Zweiter Abschnitt. Geschichtschreibung. 129
Blick sein Werk schrieb. Brun von Querfurt stellte das Leben der fünf inPolen erschlagenen Brüder in schwärmerisch-geistlichem Tone dar. DasLeben des Iren Caddroe stellte ein Mönch des Klosters Waulsort dar,- derseine Arbeit dazu benutzte, um in ihrem Anfang, gemäß der Trojanersageder Franken, den Iren asiatischen Ursprung und Abstammung ihres Fürsten-geschlechts von Aeneas anzudichten. Eine wertvolle Biographie des großenGelehrten Abbo von Fleury lieferte der Mönch Aimoin und einen sehr reich-haltigen Stoff stellte Andreas von Fleury im Leben des Abtes Andreasdar, wodurch sich diese Schrift weit über die meisten ähnlichen heraus-hebt. Auch das Leben des Abtes Poppo von Stablo, von Onulf, einemMönche in Blandigny, mit Unterstützung des Abtes Everhelm von Haut-mont verfaßt, ist inhaltlich eine wertvolle Leistung. Weniger bedeutenderscheint das Leben des Abtes Gerhard von Brogne, das von einem Mönchedieses Klosters stammt, aber oft an einer ermüdenden Breite leidet.
Die Reihe der Bischofsleben wird mit einem vortrefflichen Werke er-öffnet und zwar mit dem des Erzbischofs Bruno von Ruotger, der die großeund weitreichende Wirksamkeit seines Helden, des Erzbischofs von Köln,von allen Seiten und gründlich erörtert und von seiner Person ein leben-diges Bild entwirft. Bischof Gumpold von Mantua verfaßte wahrscheinlichein nicht mehr vorhandenes Leben des böhmischen Herzogs und MärtyrersWenzeslaus und beschrieb später in einer eignen Schrift dessen Martyrium.Derselben Aufgabe unterzog sich später in bedeutend besserer WeiseLaurentius, Mönch von Monte Cassino. Eine hervorragende Leistung wiederist die Biographie Bischof Udalrichs von Augsburg vom Propst Gerhard,denn sie ist höchst individuell gehalten und bringt eine Menge von Einzel-zügen, die den Helden der Erzählung sorgfältig charakterisieren. DasLeben und das Martyrium Adalberts, des ersten Prager Bischofs, schildertein kurzen Zügen zuerst ein Slave, wenig später wurde es von JohannesCanaparius, einem Mönche vom Aventinkloster, dargestellt, und bald daraufwurde diese Schrift durch Brun von Querfurt sachgemäß erweitert undergänzt. Ein geschichtlich sehr brauchbares Werk lieferte der Abt Konstantinvon St. Symphorian zu Metz in dem Leben des Metzer Bischofs Adalbero ILund setzte hierin seinem verstorbenen Bischof und Freunde ein schönesDenkmal der Dankbarkeit. Das Leben Bernwards von Hildesheim vonThangmar gewährt einen tiefen Einblick in das ganze geschichtliche Werdenund Leben der Zeit und ist eine der besten Biographien des Mittelaltersüberhaupt. Auch das Leben des berühmten Kanonisten Bürchard von Wormsgehört zu den besseren Leistungen der Art, wenn sich auch der Verfasser,vielleicht Ebbo von Worms, stilistisch beinahe ungebührlich an andere Werkeanlehnt. Eine stofflich bedeutende Arbeit leistete Wolfhere, Domherr vonHildesheim, in dem Leben des Bischofs Godehard, von dem der Verfassernoch eine Neubearbeitung veranstaltete. Eine Biographie des ErzbischofsHeribert von Köln verfaßte der Mönch Lantbert von Deutz, während dasLeben Bardos von Mainz durch den Mainzer Kaplan Vulculd und durcheinen Fulder Mönch beschrieben wurde. Eine vortreffliche Arbeit endlichist das Leben Balderichs von Lüttich, das ein Schüler Olberts von Gem-blous beschrieb. Geradezu auffällig aber ist das Schweigen der Papst-
Manitius, Lateinische Literatur des Mittelalters. II. 9