Druckschrift 
2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
Entstehung
Seite
407
Einzelbild herunterladen
 

Adam von Bremen. 407

die im Norden wohnenden Heiden nichts wüßten; er aber habe das vonKönig Sven erfahren, aus welcher Quelle er dann noch einiges über dieInsel Winland anführt. Den Schluß bildet dann eine Erzählung nach demBerichte Brzbischof Adalberts über die älteste deutsche Entdeckungsfahrtins Nordmeer. Sie wurde zur Zeit Alebrands von einigen Friesen unter-nommen, die von der heimischen Küste aus über Island nach Norden fuhrenund dort nach Überwindung einer Meeresströmung zur Insel der Kyklopengelangten, wo sie wunderbare Erlebnisse hatten. Mit einer Lobrede auf dieHamburger Kirche und ihre Macht und Missionstätigkeit schließt das ganzeWerk. Adam hat seiner Arbeit einen Epilog in 62 Hexametern angehängt,der eine Ergänzung der Widmung bildet. Hier spricht er sich wieder be-scheiden, aber doch mit dem Bewußtsein darüber aus, daß sein Werk nurTatsächliches enthalte und daß Liemar es annehmen und als sein Eigentumbetrachten möge. Er habe damit keinen Ruhm und Vorteil, sondern nurihm zu gefallen gesucht. Und die Zeit werde kommen, da er (Adam) oderein andrer Bremer Kleriker seine (Liemars) Taten besingen werde. Zuletztpreist er Liemar als den Befreier seines Volkes und seiner Kirche aus denHänden der Heiden und der Tyrannen und beglückwünscht ihn als denBringer des Friedens. Dieses vierte Buch, das den Sondertitel Descriptioinsularum aquilonis führt und auch mehrfach in gesonderter Überlieferungerhalten ist, beruht seinem Stoffe nach in der Hauptsache wohl auf demBericht des Königs Sven, der auch mehrmals als Quelle genannt wird. 1 )Adam hat sich aber hier die Mühe gegeben, einzelne Notizen aus der antikenGeographie hineinzuarbeiten, die sich besonders auf abgelegene Inseln undsagenhafte Völker beziehen; und so hat er auch hier Solin, 2 ) Martian 3 )und Orosius 4 ) verwendet. Außerdem benutzt er, abgesehen von den schonoben angeführten mündlichen Berichten, mehrfach das Leben des hl. Anskar(4,1.26), sowie Macrobius, 5 ) dessen Somnium Scipionis schon im Prologerwähnt wird, und Beda. 6 )

Adam hat es nun aber keineswegs verschmäht, stilistischen Vorbildernnachzueifern. Sein Stil ist nicht eben wortreich, sondern meist gedrungenund knapp und zeigt an vielen Stellen ungemein starke wörtliche oder nichtwörtliche Anlehnung an Sallust, 7 ) dessen konzise und geistreiche Schreib-weise sich ja dem 10. und 11. Jahrhundert besonders empfahl; die Ab-hängigkeit von diesem Vorbilde ist in den Noten der Handausgabe und dannvon K o h 1 m a n n 8 ) deutli ch hervorgehoben worden. Als ein weiteres stilistischesVorbild hatte ich früher Tacitus aufgestellt. 9 ) Dem hat allerdings Kohl-mann widersprochen, 10 ) ohne mich indes zu überzeugen, denn die von mirgegebenen Beispiele könnten aus der Germania stark vermehrt werden.Außerdem hat Adam, um seinen Bericht zu beleben und manche Aussagenauf antike Worte zu gründen, öfters römische Dichter angeführt, die inder Schule gelesen wurden, nämlich Vergil, Horaz, Lucan, Persius undJuvenal. Auch besteht 3,28 mit einer Stelle aus Cicero de fin. 2,34 nahe

') Nämlich 4,16. 25. 38. 39. 6 ) Vgl- 4,36. 41.

"-) Nämlich 4,19. 25 35 7 ) Genannt wird er von Adam 3.56.

s ) Vgl. 4,12. 20. 35. 39. 8 ) a. a 0. S. 57-119.

4 ) Nämlich 4,21. 35 36 9 ) Vgl. Neues Archiv 25,202.

ä ) Vgl. 4,41. ">) a. a. 0. S. 31 ff.