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2 (1923) Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat : mit Index
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\ 28 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.

Periode gehört hier das ausgezeichnete Leben König Alfreds des Großenvon Bischof Asser von Sherborne, das die älteste Laienbiographie in Eng-land darstellt. Auffällig ist jedenfalls, daß ein Mann wie Otto I. keinenBiographen gefunden hat, auch er mochte wohl von den Zeitgenossen zuverschieden beurteilt werden, als daß sich jemand an das Leben des mäch-tigen Mannes gewagt hätte. Dagegen hat Ottos Mutter Mathilde zweiLebensbeschreibungen im Kloster Nordhausen erhalten, die ältere ungeschicktaus allen möglichen alten Schriften zusammengesetzt und im Lob unmäßig,aber der Geschichte doch noch nahestehend, die zweite, eine stilistischeBearbeitung der ersten, aber verändernd und eingreifend ohne geschicht-liche Glaubwürdigkeit. Erst Heinrich IL fand in Adalbold von Utrecht einenBiographen, doch ist dessen Werk nur zum kleinen Teil erhalten. Hervor-ragend in bezug auf Einsicht in die Verhältnisse und auf Anordnung undGestaltung des reichen Stoffes ist das Leben Konrads IL von seinem NotarWipo, einem äußerst kenntnisreichen Manne, der in das Wesen der Bio-graphie wirklich eingedrungen war und seinem Herrn ein bedeutendesDenkmal gesetzt hat. Viel weniger genügt das Leben des DänenkönigsKnud in den Gesta Cnutonis eines Mönches von St. Omer, da diese Schriftviel zu sehr vom geistlichen Standpunkt verfaßt ist und zu starke Anleihenin der alten Literatur macht. Und auch das Leben König Roberts vonFrankreich, das der Mönch Helgald von Fleury darstellte, fällt mehr oderweniger in Einzelgeschichten auseinander und läßt vom Wesen der Biographiewenig verspüren.

Dies sind aber die einzigen Laienleben in unsrer Periode, die sich er-halten haben; ungleich größer ist die Anzahl der Biographien von Klerikern.Entsprechend der gewaltigen Bedeutung des Klosters Cluni haben dessenÄbte meist bald nach ihrem Tode Lebensbeschreibungen erhalten, die sj>ätermehrfach von andern Verfassern überarbeitet und nach dem Zeitgeschmackverändert worden sind. So fand Odo einen Biographen in dem römischenMönche Johannes, der sein Leben sogar zweimal darstellte und im 11. und12. Jahrhundert Umarbeiter fand. Das Leben des Majolus wurde vom MöncheSyrus in Cluni sowie von seinem Nachfolger Odilo beschrieben und dasWerk des Syrus später mehrfach verändert. Jotsald von Cluni schildertedas Leben Odilos allerdings in legendärem Stile und auf diesem Wege schrittPetrus Damiani in seinem Leben Odilos weiter. Ein verloren gegangenesLeben des Abtes Hugo verfaßte Hezelo, während Gilo von Ciunis Leistungerhalten ist, die freilich nur eine überladene und unförmliche stilistischeLeistung ist; eine verbesserte Form von Gilos Schrift gab später Hildebertvon Le Mans heraus. Die große politische Bedeutung Hugos veranlaßteaber auch seinen Neffen Rainald, Abt von Vezelay, das Leben seines Oheimsdarzustellen, und auch sonst hat man später in Cluni biographische Versuchemit dem gleichen Stoffe gemacht. Allerdings vermissen wir in allen diesenLeben der Cluniacenseräbte ein tieferes Eingehen auf ihre wirklichen Lebens-verhältnisse und- auf ihre Tätigkeit, die Schönrednerei hat sich hier zu breitgemacht. Hingegen erhielt der Abt Johannes von Gorze eine ausgezeichneteBiographie durch seinen langjährigen Freund Johannes, Abt von St. Arnulfin Metz, der mit voller Sachkenntnis und mit einem gewissen politischen