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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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144 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

und macht stellenweise einen dramatischen Eindruck. Man darf freilichnicht vergessen, daß es zur Hälfte in enger Anlehnung an das Hoheliedverfaßt worden ist. Jedenfalls war die Bibel imstande, die Dichtkunstimmer wieder auf das lebhafteste zu befruchten und ihr neuen Geist ein-zuhauchen. Die eklogenartigen Gedichte des früheren Mittelalters aberhaben ohne Zweifel einen gewissen dramatischen Sinn und Gehalt angestrebtund haben vielleicht zur Ausbildung des Dramas beigetragen.

Eingang des Rhythmus (Neues Archiv 15,123) Ad te namque, mi dilecte, Nunc,Ahnanne clarissime, Cogor planctum describere, Qui te pungat assidue. Te Andream con-saluto, Et hoc Carmen vobis mttto, Qnos agnovi pre omnibus His mulceri doloribus. Teil-nahme der Elemente ] ) 5 ; 1 Solls splendor obscuratur, Lune pallor variatur, Astrorüm fragormurmurat Et cell cardo tltubat. Terra mare commocentur, vgl. Matth.27, 45. 51 f. (Seoul.P. C. 5, 232 ff.); 9,3 ist Eranescit statt Eva nescit zu schreiben. Erste Ausgabe aus Paris.18304 s. XI von Sackur, Neues Archiv 15,123126. Daselbst p. 122 f. das Gedichtevillam Silviniacam und p. 123 das Epitaphium ad sepulcrum dömni Odilonis, wo Vs. 5 f.von seiner Abstammung und 11 f. von seinem Todesdatum gesprochen wird.

Aufforderung im Planctus (Marrier, Bibl. Cluniacensis 329333) 7 Nunc terraspelagus montes silvasque ciebo. Vor 21 steht Ratio ad haec respondens ait. Der persönlicheSchluß lautet 128 Et ne multiplices causer producere versus, Odilo, iam valeas, Iotsaldi iammemor esto Almannique tui in votis semper adesto, Andream socium vitc mortisque fidelemCommenda domino, Bernardi necne memento, Nutritosque simul cunctos sotita pietate Consociacelo refovebas quos miserando. Die letzten vier Verse allein im Paris. 18304 s. XI f. 1241)(Neues Archiv 15,122). sie fehlen in der Ausgabe von Marrier, Bibliotheca Cluniacensis329332(=Mignel42,1043ff.). Zu beiden Gedichten vgl. Sackur, Die Cluniacenser 2,342 f.

Leben Odilos. Nachdem Jotsald mit Hugo in Ungarn gewesen war,verfaßte er ein Leben Odilos, das er wohl nach dessen Vorgange 2 ) Epitaphiumgenannt wissen wollte; freilich schränkt er im Vorwort zum 2. Buche dieseBenennung auf das 1. Buch ein. Er widmete das Werk dem Bischof Stephanvon Clermont, weil dieser Odilos Neffe war und von ihm die Priesterweiheerhalten hatte, und er bezeichnet sich selbst in der Widmung als dessenSchüler. Nach einer rührenden Totenklage, deren Anfang der öfters hierzu-genommene Vers Jerem. 9, 1 ist, bezeichnet er als Disposition für Buch 1den Bericht über die Abstammung des Heiligen, das schrittweise gehalteneVorgehen zu seinen Tugenden und endlich den Tod. So erhalten wir zu-nächst Kenntnis vom Eintritt in den geistlichen Stand, von der Erwählungdurch Majolus, vom Eintritt ins Kloster Cluni, vom Tod des Majolus undvon der Wahl zum Abte. Aber das alles wird unter sehr häufigem Gebrauchvon Ausrufen, 3 ) unter Aufwendung eines unmäßigen Wortschwalls und einerMenge von Bibelworten und mit ausgesucht bildlicher Ausdrucksweise vor-getragen, so daß die eigentlichen Lebensdaten fast erdrückt werden. Dannwird die Persönlichkeit geschildert und mit Kap. 6 beginnt die Sub-sumierung der einzelnen Tugenden des Mannes unter die vier Kardinal-tugenden, die genau erläutert und dann von Kap. 6 bis 13 in Beziehungzu Odilo gesetzt werden. Dabei werden manche Züge von allgemeineremInteresse erwähnt, wie in Kap. 13 der Ausspruch des Heiligen, daß er Cluniaus Holz empfangen habe und es aus Marmor hinterlasse, der auf das

1 ) Das Gedicht ist anonym überliefert, j 3 ) Als Vorbild dienten hier die SchriftenDiese Aehnlichkeit mit dem Planctus dürfte j des Sulpicius Severus über den hl. Martin,für Jotsalds Autorschaft sprechen. die dem Jotsald nach 2, 1 p. 609 bekannt

2 ) Nämlich nach dem Epitaphium Adal- waren,heidis.