Die Lebensbeschreibungen der Cluniacenseräbte. 131
in Italien weilte und der den Johannes in den mönchischen Disziplinenunterrichtete. Als Odo dann wieder nach Rom kam, bewog er den KanonikerJohannes, Mönch zu werden, und beide reisten dann zusammen. Hierbeierkundigte sich Johannes nach Odos Jugend und der Abt gewährte ihmeinen tiefen Einblick in sein früheres Leben. Und da das Zusammenseinbeider Männer an zwei Jahre andauerte und Johannes der unzertrennlicheGefährte Odos wurde, so mußte es ihm leicht fallen, sich eingehend überdessen Leben und Gewohnheiten zu unterrichten. In Rom war nun Johanneshöchstwahrscheinlich ins Paulskloster eingetreten und später wurde er dortPrior und es scheint, daß Odo vorher noch ein zweites Mal in Rom weilte, 1 )wo er in Gemeinschaft mit Johannes eine diplomatische Sendung aufgetragenerhielt, um für den Frieden zwischen König Hugo von Italien und demrömischen Fürsten Alberich zu wirken. Aus des Johannes Vorrede ergibtsich aber, daß dieser mit den Mönchen (des Petersklosters?) zu Salerno innähere Beziehungen getreten war; man bat ihn nämlich dort um desPalladius Mönchsleben, 2 ) also die Historia Lausiaca, die er auch den Brüdernvon Salerno zu schreiben versprach. Kurz vor der Vollendung des Werkesbesuchten ihn sein Konfrater Adhelrad und Johannes, ein hoher Finanz-beamter am Hofe von Salerno. Beide brachten das Gespräch auf Odo, derkurz vorher gestorben war, und als er manches über seinen heiligen Freunderzählt hatte, baten ihn beide, das Gespräch aufzeichnen zu wollen. Erging auf den Wunsch ein und bittet nun in der Vorrede seines Werkes,man möge seinem Berichte ja trauen. Wenn er nun fortfährt, sein LehrerArnulf habe ihm vieles über Odo als Augenzeuge mitgeteilt, desgleichenBischof Hucbert von Tibur und sein Mitbruder Landric, daß er aber derenBericht unterdrückt und nur das aufgeschrieben habe, was er aus Odoseignem Munde gehört habe, so ist das doch keineswegs wörtlich zu nehmen,denn Johannes hat sicher auch alles dargestellt, was ihm zu Ohren ge-kommen war, und vieles aus seinem Bericht geht gewiß nicht auf Odoselbst, sondern auf andere Quellen zurück. Soviel aber steht fest, daß dieBiographie kurz nach dem Tode des berühmten Abtes verfaßt ist und daßJohannes unter dem unmittelbaren Eindrucke der lebendigen Persönlichkeitgeschrieben hat. Freilich ist die Biographie nicht so ausgefallen, wie manwohl wünschen möchte, und wir würden gern seitenlange Auslassungendes Johannes dreingeben, wenn das übrige auf der Grundlage von Urkundenund Aktenstücken aufgebaut wäre, ja wenn es sogar nur nicht an einerganz verzweifelt schlechten Chronologie litte. Denn allerdings in dieserBeziehung ist die richtige Verknüpfung des Sachverhaltes schwer, wenn esz. B. heißt: Zu einer gewissen Zeit, oder: Nachdem diese Zeit vorbei war,oder: Um dieselbe Zeit, oder: In jener Zeit. Die Vorrede richtet sich andie Mönche von Salerno, zu denen Johannes später selbst gehörte; sie gibtden nötigen Aufschluß über die vom Verfasser benutzte Kunde über seinenHelden und sie schließt mit der Aufforderung, daß man ihn nach den Vor-fahren und Zeitgenossen Odos nicht fragen möge, da er niemand von ihnen
1 ) Ueberdie Romreisen Odos vgl. Sackur, ] c. 1 Librum quem ... Palladius de vita etDie Cluniacenser 1,359 ff. virtutibus beatorwn eremitarum patrum fem-
2 ) Mabillon, ActaSS.ord.s.Bened.7,148 poribus Theodosii imperatoris composuit.