Die Lebensbeschreibungen der Cluniacenseräbte.
Christi Tode berichten. Jotsald geht dann auf die persönlichen Eigenschaftendes Toten ein, der von den Großen dieser Welt aufs höchste geehrt wurdeund der alle in gleicher Weise liebte; besser sei es, meint der Dichter,mit ihm zu sterben, als weiterzuleben. Und wenn es 24, 1 f. heißt: „DeineSeele hat unsern Gruß empfangen und deine sterbliche Hülle übergebenwir der Erde", 1 ) so dürfte daraus hervorgehen, daß dies hymnenartigeGedicht wohl für den Begräbnistag des Abtes bestimmt war und an diesemvorgetragen worden ist. Es schließt mit der Bitte an den im Himmel an-wesenden Heiligen, der Seinen eingedenk zu sein, und mit der Bitte anChristus, den Totenrichter, jenem die Siegespalme zu verleihen.
Das größere Gedicht betitelt sich, falls die Aufschrift Marriers richtigist, Planctus de transitu domni Odilonis. Sein Anfang berührt sichmit dem des vorhergehenden, indem die Elemente zur Trauer aufgefordertwerden. Doch ist die Anlage wesentlich verschieden, da man es hier miteiner Art Ekloge zu tun hat. Denn nachdem der Dichter jene Aufforderunggetan und manches zum Preise und Ruhme des Toten gesprochen hat,erklärt die Vernunft (Ratio), daß alles sterben müsse und dem Unterganggeweiht sei. 2 ) Doch der Dichter tröstet sich 30ff. mit dem Gedanken, daßüdilo überhaupt unsterblich sei, da er mit Christus und Maria lebe. Aufdie Bemerkung, daß Abt Wilhelm von Dijon an demselben Tage gestorbensei, der mit Odilo unter Majolus Mönch war, beginnt dann die GleichsetzungOdilos mit dem Geliebten im Hohenliede und 57 ff. schildert der Dichter dieglänzende Aufnahme des Verstorbenen im Himmel und die Folgen dieserAufnahme für ihn. Dann vergleicht er Odilo 75 ff. mit einem festen Turm,den der Feind nicht einnehmen kann. Odilo wird nun von der Kirche gesuchtund gefunden, es wird ihm ein Mahl angeboten, das sich dem ferculumSalomonis vergleicht (Cant. 3, 9), und der Heilige erhebt dabei seine Stimmezum Gesänge und verkündet, daß er nun die ersehnte Ruhe im SchattenChristi gefunden habe. Daher bittet der Dichter Vs. 94 die Töchter Jeru-salems, den Schlafenden nicht aufzuwecken. Aber Odilo wacht 98 ff. beider großen Auferstehung 3 ) von selbst auf und kommt heran, umgeben voneiner Menge von Heiligen. Der Dichter beschließt sein Werk mit einemGebet 114ff. an alle Fürbitter, sich für Odilo zu verwenden. Aber er hängtdem Gedichte einen Epilog an. Hier wendet er sich an seinen einstigenLehrer und Freund*) und preist sein Walten und seinen segensreichen Ein-fluß auf ihn; dann nimmt er Abschied von ihm und bittet ihn, seiner wiedreier anderer Schüler eingedenk zu sein, nämlich des Almannus, desAndreas und des Bernhard. Almannus aber ist uns schon bekannt alsAdressat von Odilos Vita Maioli und außerdem durch seine Erwähnungneben Andreas im Rhythmus Jotsalds. Das Gedicht ist lebendig geschrieben
') Neues Archiv 15,125 N. 24 lam animamsalutamus, Corpus terre commenclamus, Re-sumpturum (so lese ich statt resumpturam)mox spiritum, cum venu iudicium.
2 ) Vs. 25 (Marrier, Bibliotheca Clunia-censis 329) Tendit ad occasum quicquid luciscapit ortum ist ähnlich dem von JulianusToletanus in Nahum (Migne 96,750) zitierten
Verse Omne quod est gentium tendit ad in-teritum. Vs. 22 Musa mihi causas memoraaus Verg. Aen.1,8.
3 ) 100 cum venerit arbiter orbis klingtan Sedul. P. C. 4,165 f. an.
4 ) Vs. 119 Qui tibi praecipui nodis cin-gebar amoris.