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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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Adam von Bremen. 403

<ranz allein steht, ich kenne wenigstens keinen Vorgänger, auf den jeneunbestechliche Wahrheitsliebe und jene durchaus aktenmäßige Darstellungder Ereignisse zurückgeführt werden könnte. Hiermit ist aber noch einweiterer Umstand zu vergleichen, der sich beim mittelalterlichen Schrift-steller unbedingt findet. Ich meine den Aber- und Wunderglauben. . Ganzfrei ist auch Adam davon nicht, wie er z. B. 3, 64 von den Vorzeichen er-zählt, die dem Tode Adalberts vorangegangen seien, und hinzusetzt, daßdie Toten niemals vernehmlicher zu den Lebenden gesprochen hätten. Oderer berichtet nach Rimberts Leben einige Wunder dieses Bischofs (1, 40 f.),doch leitet er diese Erzählung mit den Worten ein, daß im Leben derHeiligen zuweilen Wunder und Zeichen vergebens gesucht würden, währenddoch auch Übeltäter solche vermöchten; und zudem sei es, wie er ausGregor 1 ) hinzusetzt, ein größeres Wunder, eine Seele der Sünde zu ent-reißen als einen Toten aufzuerwecken. Und kurz vorher (1,39) ergänzt erRimberts Leben um eine wunderbare Erzählung aus der Zeitgeschichteßovos IL von Korvei, und auch sonst führt er zuweilen das wunderbareEingreifen Gottes in die menschlichen Schicksale dem Leser vor, oder erberichtet Ähnliches von seinen Kirchenfürsten. 2 ) Aber an andrer Stelle, woes sich um Wunder des Erzbischofs Adaldag handelt, lenkt er, wie oben,davon ab (2, 28) und meint, am sichersten sei es zu glauben, daß Adaldagden Sachsen, Transalbianern und Friesen Recht und Gesetz verliehen habe.Daß er zuweilen von Reliquien 3 ) spricht, ist natürlich bei einem BremerDomherrn nicht zu verwundern. Aber den die Kirche repräsentierendenPersönlichkeiten gegenüber hat er ein freies Urteil gewahrt, wie er 2, 50den Erzbischof Unwan wegen seiner Neigung, Schätze anzusammeln, tadelt,oder 1, 63 die in allem weitlichen Glänze an ihren Sitzen lebenden Bischöfeaufmuntert, es dem Erzbischof Unni gleichzutun, der während seiner Heiden-mission in der Fremde starb und damit der Nachwelt ein rühmliches Bei-spiel gab. Hingegen muß es dem Leser auffallen, daß in dem ganzen Werkenur höchst selten von literarischen Dingen gesprochen wird, und auch dannnur im Zusammenhang mit der Regierungstätigkeit der Erzbischöfe 4 ) oderim Auszug aus einer benutzten Quelle. 6 ) Und von Büchern ist nur zweimaldie Rede, nämlich 1, 21 von der mit der Stadt verbrannten HamburgerBibliothek und 3, 45 von einem durch Heinrich IV. dem Erzbistum ge-schenkten Psalter in Goldschrift. Das läßt aber darauf schließen, erstensdaß die Wissenschaft in dem waffenumlärmten nördlichen Erzbistum nurein sehr bescheidenes Dasein fristete, und zweitens, daß Adam kein Buch-gelehrter war, trotzdem er ja für sein Werk eine große Menge von Büchernals Quellen benötigte. Er war vielmehr ein Mann der Tat, den vor allemdas geschichtliche Leben der Völker und das Werden und Wachsen seinesErzbistums interessierte.

Von diesem Geiste legt nun sein ganzes Werk volles Zeugnis ab. Erwollte eine wirkliche Geschichte des Erzbistums schreiben und nachdemer sich die nötigen Quellen verschafft hatte, begnügte er sich nicht mit der

') Gregor. Dial. 3,17 (Migne 77,265). I ") Vgl. 1,33.

2 ) Vgl. 1,53. 2, 33. So auch 4,23. 29. 5 ) Vgl. 1,44 nach Vita Rimberti 15.

3 ) Vgl. 1,18.

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