Adam von Bremen. 401
während er den Ausgang Papst Benedikts V. von seinen eignen Verwandtenerfuhr (2, 12). Nichts Genaueres verrät er darüber, woher ihm die Kunde■ über den Dänenbischof Odinkar kam (2, 26), dagegen ergänzt er Svens Er-zählung über dessen Großvater Erich von Schweden durch anderer Berichte(2,38). Ein Nordalbingier erzählte ihm von den Kriegen slavischer Stämmeuntereinander (3, 22), während ihm ein Christ genauere Kunde über denGötterkult zu Upsala brachte (4, 27). Von Schiffern erfuhr er die "Breitedes britannischen Meeres (2, 52), und wohl auf ebensolcher Quelle fußt seinBericht über die Gleichheit der Entfernung der Orkaden von Drontheim,von England und von Schottland (4, 35); von einem Dänen erhielt er Kundeüber wildwachsende Feldfrüchte in Winland.(4,39). Aber auch das Gerededes Volkes hat er nicht ganz verschmäht, als er über die von Adalbertseiner Kirche angetane Gewalt klagt (3, 46). Natürlich hatte Adam schonmanches, wovon er spricht, selbst erlebt und er erzählt daher im späterenTeil seines Werkes öfters aus Autopsie. 1 ) Die früheren Teile aber beruhenvielfach auf älteren, auch uns bekannten Quellen, deren Adam eine sehrgroße Zahl zusammengebracht hat, und man muß in ihrer Benutzung seineVeranlagung zum Historiographen bewundern. Denn zunächst geht er miteiner für seine Zeit merkwürdig großen chronologischen Genauigkeit zuWerke und zweitens weiß er die Entlehnungen oder Auszüge aus seinenVorlagen an den rechten Platz zu stellen. Trotzdem laufen ihm chrono-logische Fehler unter, 2 ) namentlich dort, wo er sich zur Reichsgeschichtewendet, die er in den früheren Zeiten nicht gern aus den Augen läßt,wahrscheinlich um seine provinzialgeschichtlichen Daten um so fester zugewinnen, wie er überhaupt Komputationen liebt (1,34). Das Archiv derBremer Kirche gab ihm aber Einblick in die Urkunden des Hochstiftes,und so benutzte er nicht selten Privilegien der Päpste 3 ) und Urkunden derKönige. 4 ) Manches boten ihm auch die Libri donationum et traditionumseiner Kirche, die, in Bücher und Kapitel eingeteilt, auch chronologischeNotizen über die einzelnen Erzbischöfe boten. 5 ) Ferner konnte er einenalten Bischofskatalog verwenden, der in Versen geschrieben war und sichauf frühere Zeit bezog. G ) Aus einem Briefe Anskars, deren er mehrere kennt,führt er 1, 33 ein größeres Stück an und 2, 6 benutzt er ein offiziellesSchreiben des Erzbischofs Brun von Köln zugunsten der Bremer Kirche.Außerdem standen ihm genaue schriftliche Aufzeichnungen über den Her-gang bei der Einsetzung der Erzbischöfe und über ihre Regierungsdauerzu Gebote, die er stets sorgsam verwendet. 7 ) Aber auch sonst tritt inseinem Berichte die Benutzung von älteren Notizen 8 ) über die Geschichtedes Erzbistums hervor. — Die Hauptquellen für die früheren Teile seinesWerkes sind nun historiographischer Art, und zwar ist hier an erster StelleEinhart zu erwähnen, dessen Leben Karls vielfach als Unterlage für die
') So 3,38. 39. 63. 64. 69. 70. 73. 77.
2 ) So 2, 3. 10. 65. 3, 28. 34. Fehler andrerArt z. B. 2,54.
3 ) Vgl. 1,16. 27. 49. 50. 2,3. 31. 39. 3,20.
4 ) Vgl. 1,12. 16.49. 2,2. 3.24.
5 ) Das dritte Buch führt er an (Kap. 1)1,18. 19 und (Kap. 20) 24, das Werk im all-
Manitius, Lateinische Literatur dea Mittelalters. II. 26
gemeinen 1,14.
6 ) Vgl. 1,51. 54.'
') Vgl. 1, 35. 45. 46. 51. 54. 2, 1. 29. 47.63.68.69. 3,1.
s ) Vgl. 1, 61. 62 und 2, 33 (antiqui me-minerunt).