Die Lebensbeschreibungen der Cluniacenseräbte.
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auf die Erbauung der Mönche berechnet sind. Daher liest man die breitestenSchilderungen von den Tugenden des Heiligen als Christ und als Mönch,eine Menge Wunder werden aufgetischt und von seiner Reformtätigkeitwird so gesprochen, als ob ein Odo gar nicht vor ihm gelebt hätte 1 ). Undzu diesem Rühmen der Tugenden gehört ohne Zweifel die 3, 8 erzählteAblehnung der päpstlichen Würde durch Majolus; es ist jedenfalls eine imKloster entstandene Sage gewesen, daß Otto II. und Adelheid dem Abt vonCluni die höchste kirchliche Stellung angetragen hätten, und bei Ablehnungderselben konnte Syrus die Demut des Abtes ins hellste Licht stellen. 2 )Und um die eigne Armut zu verdecken hat Syrus namentlich im 2. und3. Buche einen literarischen Raub im großen Stile begangen, indem e"r eineganze Reihe Kapitel mit kürzeren Gedichten schließt, die aus dem Zu-sammenhang gerissen sind und sämtlich aus Heirics Vita s. Germani stammen,wie Traube nachwies. 3 ) Der Stil des Syrus ist der gewöhnliche derhagiographischen Werke, er ist stark paränetisch und bilderreich. DieAusdrucksweise wird durch eine außerordentliche Menge von Bibelwortenbeeinflußt, aber nicht durch die antike Poesie, wie ja auch Majolus nach1,14 4 ) sich später von Vergil ganz ab wandte. Störend wirkt in der ganzenDarstellung die übermäßige Anwendung der Reimprosa, die nicht nur inder Vorrede sich geltend macht, wie W. Schultze will. 5 )
2. Dieses Leben des Majolus hat nun der Mönch Aldebald von Lerinseiner Überarbeitung unterzogen, zu der ein Mönch Raimbald ein Vorwort vondreißig Hexametern schrieb, in dem erst die Vorrede des Syrus paraphrasiertund dann hinzugefügt wird, daß Syrus bei seinem Tode die Biographieunvollendet hinterlassen und daß Aldebald sie vollendet und in die nötigeOrdnung gebracht habe. Da nun die Rezension Aldebalds sich von derdes Syrus nur durch die 1, 3 f. hinzugefügte Zerstörung von Lerins durchdie Sarazenen unterscheidet, so glaubte Traube, 6 ) daß auf Aldebald sowohldie auf uns überlieferte Rezension des Syrus wie auch die unter seinemNamen gehende Bearbeitung zurückzuführen sei, zumal Aldebald in diesernoch eine ganze Menge poetische Stellen aus Heirics Vita s. Germani ein-gefügt hat. Es ist aber hier doch wohl mehr Wert auf den Inhalt des anOdilo gerichteten Vorworts des Syrus zu legen und kaum anzunehmen,daß Aldebald zwei sich fast völlig gleichbleibende Rezensionen desselbenWerkes verfaßt habe; und ich schließe mich daher Sackurs Ablehnung 7 )dieser von Traube aufgestellten Hypothese an. Aldebalds Änderungengegenüber Syrus bestehen zunächst in neuen, aber völlig inhaltlosen undnichtssagenden Prologen in Prosa zu den beiden ersten Büchern, währender beim Prolog zuni 3. Buche einfach zu Heirics Vita s. Germani griff undihr 37 Verse entnahm, wie er auch schon den Prolog zu Buch 2 mit solchen
1 ) Vgl. hierzu 2, 6 p. 772 Nam regularisvitae disciplinam. — corrigendo restituit.
2 ) Vgl. zu dem Vorgang W. Schultze,Forsch, z. deutsch. Gesch. 24,168 ff. Da Odilodavon schweigt, so ist an der Sache kaumetwas Wahres.
3 ) Neues Archiv 17,402 ff.
4 ) 1,14 p.768 Legerat . . . olim . . . Vir-
güiique mendacia; quae nolcbat nee ipse iamaudire nee alios legere, sufßciunt, inquiens,divini poetae vobis nee egetis luxuriöse/, Vir-gilii vos pollui faeundia.
5 ) Forsch, z. deutsch. Gesch. 24,156.
6 ) Neues Archiv 17, 403 ff.
7 ) Sackur, Die Cluniacenser 2,339 n. 2.