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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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134 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

älteren Literatur begegnet nur ein Doppelvers (2, 23 p. 175), der aus Vers.Catonis luxuriam contra 1 und aus einem mir unbekannten Verse *) besteht.

2. Außer dieser umfangreichen Biographie hat Johannes noch eine zweiteund zwar kürzere Fassung von Odos Leben geschrieben. Er verfaßte siein Salerno und zwar vielleicht als Abt und hat sie einem fremden Klostergewidmet. Es fehlen ihr alle die Abschnitte, die sich auf klösterliche Ein-richtungen beziehen, alle mehr subjektiven Ausführungen und Exkurse.Also ließ Johannes alles das weg, was nicht unmittelbar zur Sache gehörteund aus dem Rahmen der Biographie herausfiel. Mit dieser Verkürzunggeht aber auch eine andre Anordnung Hand in Hand, die sich namentlichauf Umstellung des im zweiten und dritten Buche gegebenen Stoffes be-zieht, und zugleich sind einige neue Kapitel hinzugekommen.

3. Diese kürzere Fassung, die nur in einer Handschrift erhalten ist,hat nun ein Mönch zur Zeit des Abtes Hugo um die Mitte des 11. Jahr-hunderts neu bearbeitet. Freilich weicht seine Schrift nur in zwei wich-tigeren Punkten von jener kürzeren Redaktion des Johannes ab, die siesonst fast wörtlich wiedergibt. Nämlich 1, 22 ist ein Exkurs über AbtBerno eingeschoben und 1,382, 2 ist durch Kenntnis von Bernos Testamentverändert worden. Der Verfasser berichtet in der Widmung an Hugo, daßer zu der Arbeit von seinen Oberen und den Brüdern aufgefordert wordensei und daß er die Wahl- und Weiheurkunde Odos sowie das ihm kürzlichvon Hugo zugesandte Gedicht des Bischofs Hildebold 2 ) auf Odo benutzthabe; denn in bezug auf die Weihe Odos und auf seinen Tod weise dieBiographie Mängel auf und er habe auch sonst allerhand gebessert undergänzt.

4. In späterer Zeit aber und zwar im 12. Jahrhundert erfolgte einewirkliche Umarbeitung der ursprünglichen Biographie. Der Verfasser, derMönch Nalgod'von Cluni, sagt in der Vorrede, daß einige ältere Brüderihn dazu bestimmt hätten, und er habe sich beim Lesen vom Werke desJohannes überzeugt, daß darin eine solche Verwirrung in den Worten,eine solche Weitschweifigkeit und eine so große Unordnung in der chrono-logischen Erzählung sich finde, daß die Berichterstattung weder nach Stoffnoch nach Zeitfolge zusammenhänge. Diesen Übelständen suchte Nalgodabzuhelfen, indem er allerdings die Ungleichmäßigkeit in der Erzählungdes Johannes beseitigte, d. h. das Leben Odos möglichst chronologisch ein-ordnete und erzählte und die unklare Schreibweise durch einen strafferenund weniger wortreichen Stil ersetzte. Die eignen Zusätze des Verfassersdagegen sind höchst unbedeutend, sie gehen über kurze Erklärungen undüber persönliche Deutung und Auffassung der Wunder fast nicht hinaus.Diese Bearbeitung, die das Werk des Johannes räumlich auf die Hälftereduziert, hängt jedenfalls mit dem im 12. Jahrhundert lebhafter erwachendenStilgefühl zusammen, das eine so unfertige Biographie nicht ertragen konnte.

') Corporis atqite animae dilige munditiam;bei Prosper und bei Orientius steht der VersDicht.

2 ) Ist wahrscheinlich Hildebold von Chalon.

Das Gedicht ist verloren, es kann nicht vielTatsächliches enthalten haben, vgl. Sackur,Die Cluniacenser 2, 337.