Die Lebensbeschreibungen der Cluniacenseräbte.
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der Sarazenen zu deuten. So hat Odilo sich im allgemeinen auf das Wesent-liche beschränkt und einen kurzen, aber sachlichen Überblick über dasLeben seines Vorgängers gegeben; die vielen fremdartigen Bestandteile,die das Leben des Majolus von Syrus umwuchern, sind hier vollständigweggefallen. Auch schreibt Odilo in einem einfacheren und konziserenStil, so daß der Einfachheit des Inhalts auch die Klarheit des Äußerenentspricht. Allerdings beliebt auch er die in Cluni so gewöhnliche Reim-prosa anzuwenden.
4. Aber auch Nalgod, dessen Bearbeitung der Vita Odonis wir schonkennen, hat die Vita Majoli des Syrus in seinem Sinne bearbeitet. Erspricht sich in der Vorrede nicht gerade günstig über seine Vorlage aus.Der liebevolle Eifer der Brüder habe ihm aufgetragen, die Vorlage, dievor Verwirrung auseinanderfließe, einfach und kurz zu gestalten. Er habesich die Autoren — dieser Plural ist aber fast ausnahmslos rhetorischeÜbertreibung für den Singular — vorgelegt, die darüber schon geschriebenhatten, und er werde den Sinn der Wahrheit aus ihren Werken in eignerDarstellung zu bewahren suchen, und man brauche zur Schilderung derTugenden und Wunder des Heiligen keine rhetorischen Farben, sonderneinfache Worte, da diese durch sich selbst sprächen. Nalgod hat nun dieArbeit des Syrus zurechtgeschnitten und fast alles sachlich Brauchbaredaraus verwertet, während er den ganzen Aufputz von Heiricversen beiseiteließ. Die wenigen Stücke, die er bringt und die bei Syrus nicht stehen,sind alles Wundergeschichten, 1 ) die ihm wohl durch mündliche Kunde zu-flössen. Die ganze Darstellungsweise hat bei Nalgod gewonnen, denn derStil ist klarer und durchsichtiger geworden, wenn auch manche Stellenseiner Erzählung mit poetischen Blumen stark aufgeputzt sind. 2 )
Zeugnisse. Syrus sagt im Vorwort (Mabillon, Acta SS. 7, 764, ed. Venet.) Spiritualipatri clomno Odiloni abbati Syrus monachorum infimus . . . Saepe mihi multumque cunctantib. Maioli venerabiles actus stiliprosequi officio, cum ad id operis s. recordationis TJuarnerii 3 )importuna perurgeret petitio . . . Sub eodem temporis articulo nie ad Italiam, illumaue vobisdirigere placuisset at Alsatiam, opus quod relinquebam imperfectum secum ipse detulit perschedas dispersum. Post eiusdem lacrimabilem transitum, cum vestrae praesentiae in Morba-censi coenebio fuisset oblalum,. iniunctum mihi est ex vestra sententia, quo studerem quaedeerant, addere et scriptorum vitio depravata ad statum pristinum relegendo corrigere.Zu den sachlich wichtigen Teilen der Biographie vgl. W. Schnitze. Forsch, z. deutsch. Gesch.24,156 f. Der Brief des Majolus an die Brüder steht 3,4 p. 779. — Vor der Bearbeitungdes Syrus durch Aldebald stehen die Versus Reimbaldi (de vitae huius scriptoribus), dieprosodisch ziemlich rein und einsilbig leoninisch gereimt sind. Hier heißt es Vs. 15 (ActaSS. Mai 2, 669) Ad Christi laudem quae Warennerius autem . . . Persuasit domino supplexmulta prece Syro Scribere . . . Qui tandem .. . Discere quae potuit narrantibus edere cocpii.Tegmina sed eamis solvens per debita mortis Hoc opus extguum dimisit semiperactum. MoxAldebaldus quod supplevit Studiosus, Congrua subnectens et, ut aspicis, ordine inngens. DieZerstörung von Lerins (unter Abt Porcarius) vgl. 1,3 f. p. 669 f.; sie ist viel stärker mit Versengemischt, als in der Ausgabe ersichtlich wird. — Odilo widmet seine Schrift (Acta SS.Mai 2,684) Hugoni et carissimo fratri Almanno Odilo presbyter und bemerkt in der Vorrede,daß ihm in seiner Trauer der hl. Majolus erschienen sei, der ihm mitgeteilt habe ut sianimüm in eius laudibus occupare satagerem, caelestis consolationis praesidium . . . invenirepossem. Idcirco, düectissimi seniores et fratres .. ■ opus subiectum scribere curavi. Ort und
') Vgl. W. Schultze, Forsch, z. deutsch.Gesch. 24, 161.
2 ) Vgl. 3,29 (Acta SS. Mai 2, 665) et navisecclesiae rectoris praesidio destituta in huiusvitae fiuctuantis incerto diversis molestiis pul-
sabatur.
3 ) Er war wohl Prior in Cluni und wirdgenannt bei Bernard et Bruel, Recueil deschartes de l'abbaye de Cluny Nr. 1314.