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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.
leblosen Aneinanderreihung der einzelnen Kirchenfürsten und deren geistlich*paränetischer Lobpreisung, die wir sonst in solchen Werken gewohnt sind.Durch sein stetes stilistisches Vorbild Sallust und vielleicht durch Orosiushatte er die Überzeugung gewonnen, daß es für örtlich begrenzte historischeDarstellungen ein Gewinn ist, wenn sie auf geographischer Grundlage be-ruhen und auf dieser herausgearbeitet werden. Daher stehen bei ihm geo-graphische Belehrungen im Vordergrunde, von ihnen heben sich die reichengeschichtlichen Auseinandersetzungen ab. So beginnt er mit der ausfuhr-lichen Beschreibung Sachsens, er schildert das Land, seine Bewohner undseine Städte und berührt die älteste Geschichte der Sachsen sowie ihreSitten und ihren Glauben. Und ebenso verfährt er mit den Ländern undVölkern, mit denen das Erzbistum, dessen Geschichte er fortschreitendberichtet, in Berührung gekommen ist, also mit Dänen, Schweden, Nor-wegern und den um das Erzbistum wohnenden slavischen Stämmen. Hier-bei interessieren ihn mancherlei geographische Fragen, wie die Größe derLänder, die Entfernungen der Inseln und Städte voneinander, aber auchgeschichtlich gewordene Dinge, wie er z. B. den Limes Saxotiiats eingehendvorführt l ) und gern der Einteilung der Erzbistümer in ihre Diözesen 2 ) nach-geht. Stets hat für ihn das Geschichtliche großen Wert, und es scheintfast, als habe er sorgsam alles zusammengetragen und gebucht, was ihmin dieser Beziehung zukam, damit es nicht wieder verloren gehe. So er-zählt er 1,3 von der Völkerwanderung, 1,4 ff. von der alten sächsisch-thüringischen Geschichte, 1, 14 von den Dänenkriegen Karls des Großen,2, 25 von der Geschichte Englands, 2, 39 ff. von den Kriegen der skandi-navischen Reiche, 2, 77 ff. und .3, 15 f. von der Geschichte der nordischenVölker und Reiche. Besonders gern verweilt er aber bei der Missionstätig-keit der Erzbischöfe, 3 ) die einen breiten Teil seiner Darstellung einnimmtund die ihn stets wieder von neuem auf geographisch-historische Exkursebringt. Bei der eigentlichen Geschichte des Erzbistums aber treten die Re-gierungstätigkeit der Kirchenfürsten, ihre Missionswirksamkeit, sowie ihreBeziehungen zum Reich und zu den slavischen und nördlichen Völkern inden Vordergrund. Und je mehr sich Adam der eigenen Zeit nähert, umso bedeutender werden seine Berichte, bis sie in der Zeit Adalberts sichgeradezu zur Geschichte des deutschen und europäischen Nordens mit be-sonderer Beziehung auf kirchliche Verhältnisse auswachsen. Aber schonbei der Darstellung von Alebrands Tätigkeit fühlt man eine gewisse Wärmeund persönliche Anteilnahme von Adam ausgehen. Er empfängt ihn 2, 69mit freudigen Worten und widmet ihm 2, 82 einen warmen Nachruf, undes scheint aus seinen Worten hervorzugehen, das er Alebrand persönlichgekannt hat. 4 )
Das dritte Buch beschäftigt sich nun ausschließlich mit der Zeit Adal-berts. Vermöge seiner Stellung war Adam mit Adalberts Wesen und Wirken
M Nämlich 2,18.
2 ) Vgl. 2,16 f.
3 ) Hierbei wird auch ein irischer BischoffBr Mecklenburg namens Johannes 3,21 er-
wähnt.
4 ) 2,82 Quamdiü enim temporali nobis-cum fruebaris vita . . . officia nobiliter /»'-plesti.