Adam von Bremen. 405
o-enau bekannt 1 ) und er hat uns davon ein klareres Bild hinterlassen alsirgend ein andrer Zeitgenosse. Freilich gleich bei der ersten Erwähnung(2, 68) sieht er sich veranlaßt, nicht günstig über seine Person zu urteilen,und beim Beginn des dritten Buches (3, 1) merkt man seiner Darstellungan, daß er eigentlich lieber die Zeit Adalberts ausgelassen hätte. Er sagtnämlich, es sei schwer, über die Taten und den Charakter dieses Mannes etwasWürdiges zu schreiben, und nur die Notwendigkeit habe ihn dazu veran-laßt, da er Liemar versprochen habe, sein Werk bis zum Beginn von dessenPontifikat auszudehnen. Und er erhebt ihn anfänglich mit hohem Lobe,das er in beredteren Worten ausspricht, als sie ihm sonst zu Gebote stehen;aber er setzt doch hinzu, daß dies Lob sich auf frühere Zeiten beziehe,während sein späteres Leben Tadel zu verdienen scheine. Freilich wälzter den Tadel mehr auf Adalberts Gegner, wie er auch 3, 66 die Fehler desErzbischofs mit der Nichtswürdigkeit der Menschen entschuldigt, denendieser vertraute. Die Gegner, besonders das sächsische Herzogshaus, be-denkt er mehrfach (2, 71 und 3, 26) mit herbem Tadel, wie er sich auchdurchaus freimütig gegen Adalbert ausspricht. 2 ) Aber sein Urteil über den.Mann mit dem hochfiiegenden Geiste bleibt doch vorsichtig und wohl ab-gewogen, 3 ) und man erkennt daraus nicht nur einen klugen und umfassen-den Sinn bei Adam, sondern auch dessen abgeklärte und milde Menschlich-keit in der Beurteilung'von ganz anders denkenden Personen. Ich .findein dieser Beziehung ebenso wie in der gehaltreichen geographisch-histori-schen Darstellung eine vollendete geistige Reife und Selbständigkeit, diewir ja leider bei dem weitaus größten Teile der mittelalterlichen Schrift-steller vermissen, da sie unter einem gewissen Drucke ihrer geistlichenStellung trotz vielfacher und vortrefflicher stilistischer Muster nur Un-vollkommenes lieferten. Adam hat sich von solchem Druck gänzlich befreit,ja seine geistliche Stellung hat ihn, kann man sagen, zu dem weiten Blickbefähigt, den er besitzt. Sein Werk ist daher einzigartig und es ist daherdie Grundlage für alle späteren Arbeiten über den Norden geblieben. Undwenn man ihm den Vorwurf gemacht hat, daß sein Ausdruck, wo er sichin psychologischer Charakteristik versuche, zu feineren Schattierungen un-fähig sei,*) so trifft das meiner Ansicht nach keineswegs zu. 6 ) Das Gegen-teil ist der Fall, denn ihm, der die schwierige Aufgabe hatte, die gesamteKirchenpolitik eines Mannes wie Adalbert zu verteidigen, ist es gelungen,ein wirkliches Bild von dieser großen Persönlichkeit zu hinterlassen.
Ihm erschien nun seine Darstellung der Geschichte des Erzbistumsunvollständig und er hat den Leser über diesen Punkt am Ende des drittenBuches in einer erweiternden Überarbeitung 6 ) aufgeklärt. Hier berichteter nämlich, daß Adalbert vom Papst das Privileg erhalten habe, daß erwie seine Nachfolger das Recht haben sollten, dort Bischofssitze im Nordenzu errichten, wo es ihnen gutdünke, und daselbst Bischöfe nach ihrem Be-
') Vgl. 3,2 Nobis autem gut nun eo vixi- ! *) G. Dehio, Gesch. d. Erzbistums Ham-
nms cotidianamque viri conversationem in- I burg-Bremen 1,177.speximus. 5 ) Aehnlich urteilte schon Kohlmann
2 ) Vgl. 3.36 und 60 f. i a. a. 0. S. 12 f.
3 ) Vgl. 3,43. 45. 46. 6 ) Darüber vgl. unten..