402 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.
Darstellung diente. Adam stellt ihn als Zeugen für die Geschichte der Sachsengleich an die Spitze seines Werkes (1,1. 4. 7—9) und benutzt ihn weiter fürdie Beschreibung der germanischen Meere (2, 18f.). Dabei entsteht nun die'Frage, ob die Worte 1, 7 Haec tulimus excerpta ex scriptis Einhardi de ad-ventu, moribus et superstitione Saxonum im eigentlichen Sinne zu nehmensind, oder ob darin nach G. Waitz eine Verwechselung mit Meginhart vonFulda,' dem Fortsetzer von Rudolfs Translatio Alexandri, vorliegt. Waitzstützt sich hierbei mit Recht auf 1, 32, wo Adam allerdings offenbar fälsch-lich die Translatio Alexandri (851), als von Einhart in den Gesta Saxonumberührt, erwähnt, was ja bei dem 840 erfolgenden Tode Einharts unmöglichist. Ich habe schon früher auf diese Schwierigkeit aufmerksam gemacht(1, 645 f.) und möchte mich auch jetzt noch nicht dem Urteile von Waitz an-schließen, 1 ) da man meiner Ansicht Dach nicht ohne zwingenden Grund eineAngabe Adams aufgeben darf. An Einhart schließen sich als Hauptquellenfür den größeren Teil des ersten Buches die Lebensbeschreibungen Wille-hads, 2 ) Anskars 3 ) und Rimberts an, 4 ) und damit werden verbunden einzelneNachrichten aus der Vita Bonifatii (1, 10), aus Gregor von Tours' Franken-geschichte (1,3), Isidors Chronik (1,26) und den Gesta Anglorum 5 ) (1,39und 2, 25). Für die Chronologie der älteren Erzbischöfe verwandte Adammehrfach die Annales Corbeienses, von ihm als Komputus bezeichnet (1, 35.45. 50. 53. 54) und für die vielfachen Angaben der Reichsgeschichte dieAnnalen von Fulda, die bei ihm mehrfach als Historia Francorum erscheinenund die er nach 1,52 wohl in einer Umarbeitung und Fortsetzung bis 911kannte. 6 ) Von Wichtigkeit ist, daß er 1, 39 ein größeres Stück aus demWerke des Abtes Bovo II. von Korvei über die Geschichte seiner Zeit an-führt, 7 ) das nicht mehr vorhanden ist. Endlich weist er 1, 22 mit den WortenLege ... et in capitido Rhabani de fama Ebonis ambigua wahrscheinlich aufeinen Brief Hrabans hin. Außerdem ist zu erwähnen, daß er die antikeGeographie nicht außer acht läßt, sondern Solin (2, 22) und Orosius (1, 3)zu Rate zieht. In der Benutzungsweise eines so reichen Quellenmaterialssteht Adam aber für diese Zeiten einzig da. Er bittet selbst an seinerWahrheitsliebe nicht zu zweifeln (2, 62. 1, 61) und gesteht ruhig ein, etwasnicht zu wissen; 8 ) auch vermißt er zuweilen in seiner Quelle etwas 9 ) undverweist wohl auch Ungläubige auf den Bericht anderer. 10 ) ChronologischeSchwierigkeiten legt er dem Leser einfach vor (1, 29) und er wägt sorgsamden Bericht mehrerer Quellen gegeneinander ab (2.61. 4,19). So erfüllterdie Pflicht des wirklichen Geschichtschreibers und zwar auch dadurch, daßer seine Gewährsmänner fast stets am Schluß der zu besprechenden Tat-sachen anführt. Und es ist seltsam genug, daß Adam in dieser Beziehung
') Schmeidler p. LIX scheint eine rieh- Gesta Anglorum.tige Lösung der Frage zu bieten. 6 ) Vgl. 1,14. 15. 21. 28. 37. 38. 41.47. 52.
Vgl. Schmeidler p. LVIII.
7 ) 1,39 Bovo, Corbeiae abba de sui tem-poris actis scribens non retieuit dicens.
2 ) Vgl. 1,10. 11. 13. 18.
') 1,15. 16. 21—28
4) l.34_45.
") Sie sind nach R.Pauli(Forsch.z. deutsch, i 8 ) Vgl. 1, 19. 24. 47. 52. 53. 2, 35. 40
Gesch. 12, 143 ff.) northumbrische Annalen. ! s ) Vgl. 1, 39. 2. 26.
Genannt wird der Titel 1105 in Stablo (Gott- ,0 ) Vgl. 4, 32.
lieb, Ueb. mittelalt. Biblioth. S. 288) N. 151 j