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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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Die Lebensbeschreibungen der Cluniacenseräbte. 133

wie 2, 23 fast ganz aus einer Predigt gegen die Überschreitung der Regelbesteht, oder wie 3,1 sich der Verfasser durch Odo darin unterweisen läßt,auf welchem Wege die Mönchsorden in Italien und im übrigen Europa herab-gekommen seien. Selbstverständlich geht es ohne Wunder nicht ab, wie 1,35die Verwandlung von Brotkrümchen in Perlen erzählt wird, oder 1,37 einHund, der die von Abt Berno gesegnete Speise anrührte, unfehlbar sterbenmußte, oder wie 2, 3 sich beim Empfang des Bischofs in Cluni ein Eberder Armut des Klosters von selbst anbot, oder das Wunder Odos 2,17 mitdem leck gewordenen Rhonekahn, oder wie endlich 2, 22 berichtet wird,daß eine dem strömenden Regen ausgesetzte Handschrift der Dialoge überden hl. Martin völlig unversehrt blieb.

Diese Erzählung aber leitet über zu den literarisch wichtigen Stellendes Werkes. Johannes selbst scheint über keine große Kenntnis in litera-rischer Beziehung verfügt zu haben, denn sein Stil läßt nur erkennen, daßihm die Sprache der Bibel und der hagiographischen Literatur x ) geläufigwar, ja seine Ausdrucksweise ist meist ungewandt und schwerfällig, seinLatein fehlerhaft. Aber er kommt doch im Leben Odos auch auf literarischeDinge zu sprechen, wenn auch meist nur bei Gelegenheit der von Odo ver-faßten Schriften. So vergleicht er 1,13 eine Vision, in der Odo durch Füchseund Wölfe verfolgt wird, mit ähnlichen Stellen in der Vita Pauli des Hiero-nymus und in der Vita Ammonis und spricht dort über den Löwen desHieronymus und macht auf eine Stelle in den Dialogen Gregors überFlorentius Nursinus aufmerksam. Odo selbst erzählt 1, 5, daß sein VaterAbbo die Geschichte des Altertums und die Novellen Justinians im Ge-dächtnisse hatte; ihm selbst aber erschien, während er Priscian studierte,eine Vision, die ihn vom Studium Vergils und überhaupt der römischenDichter abmahnte (1,12). Aber er ging später nach Paris und studiertehier unter der Leitung des Remigius die sogenannte Dialektik Augustins 2 )und Martianus Capella. Als er nach Tours zurückkehrte, wurde er vonden Brüdern von St. Martin aufgefordert, die Moralia Gregors zu einemBande abzukürzen, und er übernahm die Arbeit, nachdem ihn eine VisionGregors dazu bewogen hatte. Und als er später 3 ) wieder in Tours weilte,baten ihn die Mönche, die kurzen Antiphonen auf ihren Heiligen abzuändernund zu verlängern; er ging zwar zuerst nicht darauf ein, dichtete aberdann drei Hymnen und zwölf Antiphonen auf St. Martin. In St. Paul zuRom endlich bat ihn Abt Balduin, die Dialoge über das Leben des hl. Martinzu korrigieren und mit Glossen zu versehen, und bei dieser Arbeit kames zu dem schon erwähnten Wunder, daß der Regen der Schrift nichtsanhaben konnte. Sonst begegnet in der umfänglichen Biographie nichtsLiterarisches, außer etwa, daß bei Erwähnung des häufigen Stillschweigensder Mönche in Cluni 1, 32 als Ersatz für die Rede die Zeichensprache be-rührt wird, die die Grammatiker nach der Ansicht des Johannes die Spracheder Pinger und der Augen nannten. 4 ) Von Anführungen aber aus der

') So zeigt 3,12 p. 183 non est nostrae sunt evoluti haud plus quam sex anni, also

fficultatis evolvere Anlehnung an Sulpicius etwa 937.Vita Martini 10,1. 4 ) 1,32 p. 159 quas puto grammatici di-

2 ) Es sind die Kategorien des Aristoteles. gitorum et bculorum notas vocare voluerunt.

3 ) Johannes sagt 1,10 p. 151 Ecce enim