Druckschrift 
2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
Entstehung
Seite
406
Einzelbild herunterladen
 

406 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

lieben aus ihrem Klerus zu weihen. Da er aber von diesen Weihen undden betreffenden-Bischofssitzen noch nicht gesprochen habe, so wolle er nunüber die Lage Dänemarks und der andern nördlichen Länder schreiben 1damit beginnt das vierte Buch. Auch hier also sollen die Macht, das Rechtund die Pärogative des Erzbistums über den Norden Europas durch eine um-fassende Darstellung der einschlägigen Dinge und Verhältnisse gewahrtwerden, und einen besseren Anwalt für seinen Bestand konnte Bremen nichtfinden. Er beginnt seine Darstellung mit den Grenzen und der EinteilungDänemarks und spricht über die Diözesen des Landes und die von Adalberteingesetzten Bischöfe. Dabei erwähnt er die Insel Farria oder Heiligland,die in der Vita Willebrordi (von Alchvine) Fosetisland genannt werde.Dann geht er hinüber nach Schonen und beschreibt das baltische Meer unddie Nordsee, wobei er das Kapitel 12 aus Einharts Vita Karoli in dreiAbschnitte erläuternd ausdehnt und die Erforschung des baltischen Meeresdurch den dänischen Ritter Ganuz Wolf und den Norwegerkönig Haroldberührt und die Ansicht äußert, daß man zu Schiffe von Schweden hinübernach Griechenland gelangen könne. Es folgt die Aufzählung der Inseln imNordmeere, unter denen er auch Kurland, Esthland und Samland nennt,sowie der sagenhaften Völker der Amazonen, Cynocephalen und Wizzer,die er mit den Albanern nach Solin 15, 5 gleichstellt; weitere Völker ammäotischen See nennt er aus Martianus Capeila. Hierauf wendet er sichnach Schweden 1 ) und stellt nach König Svens Bericht erst die Größen-verhältnisse beider Länder fest, um dann das schwedische Land, seine Be-wohner und deren Glauben und Sitten zu schildern. Auf eine kurze geo-graphische Beschreibung Schwedens nach Solin mit dessen üblichen sagen-haften Nachrichten und nach Sven folgt ein Exkurs über den Götterglaubender Schweden und über deren Heiligtum Upsala, wobei die heidnischenGötternamen durch römische erläutert werden; diese Stelle (26 f.) gehört zuden kulturhistorisch wichtigsten Teilen des ganzen Werkes, besonders daAdam hier auf den Götterkultus näher eingeht. Hieran schließt sich ein Be-richt über die Missionsreise Adalwards des Jüngeren, eines Bremer Klerikers,dem es aber nicht gelang, das Heiligtum Upsala zu zerstören. Dann folgtdie Beschreibung Norwegens, dessen Bewohner wegen ihrer Einfachheitund christlichen Gesinnung hohes Lob erhalten, während die Habsucht derchristlichen Priester scharf getadelt wird. Hierauf spricht er sich überdie arktische Tierwelt aus und verweist ungläubige Leser auf den Berichtder Eingebornen. Nach kurzer Schilderung Drontheims geht er auf dieMissionstätigkeit in Norwegen ein 2 ) und wendet sich dann zu den nörd-lichen Inseln, den Orkaden und Thyle, das er mit Island gleichstellt undausführlich beschreibt, endlich zu Grönland und Halagland. Hier sprichter sich darüber aus (38), daß im Norden den langen Tagen lange Nächteentsprächen und begründet dies mit der Kugelgestalt der Erde, 3 ) wovon

') Schonen ist für ihn nach Kap. 7 fast I 3 ) Kohlmann a.a.O.S. 45 f. hat bewiesen,

eine Insel, da es nur durch eine Landenge I daß diese Aussage auf Beda de temp. ratione

mit dem Festland zusammenhängt.

2 ) Im Scholion 147 wird das Verdienstder Deutschen gegenüber den Engländernkräftig hervorgehoben.

(Migne 90, 437 f.) zurückgeht. So verstehensich auch die Worte Adams Hoc jgnorantespagaiü, denn sie kennen ja die römischeWissenschaft nicht.