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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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408 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

Verwandtschaft. Außerdem scheint Adam den Prudentius zu kennen. 1 )Mit dem Zurückgehen auf alte Muster hängt es übrigens zusammen, daßAdam mehrmals unverständlich wird, indem er antike Verhältnisse inseine Zeit zieht. So macht es einen eignen Eindruck, wenn man 3, 34 vonAdalbert und Anno liest consules declarati sunt oder 3,60 in anno cotisulatussui oder gar 3,59 iam septies consul und im Schol. 48 von der sächsischenFürstin Emma inclita senatrix; das sind Schwächen, die man einem so ernst-haften Schriftsteller kaum zutrauen dürfte. Die Sprache Adams ist auchsonst seinen Quellen angepaßt. An vielen Stellen glaubt man einen antikenGeographen zu lesen, während sonst das mittelalterliche Latein mit mancherleiSonderbarkeiten und auch grammatischen Fehlern zum Ausdruck kommt.

Nun enthalten fast alle Handschriften Adams eine Erweiterung, der wirauch bei andern Schriftstellern schon begegnet sind. 2 ) Es finden sich näm-lich an vielen Orten Scholien, die kleine oder größere Erweiterungen zumTexte oder sachliche Erklärungen und zwar meist von nicht geringem Wertegeben. Zweifellos sind viele dieser Stücke von Adam selbst schon hinzu-gesetzt worden, denn er erzählt hier in derselben Weise wie im Werke 3 )und berichtet aus Autopsie; 4 ) jedenfalls hat er kleinere Züge mehrfacheigens für die Scholien aufbewahrt. 6 ) Auch erscheinen in diesen Hand-bemerkungen dieselben benutzten Quellen wie im Werke, nämlich Solin,Martian und Beda, zu denen noch Paulus Diakonus hinzutritt, und dieselbenAutoren, aus denen Zitate entnommen werden, nämlich Sallust, Vergil.Horaz und Lucan, vielleicht auch Ovid, und als späteres Zeugnis Tacitus.Aus der Anführung eines Briefes Alexanders II. an den NorwegerkönigHarold im 69. Stück ergibt sich wohl ebenfalls Abfassung durch Adamselbst. 6 ) Doch sind auch andre Verfasser hierbei tätig gewesen, wie sichz. B. aus dem 151. Stück deutlich ergibt, das von der Person Adams spricht.Und es scheint, daß spätere Abschreiber manches aus eigner Kenntnishinzugesetzt haben, denn die Scholienmassen sind in den einzelnen Hand-schriften sehr verschieden. 7 ) So wird auch erst eine sorgfältige Unter-suchung über diese Randbemerkungen zu einer sichern Ausscheidung vonAdams Eigengut führen. Im ersten Buche sind die Scholien nur ganz ver-einzelt, sie mehren sich für die späteren Zeiten und werden in den zweiletzten Büchern in großer Zahl zu dem Texte hinzugesetzt.

Aus dem Verhältnis einer Handschrift des Werkes (Vindob. 521) zu derübrigen Überlieferung scheint nun hervorzugehen, daß Adam die fertig-gestellte Arbeit noch einmal durchsah und an vielen Stellen kleinere odergrößere Nachträge einfügte, denn es ist nicht anzunehmen, daß jene Hand-schrift alle diese Stücke ausgelassen haben sollte. Die Zusätze sind imersten Buche zwar nicht selten, aber doch kleineren Umfangs, sie mehrensich im zweiten Buche und betreffen größere und wichtigere Stücke und

J ) Vgl. 2,28 senexfidelis mitPrud. Psych. I 6 ) Vgl. Schol. 52. 74. 77. 80.

praef. 1. G ) Vgl. über die von Adam selbst bei-

*) Vgl. den Panegyricus Berengarii, Abbo gesetzten Stücke die Handausgabe vonWaitz

von St. Germain, Heiric von Auxerre. p. XL

3 ) Vgl. Schol. 72. 76. 77. 123. 135. 7 ) So entbehrt der Vindob.521 derScholien

4 ) Vgl. Schol. 89. fast gänzlich.