cessit (nämlicb Bertae) locello pulsis ob obscena carnalis voluptatis lenocinia, quae ibi eranf,moniulibics. Da nun Bemei den Bericht der Wunder mit den Woiten beginnt (Migne 137.67 B) His praemissis de vita et actibus saepe dietae gloriosae virgiriis, ratum duximus pauca